Dietikon

Wie das Depot der Limmattalbahn rasch in die Länge wächst

Sie ist 150 Meter lang und 23 Meter breit: Die Halle der Limmattalbahn an der Dietiker Stadtgrenze nimmt zügig Form an. Bereits Ende Jahr soll die Hälfte des Depots stehen.

Autofahrer, die zwischen Dietikon und Spreitenbach unterwegs sind, können von der grossen Baustelle kaum etwas sehen; die lange, blaue Baustellenwand lässt beim raschen Vorbeifahren im Gebiet Müsli nur wenig Einblicke zu. Doch dahinter geht es zügig vorwärts. Während ein Baukran an der westlichen Seite derzeit noch Material hin und her transportiert, ist der zweite auf der östlichen Seite gerade abgebaut worden. Denn dort sind die Arbeiten am Massivbau bereits abgeschlossen worden.

Die Halle, die zum Depot der Limmattalbahn gehört, ist 150 Meter lang. Sie wächst langsam von der Dietiker Seite im Osten in Richtung Spreitenbach im Westen. In mehreren Etappen werden acht verschiedene Arbeitsschritte ausgeführt, wie Bauleiter Peter Hügi erklärt. «Als die letzten Rohbauarbeiten auf der Dietiker Seite beendet waren, starteten sie am anderen Ende der Halle erst.» Die Wandabschnitte dazwischen zeugen vom laufenden Baufortschritt.

Die Arbeiten am Rohbau werden gemäss Hügi in der kommenden Woche auf der gesamten Länge beendet. Danach beginnen die Stahlbauarbeiten. «Innert vier Wochen, noch vor Weihnachten, wird die Halle zur Hälfte stehen und gedeckt sein.»

Eine Halle und sieben Gleise im Freien

Das Depot der Limmattalbahn wird einerseits aus der Halle bestehen. Andererseits werden daneben im Freien sieben Abstellgleise liegen, auf denen je zwei Limmattalbahn-Fahrzeuge über Nacht abgestellt werden können.

Der Standort Müsli auf einer grünen Wiese neben dem Rangierbahnhof, auf der zuvor die Modellfluggruppe Dietikon ihren Flugplatz hatte, war umstritten. Davon zeugen unter anderem die lange Evaluation, welche die Kantone Aargau und Zürich durchführen mussten, sowie zahlreiche Vorstösse im Zürcher Kantonsrat und im Dietiker Stadtparlament. Aus betrieblicher Sicht ist das Areal ideal, wie Architekt Lutz Neumann ausführt. «Für ein Depot stellt natürlich eine grosse Fläche ohne viel Gefälle eine Voraussetzung dar.» Die Halle, die zwar 150 Meter lang, aber nur etwa 23 Meter breit ist, soll sich am Ende harmonisch in die Landschaft einfügen, sagt Neumann.

Die lange Halle hat er deshalb nicht als geschlossenen Industriebau konzipiert, sondern als transparentes Gebäude mit vielen Fensterflächen. Und durch die dunkelgraue Metallfassade fügt sich der Riegel zurückhaltend ins Landschaftsbild ein. Über der Halle hat Neumann mehrere Dachaufbauten vorgesehen, die zusätzliches Tageslicht in die Halle bringen. Darin werden auch die Lüftungsanlagen untergebracht, die auf anderen Liegenschaften auf dem Dach im Freien liegen. «Mit diesen Aufbauten wird die Struktur durchbrochen.»

Dach wird begrünt und mit Solarzellen ausgerüstet

Wie vom Bund verlangt, werden mit dem Depotbau auch Auflagen erfüllt. So werden unter anderem auch ökologische Ausgleichsflächen geschaffen. Zudem wird gemäss Neumann auch das Dach begrünt und darauf eine Fotovoltaikanlage erstellt.

In der langen Halle sind zwei Gleisstränge vorgesehen. Auf einem Gleis, das bis zur Mitte der Halle reicht, werden die Limmattalbahnfahrzeuge gewaschen. Auf dem anderen Gleis, das durch das ganze lange Gebäude gehen wird, werden sie gewartet. In der Halle sind zudem verschiedene Garderoben, abgetrennte Werkstätten für einfachere Instandsetzungsarbeiten und Lagerflächen vorgesehen.

Besondere Schwierigkeiten haben sich beim Depotbau nicht ergeben, wie Architekt Neumann und Bauleiter Hügi erklären. «Wie auf jedem Bau müssen einfach die Abläufe selbstverständlich möglichst sinnvoll geplant werden», sagt Hügi. So seien beispielsweise die Tanks für die Waschanlage ins kleine Untergeschoss gehievt worden, bevor die Decke betoniert wurde. «Aber derartige Überlegungen sind auf einer Baustelle normal.»

Dass die bestellten Fahrzeuge der Limmattalbahn über eine kleine Batterie verfügen, hat die Arbeit am Depot gar etwas erleichtert, wie Neumann ­ergänzt. Denn so müssen in der Halle keine Fahrleitungen angebracht werden; die Fahrzeuge rollen ja aus eigenem Antrieb zur Waschanlage oder zur Wartung. «Damit konnte die Halle einfacher geplant werden, die betrieblichen Abläufe sind sicher, ohne dass ­wegen einer Fahrleitung noch aufwendige Massnahmen ergriffen werden müssten.»

Dennoch ein spezielles Projekt

Speziell ist die Arbeit am Depot im Müsli aber auch ohne besondere Schwierigkeiten, wie Neumann und Hügi im Gespräch weiter ausführen.

Der Architekt erwähnt die Kranbahn, die nicht nur Teile der Halle abdecke, sondern gleich durch das gesamte 150 Meter lange Gebäude führe. «So werden im Betrieb alle Lagerflächen optimal ausgenutzt werden können.» Für den Bauleiter sind die Masse etwas speziell – die Baustelle sei einfach «sehr, sehr lang», sagt er lachend. Doch das ändere am eigentlichen Auftrag nichts: «Wir erfüllen ihn und das pünktlich.»

Ende 2021 wird das Depot der Limmattalbahn der Betreiberin, der Aargau Verkehr AG, übergeben. Es folgt ein Jahr des Testens und Einrichtens, bevor dann auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2022 die neue Stadtbahn zwischen den Bahnhöfen Zürich Altstetten und Killwangen-Spreitenbach verkehren wird. «Wir sind mit dem Depot zeitlich auf Kurs», sagt Hügi. Trotz anfänglich viel Regens seien sie derzeit dem Bauplan etwa eine Woche voraus.

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