Auf dem Gelände der Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (Kezo) wird in den nächsten Monaten eine revolutionäre Anlage gebaut: Die weltweit erste, die CO2 direkt aus der Umgebungsluft filtert und für die kommerzielle Nutzung an einen Kunden liefert. Beim Abnehmer handelt es sich um die Gebrüder Meier
Primanatura AG, welche eines der grossen Gewächshäuser betreibt, das gleich neben der Kezo steht.

Umgesetzt wird das Projekt durch die Zürcher Firma Climeworks, welche die neuartige Technologie zur atmosphärischen CO2-Gewinnung entwickelt hat (siehe Kasten). Nebst der Kezo und den Gebrüdern Meier figuriert auch das Bundesamt für Energie, welches das Projekt finanziell unterstützt, als Projektpartner.

«Ein idealer Standort»

Für die weltweit einzigartige Anlage rechnet Climeworks mit Entwicklungs- und Baukosten von rund 3,5 bis 4 Mio. Franken. Sie soll Mitte 2016 in Betrieb genommen werden und wichtige Erkenntnisse für Forschung und Wirtschaft liefern. «Einerseits möchten wir sehen, wie sich unsere Technologie in der Praxis bewährt, andererseits soll auch die Höhe der Betriebskosten einer solchen Anlage bestimmt werden», sagt Projektleiter Dominique Kronenberg. Rund 900 Tonnen klimaneutrales CO2 soll die Anlage pro Jahr in das vier Hektaren grosse Gewächshaus der Gebrüder Meier liefern.

«Der Standort in Hinwil ist für uns ideal», erklärt Kronenberg. Der Energiebedarf der Anlage werde durch die Kezo gedeckt und auch der Abnehmer des CO2 befinde sich in unmittelbarer Nähe. Zudem sei die Anlage auch nicht weit vom eigenen Firmensitz in Oerlikon entfernt. Auch aufseiten der Projektpartner ist man erfreut darüber, dass das Projekt nun umgesetzt wird. «Wir standen mit Climeworks schon länger in Kontakt», sagt Markus Meier, Mitinhaber der Gebrüder Meier Primanatura AG. Vor rund sechs Jahren sei die Firma mit dieser Idee auf sie zugekommen. «Und wir waren sofort begeistert, denn es passt hervorragend zu unserer Strategie, möglichst CO2-neutrale, nachhaltige und innovative Projekte umzusetzen.»

Eines dieser Projekte der Gebrüder Meier ist das Gewächshaus in Hinwil, das mit Abwärme der Kezo geheizt wird. «Allerdings mussten wir bisher für ein ideales Wachstum der Pflanzen sogenanntes technisches CO2 zuführen», erklärt Meier. «Aus der industriellen Produktion anfallendes CO2 wird derzeit noch mit Tanklastwagen angeliefert und per Schlauchsystem in das Gewächshaus geleitet.» Dieses Vorgehen sei anfänglich als Übergangslösung gedacht gewesen, allerdings habe die Entwicklungsphase des Climeworks-Projekts länger gedauert als ursprünglich gedacht.

Betriebskosten noch unklar

Nun ist die Anlage aber bereit, um auf dem Dach eines Kezo-Gebäudes aufgebaut zu werden. «Dabei handelt es sich um vier Elemente in der Grösse von vier 40-Fuss-Schiffscontainern», erklärt Projektleiter Kronenberg. Im untersten dieser Elemente ist die gesamte Prozess- und Regelungstechnik untergebracht, in den oberen drei sogenannte CO2-Kollektoren, welche das Kohlenstoffdioxid aus der Luft filtern. Sie sollen per Kran auf das Gebäude gehievt werden.

Das Pilotprojekt ist vorerst auf drei Jahre angesetzt. «Unser Ziel ist es aber, die Anlage auch danach weiterbetreiben zu können», sagt Kronenberg. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem, ob diese kostendeckend betrieben werden kann. «Derzeit herrscht noch Uneinigkeit darüber, wie hoch die Betriebskosten sein werden.» Den Gebrüdern Meier werde ein «marktüblicher Preis» für das CO2 berechnet. Markus Meier ist denn auch überzeugt, dass sie das Gewächshaus weiterhin wirtschaftlich betreiben können.