Kostenlose Schwimmkurse
Wie die Idee eines Altstetter Badmeisters Asylsuchenden das Leben rettet

Immer häufiger werden kostenlose Schwimmkurse für Flüchtlinge angeboten – die pionierhafte Idee dazu hatte ein Altstetter Badmeister

Lina Giusto
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Asylsuchende über das Badeverhalten aufzuklären, senkt das Risiko für Unfälle.

Asylsuchende über das Badeverhalten aufzuklären, senkt das Risiko für Unfälle.

Keystone

In den vergangenen Jahren häufte sich die Zahl von Badetoten. Mehr als die Hälfte der 2016 ertrunkenen Personen waren Ausländer oder Asylsuchende. Deshalb beschäftigt die Zürcher Asylorganisation AOZ seit Juni drei Betreuungspersonen für minderjährige Asylsuchende im Zentrum in Zollikon. Diese AOZ-Angestellten verfügen über ein Schwimmbrevet und insbesondere eine Ausbildung im Modul See.

Diese Anforderungen waren im Stellenausschrieb explizit erwähnt. Gegenüber dem Zentrum in Zollikon, in dem rund 90 unbegleitete minderjährige Asylsuchende im Alter zwischen 14 und 17 Jahren leben, befindet sich eine kleine, öffentliche Parkanlage mit direktem Seeanstoss. Gerade in den Sommermonaten werde diese von den Jugendlichen des Zentrums, aber auch der Öffentlichkeit als Badeort rege genutzt, erklärt Thomas Schmutz, Kommunikationschef der AOZ.

Deshalb kümmert sich seit diesem Monat eine Betreuerin oder ein Betreuer darum, die Badeordnung durchzusetzen oder falls notwendig die Rettung von Jugendlichen in Not zu gewährleisten. Dafür stehen den Aufsichtspersonen ein Rettungsboot sowie Schwimmringe und weiteres Rettungsmaterial zur Verfügung. «Zudem behalten die Betreuer den öffentlichen Badebetrieb im Auge und sorgen dafür, dass auch die übrigen Badegäste ihre Zeit am See geniessen können», so Schmutz. Neben der Badeaufsicht unterstützt das neu rekrutierte Personal die Sozialpädagogen der AOZ bei weiteren Betreuungsaufgaben und weiteren Freizeitaktivitäten der Jugendlichen.

Freiwillige geben Unterricht

Dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen im Zolliker Zentrum nicht schwimmen könnten, nennt Schmutz als Grund für diese Massnahmen. Aufgrund diverser Notsituationen von Asylsuchenden in Hallenbädern, Flüssen oder Freibädern in den vergangenen Jahren sei es wichtig, sie über das Verhalten im Wasser und mögliche Risiken aufzuklären.
Dieser Auffassung ist auch ein Badmeister, der seit Anfang des Jahres kostenlos Schwimmunterricht für Asylsuchende anbietet. «Im April fanden im Schulhallenbad Altweg drei Mal wöchentlich ein Dreiviertelstündiger Schwimmkurs für Asylsuchende statt», sagt Irene Rodriguez, Leiterin Soziale Integrationsprojekte der AOZ. Bei den Kursen, die für die Teilnehmer kostenlos waren, ging es in erster Linie darum, sie mit dem Element Wasser vertraut zu machen. Pro Kurs wurden jeweils zwischen sechs und acht Teilnehmer geschult.

Die AOZ begrüsst das private Bestreben des Bademeisters und versucht derzeit, das Angebot auf regelmässiger Basis zu etablieren und allenfalls auszubauen. «Zur Zeit können aber keine Kurse stattfinden, weil Badmeister und Schwimmlehrer mit der nun laufenden Badesaison voll ausgelastet sind», so Rodriguez weiter.

Einen anderen Ansatz wählte Sven Hirt. Er ist Badmeister im nur wenige hundert Meter entfernten Hallenbad Altstetten. Er kontaktierte im Winter 2015/2016 die AOZ, weil er fast täglich bis zu sieben beinahe ertrinkende Asylsuchende aus dem Wasser des Zürcher Hallenbades zog.

Eine Form der Integration

Weil sich die Badeunfälle häuften, rekrutierte das Hallenbad im nahegelegene Asylzentrum Juch einen dort lebenden Flüchtling, der schwimmen kann und bei den Bewohnern des Zentrums bekannt ist. Weil der Hallenbad-Assistent lediglich 140 Tage im Asylzentrum Juch stationiert war, erhielt Hirt seither von acht oder neun weiteren assistierenden Asylsuchenden Unterstützung im Hallenbadbetrieb. «Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Seit wir Unterstützung erhalten, verzeichneten wir keine Badeunfälle von Asylsuchenden mehr», so Hirt.

Die Hallenbad-Assistenten unterstützen Hirt und sein Team beim Übersetzen der Hallenbadordnung, klären Besucher über das Badeverhalten auf und alarmieren in Notfällen das Rettungspersonal. «Es ist wichtig Besucher beim Eintreffen im Hallenbad auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen, deshalb ist der Hallenbad-Assistent vom Zentrum Juch bei der Kasse positioniert», so Hirt. Mehr noch ist für den Badmeister wichtig, dass man Asylsuchende auch über das Badeverhalten in Flüssen und Seen aufmerksam mache, zumal diese meist unbewacht seien. Neben der Hilfe aber sieht Hirt die Aufgabe im Hallenbad auch als eine Form der kulturellen Integration von Flüchtlingen.

Die Bemühungen des Zürcher Bademeisters blieben nicht unbemerkt. So konnte Hirt bei der Interessengemeinschaft für die Berufsausbildung von Fachleuten in Bade- und Eissportanlagen seine Erfahrungen weitergeben. «Wir stehen im Austausch mit anderen Bädern und Gemeinden. Es ist wichtig, das Wissen weiterzugeben», so Hirt.