Ein Teil der Gymnasiallehrpersonen soll künftig mehr arbeiten, aber gleich viel verdienen wie heute. So will es der Zürcher Regierungsrat. Doch der Beschluss geht dem kantonalen Mittelschullehrerverband (MVZ) gegen den Strich: Wie das «Regionaljournal» von Radio SRF gestern berichtete, hat der Verband beim Verwaltungsgericht eine Klage gegen die Regierung eingereicht, um sich gegen die Sparmassnahmen zu wehren. Es sei nicht rechtens, die Arbeitspensen ohne vorgängige Abklärungen zu erhöhen, sagt MVZ-Vize-Präsident Rolf Bosshard auf Anfrage.

Er rechnet sich gute Chancen aus, vor Gericht Recht zu bekommen. Es sei schliesslich schon mehrfach erwiesen, dass die Zürcher Lehrer mehr arbeiteten als die für ein 100-Prozent-Pensum vorgesehenen Arbeitsstunden, sagt Bosshard. Seine Aussage stützt etwa eine Studie, die das pädagogische Institut der Uni Zürich im Jahr 2000 publiziert hat. Daraus ging hervor, dass Zürcher Mittelschullehrer im Durchschnitt statt der geforderten 1960 Arbeitsstunden pro Jahr fast 2300 Stunden leisten. In der letzten Dekade hätten sich die Arbeitsbedingungen der Lehrpersonen gar noch verschlechtert, betont Bosshard.

Doch: Der Kanton will im Rahmen seines Sparprogramms «Lü16» bei den Gymnasien 44 Millionen einsparen. Dies unter anderem damit, dass er die Wochenarbeitszeit der neusprachlichen Lehrkräfte für ein Vollpensum von 22 auf 23 Lektionen anhebt. Die Mathematik-, alt-sprachlichen und naturwissenschaftlichen Lehrer leisten bereits seit einigen Jahren 23 Lektionen, was mit dem geringeren Korrekturaufwand gegenüber neusprachlichen Fächern begründet wurde.

Ausfälle wegen «Husi» abziehen

Eine zweite Sparmassnahme betrifft die dreiwöchigen Hauswirtschaftskurse, auch «Husi» genannt. Die Mittelschullehrerinnen und -lehrer sollen für die während der Kurse entfallenden Lektionen keinen Lohn mehr erhalten. Das widerspreche dem Prinzip der Vertrauensarbeitszeit, sagt MVZ-Vize Bosshard: «Generell galt bisher, dass für einzelne ausfallende Lektionen kein Lohn abgezogen wird. Denn die Lehrpersonen nutzen diese Zeit für Schülergespräche und andere Aufgaben, für die sonst zu wenig Zeit vorhanden ist.» Sie für die Lektionen während der «Husi»-Wochen nicht zu bezahlen, sei daher falsch.
Mit seiner Klage will der MVZ nach eigenen Angaben die Sparbemühungen «Lü16» nicht grundsätzlich torpedieren. Auch die Mittelschulen würden ihren Beitrag leisten wollen, so Bosshard. Doch dies in einem korrekten Rahmen.

Als Alternative schlugen die Gymi-Lehrer Anfang Jahr vor, vorübergehend eine Woche mehr Ferien zu machen und dafür auf einen Teil ihres Lohns zu verzichten. Das würde die Mittelschulkosten pro Jahr um mehrere Millionen senken, rechneten sie vor. Diese Sparmassnahme würden weniger Schaden anrichten als jene des Regierungsrats, sagt Bosshard: «Die Lehrer erhalten zwar weniger Lohn, dafür einen Gegenwert in Form von mehr unterrichtsfreier Zeit.» Der Mittelschullehrerberuf dürfe nicht weiter an Attraktivität verlieren, wenn man das Niveau des Schulsystems halten wolle.

Doch davon wollte der Regierungsrat nichts wissen. In seinem Beschluss zur sogenannten Mittel- und Berufsschullehrervollzugsverordnung begründet er die Angleichung der neusprachlichen Wochenpensen einzig damit, dass der Kanton Zürich mit einer Lektionenverpflichtung von 23 Lektionen an Gymnasien im schweizerischen Durchschnitt liege. Dass die aufgrund der «Husi» ausfallenden Lektionen auf dem Stundenkonto der Lehrpersonen zwingend abgezogen werden müssen, sei bereits in der Vollzugsverordnung von 1999 festgehalten worden. «Dies wird von den Schulleitungen in der Regel noch nicht so gehandhabt», heisst es dort weiter. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) war gestern für eine Stellungnahme ferienbedingt nicht zu erreichen. Nach der Klage des Mittelschullehrerverbands muss nun die Zürcher Regierung dem Verwaltungsgericht ihre Sicht der Dinge erklären.