25 Jahre ZVV
Wie der Zürcher Verkehrsverbund in Fahrt kam

Am Ursprung des heutigen S-Bahnnetzes stand die gescheiterte U-Bahn: Eine kurze Geschichte der Zürcher S-Bahn und des ebenfalls 1990 gestarteten ZVV.

Matthias Scharrer
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Der erste S-Bahn-Zug fährt mit geladenen Gästen am 17. Mai 1990 in den neugestalteten Bahnhof Stadelhofen in Zürich ein. Damit werden die S-Bahn und der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) – zehn Tage vor dem eigentlichen Start – feierlich eingeweiht.

Der erste S-Bahn-Zug fährt mit geladenen Gästen am 17. Mai 1990 in den neugestalteten Bahnhof Stadelhofen in Zürich ein. Damit werden die S-Bahn und der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) – zehn Tage vor dem eigentlichen Start – feierlich eingeweiht.

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Vor 25 Jahren, am 27. Mai 1990, nahm die Zürcher S-Bahn den Betrieb auf. Es war gleichzeitig der Anfang des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV), der die Verkehrsprobleme im Grossraum Zürich entschärfen und den Alltag verändern sollte. Verstopfte Strassen und ein unzureichendes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln (öV) hatten schon Jahrzehnte vorher neue Lösungsansätze hervorgerufen. Ein kombiniertes U- und S-Bahnprojekt scheiterte 1973 jedoch an der Urne. Erst mit der S-Bahn und dem Verkehrsverbund gelang der Durchbruch, der den Pendleralltag und die Siedlungsstrukturen seither prägt. Sein Erfolgsrezept: Schnellere Verbindungen, aufeinander abgestimmte Fahrpläne von S-Bahnen und Bussen sowie Tickets, die für alle öffentlichen Verkehrsmittel im ZVV gelten. Die Meilensteine:

1973: Ein kombiniertes U- und S-Bahnprojekt wird von den kantonalzürcher Stimmberechtigten deutlich abgelehnt. Auf Kritik stösst vor allem die U-Bahn. In der Folge beginnen Planungen für ein reines S-Bahn-Konzept.

1981: Eine kantonale S-Bahn-Vorlage wird vom Volk klar angenommen. Alle Parteien mit Ausnahme der linken Poch und der rechtsextremen NA sind für den 500-Millionen-Franken-Kredit.

1983: Volkswirtschaftsdirektor Hans Künzi (FDP) nimmt den Spatenstich für die Zürcher S-Bahn vor. Zum Bauprojekt gehören in Zürich der unterirdische Bahnhof Museumsstrasse beim Hauptbahnhof (HB), der Ersatzneubau des Bahnhofs Stadelhofen nach Plänen von Santiago Calatrava, der Bau des Zürichbergtunnels und des Bahnhofs Stettbach. Zudem wird die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) vom Bahnhof Selnau bis zum Hauptbahnhof verlängert, was eine weitere unterirdische HB-Erweiterung mit sich bringt. Auch der Bahnhof Hardbrücke wird erweitert, insgesamt erfahren fast 80 Bahnhöfe Ausbauten.

1984: Das Volk lehnt eine unterirdische S-Bahn-Station Uni zwischen Stadelhofen und HB ab.

1988: Das Volk stimmt der Gründung des ZVV zu. Unter dem Dach des ZVV schliessen sich 40 Transportunternehmen zusammen.

1990: Am 27. Mai um 4.58 Uhr verlässt der erste Zug der Zürcher
S-Bahn Rapperswil in Richtung Zürich. Der 1990 gegründete ZVV ist der erste Verkehrsverbund der Schweiz. In seinem ersten Betriebsjahr zählt er 159 000 S-Bahn-Passagiere, die täglich die Stadtgrenze von Zürich überqueren – neu auch in doppelstöckigen Zügen.

1993–1999: Die Zürcher S-Bahn erfährt diverse Teilergänzungen. 1996 befördert sie täglich 220 000 Passagiere.

2002: Start des ZVV-Nachtnetzes.
S-Bahnen und Busse fahren fortan am Wochenende bis in die frühen Morgenstunden.

2004–2007: Eine weitere Serie von Teilergänzungen erweitert und verdichtet das S-Bahn-Netz.

2006–2010: Die Glattalbahn wird in drei Etappen in Betrieb genommen.

2011: Die neuen doppelstöckigen S-Bahn-Züge mit Niederflureinstieg und Klimaanlage rollen an.

2014: Der Bahnhof Löwenstrasse und der Weinbergtunnel nach Zürich Oerlikon werden in Betrieb genommen. Sie bilden Teil 1 des 2-Milliarden-Projekts Durchmesserlinie. Mit dem Bahnhof Löwenstrasse ist der Hauptbahnhof auf seiner ganzen Fläche um unterirdische, durchgehende Bahnhöfe ergänzt. Die S-Bahn befördert nun täglich 446 000 Menschen über Zürichs Stadtgrenze.

2015: Spatenstich für die neue Tramlinie über die Hardbrücke in Zürich. Ende Jahr soll die Durchmesserlinie mit neuen Bahnbrücken auf dem Gleisfeld vor dem Hauptbahnhof Zürich vollendet sein.