Vergärwerk Werdhölzli

Wie aus Bioabfall 55 Millionen Kilowattstunden Energie entstehen

Küchenabfälle, Essensreste und Gartenabraum vergären zu Biogas. Nach der Tonne gehts ins neue Gärwerk.

Küchenabfälle, Essensreste und Gartenabraum vergären zu Biogas. Nach der Tonne gehts ins neue Gärwerk.

Von Gartenabraum über Küchenabfall bis zu Speiseresten ist bei Biogas Zürich alles willkommen. Je nach Saison liefert Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) 60 bis 350 Tonnen Bioabfälle pro Woche ins Vergärwerk Werdhölzli.

Die grünen Bioabfall-Container, die in der Stadt Zürich vor vielen Wohnhäusern stehen, haben es in sich: Wer derzeit einen der Deckel hebt, dem steigen nicht selten übelste Düfte in die Nase – während das kurze Tor in die Freiheit Schwärme von Fruchtfliegen in Fluchtfliegen verwandelt.

Dass sich die Küchenabfälle in der Sommerhitze zu einem stinkenden Matsch verwandeln, ist gut so, weil von der Natur so vorgesehen. Einmal pro Woche fährt der Laster von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) vor und holt den Inhalt ab. Dieser findet den Weg ins nagelneue Vergärwerk Werdhölzli, das Anfang Juni seinen Betrieb aufnahm.

Bis zu 350 Tonnen pro Woche

Seit Januar können Zürcherinnen und Zürcher ihre Küchenabfälle auf diesem Weg entsorgen, sofern sie oder ihr Vermieter ein Bioabfall-Abo bei ERZ haben. Früher gab es einzig die Grünabfuhr für Gartenabfälle: «Seit der Einführung der Bioabfall-Sammlung ist die Zahl der Abos von 11 000 auf 13 500 gestiegen», so Karin Leemann, Mediensprecherin von ERZ: «Das Projekt ist also ein Erfolg.» Je nach Saison liefert ERZ 60 bis 350 Tonnen Bioabfälle ins Vergärwerk. Ein paar der ERZ-Güsellaster wurden dafür eigens durch neue Biomüll-Wagen ersetzt.

Hinter dem neuen «Vergärwerk mit Biogasaufbereitung», so die korrekte Bezeichnung, steht die Biogas Zürich AG. Mehrheitsaktionärin ist die Stadt, beteiligt ist auch Erdgas Zürich, die Limmattaler Limeco hält seit Anfang 2013 zehn Prozent der Aktien. Gemäss Geschäftsführer Helmut Vetter ist das Vergärwerk bis im November 2013 im Normalbetrieb, «Die Biogasaufbereitung wird wie geplant bis Mitte 2015 mit einer Teillast von rund 50 Prozent der Energieproduktion betrieben, weil erst dann das gesamte Klärgas vom benachbarten Klärwerk für die Einspeisung zur Verfügung steht», sagt Vetter. «Wir sind im Moment mitten in der Inbetriebnahme, die Feineinstellungen laufen noch.»

Jetzt, während der Sommerferien, hält sich der Neuzugang an Biomüll in gewissen Grenzen. «Am meisten kommt jeweils im Frühling und Herbst», so Vetter. Dennoch sind die momentanen Kapazitäten zu 75 bis 80 Prozent ausgelastet.

Zwei Wochen Gärzeit

Von Gartenabraum über Küchenabfall bis zu Speiseresten ist bei Biogas Zürich alles willkommen. Auch Speisefett und Eierkartons und Kleintiermist. Bloss Plastik und andere Verpackungen haben im Biomüll nichts verloren. Sie müssen mühsam herausgetrennt werden, bevor der feucht-dampfende Inhalt der Güselwagen zerkleinert und in einen Bioreaktor gegeben wird. Dort mieft der Müll dann so an die zwei Wochen vor sich hin, bis sich am Ende ein Gas gebildet hat, das zu 60 Prozent aus Methan und zu 39 Prozent aus Kohlendioxid besteht. Das Methan wird an Erdgas Zürich weitergeliefert. Der Gärrest landet als Kompost in festem und als Dünger in flüssigem Zustand in der Landwirtschaft.

Gas entsteht klimaneutral

Bei voller Auslastung rechnet Vetter mit rund 5,5 Millionen Kubikmetern Biogas – klimaneutral produziert: «Was an CO2 anfällt, wurde vorher von Pflanzen aufgenommen», so Vetter. Mit dieser Menge Gas können rund 5000 Haushalte beheizt werden, rechnet er vor.

Am meisten Probleme bereiten dem Werk im Moment noch die Fremdstoffe: «Wir finden immer wieder Züri-Säcke im Biomüll», so Vetter. Und Leemann von ERZ ergänzt, dass auch Kaffeekapseln aus Aluminium nichts im Biomüll verloren hätten.

Übrigens: Das Aroma, das die Abfälle produzieren, findet den Weg nach draussen nicht. Alle Gärvorgänge geschehen in einer geschlossenen Halle, die Abluft wird doppelt gereinigt, wie Vetter betont. Klagen von Anwohnern gab es noch keine.

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