Littering
Wie die einzelnen Gemeinden das Abfallproblem bekämpfen

Zürcher Gemeinden setzen auf verschiedene Massnahmen im Kampf gegen Müll auf öffentlichem Grund. Es komme auf eine gute Kombination von situations- und zielgruppenspezifischen Massnahmen an.

Matthias Scharrer
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n Thalwil kämpften Schülerinnen und Schüler um die Abfallkübel-Trophy – einer von vielen Ansätzen gegen Littering.

n Thalwil kämpften Schülerinnen und Schüler um die Abfallkübel-Trophy – einer von vielen Ansätzen gegen Littering.

Abfall, der auf öffentlichem Grund einfach liegengelassen wird, ist ein Ärgernis. «Das Problem des Litterings scheint zumindest subjektiv in den letzten Jahren zugenommen zu haben», schrieb die Urdorfer GLP-Kantonsrätin Sonja Gehrig in einer Anfrage an den Zürcher Regierungsrat – und wollte wissen, was die Kantonsregierung dagegen tun könne. Nun liegt deren Antwort vor.

Zuständig seien primär die Gemeinden, heisst es darin mit Verweis auf die Website www.littering-toolbox.ch. Diese zeigt auf, wie Gemeinden gegen Littering vorgehen. Betrieben wird sie von der Interessengemeinschaft Saubere Umwelt (IGSU). Für Nora Steimer von der IGSU ist klar: «Es gibt nicht die eine wirksame Massnahme gegen Littering.» Vielmehr komme es auf eine gute Kombination von situations- und zielgruppenspezifischen Massnahmen an.

Dazu zählen laut Schnyder Workshops in Schulen, Plakataktionen, das Ansprechen der Bevölkerung durch Botschafter-Teams sowie der jährliche Clean-up-Day, an dem gemeinsam im öffentlichen Raum aufgeräumt wird. Letzterer wurde im Jahr 2013 in 230 Gemeinden lanciert. Im September 2018 umfasste der Clean-up-Day schweizweit über 530 Aktionen.

Dass nicht nur das gefühlte Abfallproblem, sondern auch die Massnahmen dagegen zunehmen, zeigen auch die von der IGSU vergebenen No-Littering-Labels für Gemeinden und Schulen. 2017 wurden sie eingeführt. Seither wurden sie schweizweit 76 Mal vergeben. Im Kanton Zürich tragen etwa die Gemeinden Zürich, Winterthur, Uster, Thalwil, Wädenswil, Affoltern am Albis und Dietlikon ein No-Littering-Label. Doch was steckt dahinter?

In Dietlikon wird seit 2015 alljährlich das Jugendprojekt «Trash Heroes» umgesetzt. Dabei reinigen Jugendliche unter Begleitung von Jugendarbeitenden einmal pro Monat den öffentlichen Raum – bis zum Saisonabschluss am Clean-up-Day im September.

In Affoltern am Albis übernehmen sogenannte Raumpaten das Säubern bestimmter Gebiete. Raumpatenschaften sind ein von der IGSU mitlanciertes Modell. Dabei zählt die Gemeinde auf Private, die ihr jeweiliges Revier sauber halten. Ausserdem kaufte die Gemeinde Affoltern 17 zusätzliche Abfallkübel, die vor allem im Dorfkern dem Littering entgegenwirken sollen. «Dass das Konzept Früchte trägt, belegt der Sauberkeitsindex der Gemeinde», so Stadtschreiber Stefan Trottmann.

«Ich hätte mir erhofft, dass der Kanton in den Schulen mehr macht.» Sonja Gehrig GLP-Kantonsrätin

«Ich hätte mir erhofft, dass der Kanton in den Schulen mehr macht.» Sonja Gehrig GLP-Kantonsrätin

GLP

In Uster findet jedes Jahr mindestens eine Anti-Littering-Kampagne statt, bei der jeweils verschiedene Bevölkerungsgruppen angesprochen werden. Die Stadt baut einerseits auf Plakate, Anti-Littering-Botschafter und den Clean-up-Day, andererseits auf Bussen und mehr Abfallkübel. So wurden massiv mehr Kübel am Greifensee-Ufer aufgestellt. Fazit: «Wenn mehr Kübel da sind, gibts weniger Littering», sagt Stadtschreiber Daniel Stein.

Die Stadt Zürich setzt nebst Clean-up-Anlässen auch auf Abfallunterricht in der Schule, wie eine Sprecherin von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) erklärt. Dazu zähle auch die Sensibilisierung von Schulklassen in den Werken von ERZ.

Einen schulischen Ansatz verfolgte auch Thalwil: Die Gemeinde führte am Clean-up-Day die Abfallkübel-Trophy durch. Den Pokal gewann die Schulklasse, die am schnellsten alle auf Gemeindegebiet stehenden Abfallkübel fand und mithilfe eines angebrachten Codes identifizierte.

Warten auf die Stadt Bern

Nebst den Gemeinden sieht der Regierungsrat auch die Schulen in der Verantwortung. Im Zürcher Lehrplan 21 sei das Thema Littering zwar nicht ausdrücklich erwähnt, wohl aber verwandte Themen wie nachhaltiger Umgang mit Ressourcen, Recycling und Entsorgung, schreibt er in seiner Antwort auf Gehrigs Anfrage. Auch könnten Verpflegungsanbieter, von denen viel Abfall im öffentlichen Raum stammt, für die Entsorgungskosten mit in die Pflicht genommen werden. Dies halte das Bundesgericht in einem von der Stadt Bern 2012 erwirkten Urteil fest. Dessen Umsetzung erweist sich aber als schwierig.

Ein Sprecher der kantonalzürcher Baudirektion sagte dazu gestern: «Littering-Gebühren werden im Kanton Zürich unseres Wissens nicht erhoben. Hier warten alle gespannt, ob es der Stadt Bern gelingt, ein System auf die Beine zu stellen, welches vor den Gerichten Bestand hat.»

GLP-Kantonsrätin Gehrig zeigt sich bedingt zufrieden mit den Antworten der Zürcher Regierung: «Ich hätte mir erhofft, dass der Kanton in den Schulen mehr macht», sagt sie. So sollten die Schulen aktiver ermutigt werden, sich am Clean-up-Day zu beteiligen. «Viele Schulen haben damit positive Erfahrungen gemacht. Andere wissen vielleicht noch gar nichts davon.» Der Kanton könnte allgemein noch aktiver über konkrete bestehende Umweltbildungsangebote für Schulen informieren, findet Gehrig.