Gross war der Schock am frühen Morgen des 17. Februars, als plötzlich Rauchsäulen bei der Kalkbreite Genossenschaft im Kreis 3 emporstiegen – ein Kabelbrand löste ein Feuer im Erdgeschoss des Kinos Houdini aus und sorgte dort für erhebliche Zerstörung sowie Aufregung im ganzen Gebäude. Der Brand markierte das vorläufige Ende einer noch kurzen Erfolgsgeschichte des Zürcher Kinos mit Bar.

Kino Houdini nach Brand wiedereröffnet

Kino Houdini nach Brand wiedereröffnet

«An diesem Morgen lag ich krank im Bett. Als mich die Hiobsbotschaft telefonisch erreichte, konnte ich es zunächst nicht fassen. Als ich dann die ersten Online-Bilder vom Brand sah, war die Grippe wie weggeblasen», erinnert sich Frank Braun, Geschäftsführer der Neugass Kino AG, heute. Der Schock über den Brand setzte erst im Nachhinein ein, aber es war eine Erleichterung für alle, dass niemand körperlich zu Schaden kam.

Rundgang durch die zerstörte Houdini-Bar

Rundgang durch die zerstörte Houdini-Bar

In der Folge musste das Houdini für fast neun Monate geschlossen werden. Die Sanierung entpuppte sich als sehr aufwändig und der Schaden wird auf rund 2,8 Millionen Franken geschätzt. «Durch die extreme Rauchentwicklung und Hitze wurde alles, was sich im Erdgeschoss, auf der Galerie und den Erschliessungsräumen befand, sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. In den Kinosälen waren die Auswirkungen geringer», erzählt Braun. Auch waren viele Schäden zunächst nicht sichtbar und wurden erst durch weitere Abklärungen festgestellt.

Braun und die Neugass Kino AG, die auch die Kinos Riffraff und Bourbaki (Luzern) führt, liessen sich durch den Rückschlag aber nicht beirren. «Wir haben unsere Feuerprobe bestanden», meint er ironisch.

Das Kino-Programm steht bereits

Wie ein Phönix aus der Asche wird also das Kino wieder auferstehen, um das bisherige innovative Konzept fortzuführen. Heute wird die grosse Wiedereröffnung gefeiert. In der Bar, im «Mezzanin» sowie auf dem Boulevard kommen die Besucherinnen und Besucher in den Genuss verschiedener Spezialangebote, während in den fünf Kinosälen Kurzfilme gezeigt werden.

Steve Jobs Official Trailer

Steve Jobs Official Trailer

Einen Tag später startet der reguläre Kino- und Barbetrieb. Und getreu dem bewährten Konzept setzen die Betreiber auf Neuheiten aus dem Spektrum des unabhängigen Filmschaffens. In der ersten Woche sind gleich fünf Schweizer Kinopremieren am Start, sowie zwei Vor-Premieren, darunter das langerwartete Biopic «Steve Jobs» mit Michael Fassbender als Apple-Gründer. Der Vorverkauf ist bereits eröffnet.

«Am ersten Wochenende zeigen wir auch die fast 100-jährige Stummfilmrarität ‹The Grim Game›, mit der wir uns vor Harry Houdini verneigen. Darin lässt sich der Entfesselungskünstler als tollkühner Filmheld von keinerlei Widrigkeiten unterkriegen», sagt Braun und verweist auf die eigene junge Geschichte. Er ist zuversichtlich, dass sich der Erfolg auch im zweiten Anlauf wieder einstellen wird. «Das Houdini hatte in nur einem knappen halben Jahr enormen Zulauf und die öffentliche Anteilnahme nach dem Brand war überwältigend», wie Braun optimistisch erwähnt.