Burnout

Wie Beat Aebi der Neustart nach dem Burnout gelingt

Arbeit gibts genug: Beat Aebi stapelt Berge von Bähnler-Wäsche.  mts

Arbeit gibts genug: Beat Aebi stapelt Berge von Bähnler-Wäsche. mts

Er war am Boden. Nun hat sich Beat Aebi nach dem Burnout gefangen und als Textilreiniger eine zweite Chance bekommen - als einer der 160 neuen Nischenarbeiter bei der SBB.

Beat Aebi war beruflich gut unterwegs bei den SBB. Angefangen hatte er als Visiteur. «Ich führte Fahrzeugkontrollen durch», erklärt der heute 56-Jährige. «Dann machte ich Karriere und wechselte in die Verwaltung nach Bern.» Was folgte, nennt er einen psychischen Absturz. Burnout. Er konnte seinen Beruf nicht mehr weiter ausüben. Perspektive: IV-Rentner.

Doch er bekam eine zweite Chance. 2004 begann Aebi, in der neuen SBB-Textilreinigung in Zürich-Altstetten zu arbeiten. Dort bauten die SBB gerade Arbeitsplätze auf für Menschen wie ihn: Bähnler, die aus gesundheitlichen Gründen ihrem bisherigen Job nicht mehr gewachsen sind. Nischenarbeitsplätze. Dazu gehören laut SBB-Personalchef Markus Jordi auch eine Werkstatt in Dulliken (SO), eine Sattlerei im Tessin und Administrationsstellen in Bern.

160 neue Nischenarbeitsplätze

Künftig soll es mehr davon geben: Gestern unterzeichneten Vertreter der SBB und der Eisenbahnergewerkschaft SEV einen Pakt für 160 neue Nischenarbeitsplätze in der ganzen Schweiz (siehe nebenstehender Text). «Wir wollen die Menschen und ihr Know-how in der Firma halten», so Jordi. Dies sei nicht nur für die betroffenen Angestellten, sondern auch für das Unternehmen sinnvoll, wie das Beispiel der Textilreinigung zeige: «Die Wäscherei ist bezüglich Produktivität und Kostenstruktur absolut wettbewerbsfähig.»

Genug zu tun gibts allemal: Täglich werden in der SBB-Textilreinigung beim Bahnhof Zürich-Altstetten 750 Kilogramm Wäsche gewaschen – von den orangen Bahnarbeiter-Kleidern bis hin zu den weissen Kissenbezügen der Erstklass-Zugabteile. Die Abläufe sind überschaubar: Anlieferung an der Rampe, sortieren im «Schmutzraum», etikettieren, damit die Kleidungsstücke wieder ihren Trägern zugeführt werden können, waschen, trocknen, legen. Zum Schluss kommen die Textilien in Kisten, die dann zu den Zielbahnhöfen spediert werden.

Zwölf Personen waschen in Zürich-Altstetten die dreckige Wäsche der SBB, ältere Menschen, 50 aufwärts. Sie alle erlitten einen Schicksalsschlag und konnten ihre frühere Arbeit nicht mehr weiterführen. Beat Aebi ist einer von ihnen. «Am Anfang war es schwierig», erinnert er sich: «Ich dachte: Ausgerechnet ich! Was soll ich hier?» Auch auf den finanziellen Abstieg um elf Lohnklassen habe er sich erst einmal einstellen müssen.

«Hätte schlimmer kommen können»

Heute sagt der Teil-IV-Rentner, der inzwischen stellvertretender Leiter der SBB-Textilreinigung ist: «Angesichts dessen, was ich noch machen kann, bin ich zufrieden. Es hätte schlimmer kommen können.» Manch anderer in seiner Situation habe keine Stelle mehr.

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