Die Organisation Capacity fördert höher qualifizierte Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund bei der Umsetzung einer Geschäftsidee durch Mentoring und Workshops. An der Pop-up Fair heute Abend im Zürcher Impact Hub im Kreis 5 werden rund 20 Projekt- und Geschäftsideen präsentiert. So werden die Anwesenden am heutigen Anlass von einem bereits realisierten Mentoringprojekt verköstigt, dem afghanisch-persischen Catering Nafissas Kitchen. Anwesend wird auch die Designerin Dahian Vasquez sein, die in Kolumbien Hochzeitskleider produziert. Neben den Bereichen Dienstleistung, Art und Design fördert die Organisation auch Informatikprojekte. Derzeit befindet sich eine Sprach-Lern-App in der Testphase.

Neben Businessideen entstehen bei Capacity aber auch soziale Projekte. «Dazu gehört die direkte Unterstützung von Flüchtlingen, Entwicklungsprojekte in Äthiopien oder auch das Projekt Architecture for Refugees», so Emily Elsner, Geschäftsführerin von Capacity. Letzteres hat kürzlich im Rahmen einer Ausstellung auf die städtebaulichen Anforderungen und Auswirkungen von temporären Unterkünften für Flüchtlinge auf sich aufmerksam gemacht.

Seit 2015 kümmert sich das sechsköpfige Team von Capacity um Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung und versucht, sie mit Einheimischen zu vernetzen. Auf die Idee kam Elsner, die zuvor als Beraterin für interdisziplinäre Methoden gearbeitet hatte, zusammen mit der Ärztin Alexa Kuenburg, die bei ihrer Arbeit am Universitätsspital Zürich viele Patienten mit Migrations- oder Fluchthintergrund behandelt hat. Dabei konnte Kuenburg immer wieder feststellen, dass nicht nur die Gründe, die zur Migration oder Flucht geführt haben und die Flucht selber, den Gesundheitszustand der Patienten massgeblich beeinflussen, sondern auch die Lebensumstände im Aufnahmeland.

Freiwillige unterstützen

Die Teilnehmer des Mentoringprogramms verfügen nach Angaben der Organisation häufig über einen betriebswirtschaftlichen Fokus. Teilnehmen können Menschen mit dem Status anerkannter Flüchtling (Ausweis B) oder vorläufig aufgenommene Flüchtlinge (Ausweis F) sowie Migranten. Generell gefordert werden von den Mentoren Arbeitserfahrung, besonders in der Projektarbeit und eine höhere Qualifikation, wie beispielsweise ein abgeschlossenes Studium im Herkunftsland. Zudem sind Deutschkenntnisse als Voraussetzung genannt.

Die Teilnahmekosten werden den finanziellen Möglichkeiten der Teilnehmer angepasst. «Sie hinterlegen zu Beginn des Programms ein Depot von 150 Franken, das wir nach Abschluss zurückerstatten», so Elsner. Das Depot solle die Teilnehmer dazu bewegen, das Programm vollständig zu durchlaufen.

Die Flüchtlinge werden dann während sechs Monaten von einem ehrenamtlichen Mentor bei der Realisierung ihres Projektes begleitet. «Anerkannte und vorläufig aufgenommene Flüchtlinge sowie MigrantInnen gehen in der Schweiz häufig einer Arbeit nach, die nicht ihren Fähigkeiten entspricht. Der Weg in die Selbstständigkeit ist für sie eine Möglichkeit, ihre Potenziale zu entfalten», erklärt die Fachstelle für Integrationsfragen, welche die Organisation finanziell sowie projektbezogen unterstützt.

Mittels Workshops und Mentorings sollen also jene unterstützt werden, die sich gerne selbstständig machen oder aber ihre Chancen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt verbessern möchten. Neben der Fachstelle für Integrationsfragen unterstützten 2016 auch das Staatssekretariat für Migration und das Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich das Projekt finanziell. In diesem Jahr nun wird Capacity aus einer Kombination von Spenden der Fachstelle, der kantonalen Standortförderung, dem Impact Hub Zurich und der Schweizer Grossbank UBS gefördert. Weitere Sponsoren sind das Telekommunikationsunternehmen Cablex aus Zürich oder die Winterthurer Beratungsfirma Ecloo.