Zwar wechselten sie über die Jahrzehnte immer wieder ihren Namen. Doch insgesamt blicken die Zürcher Festspiele auf eine lange Geschichte zurück. Sogar Richard Wagner persönlich soll während seines Zürich-Aufenthalts Mitte des 19. Jahrhunderts erste Ideen zu Festspielen entwickelt haben.

Seit 1996 stehen hinter dieser Bezeichnung die vier tragenden Zürcher Kulturinstitutionen: das Opernhaus, das Schauspielhaus, die Tonhalle und das Kunsthaus. Seither veranstalten die vier jeweils nach Saisonende im Juni in Absprache miteinander ein Kulturprogramm. Finanziert wird es bislang unter anderem mit 1,1 Millionen Franken durch den Kanton und mit 300 000 Franken durch die Stadt.

Mehr Geld für kleine Produktionen

Nun wollte der Zürcher Stadtrat erreichen, dass sich auch kleinere Häuser am Festspielprogramm beteiligen können. Bereits dieses Jahr trugen die Theater Gessnerallee, Neumarkt und Rigiblick sowie der Jazzclub Moods zum Programm bei. Allerdings waren nicht alle Aufführungen über das Festspielbudget gedeckt. So klagt etwa das Theater Rigiblick, dass sein diesjähriges Festspielstück «Die Heimholung» unter der Regie von Volker Hesse keine Beiträge aus dem Festspielbudget erhalten hat.

Deshalb strebte der Stadtrat einen neuen Verteilschlüssel an: Eine Million Franken soll künftig den vier grossen Häusern für Produktionen zur Verfügung stehen, eine halbe Million den mittleren und kleineren. Möglich sei dies jedoch nur, wenn der jährliche Beitrag von 300 000 auf 500 000 Franken erhöht werde.

Doch der linksgrüne Stadtrat hat die Rechnung ohne die SP gemacht. In der vorberatenden Kommission strichen die Sozialdemokraten die Erhöhung von 200 000 Franken aus dem Antrag. Dafür waren Grüne und FDP.

SP will Sparsamkeit markieren

Der Präsident der vorberatenden Kommission, Mark Richli (SP), musste dem Vernehmen nach sein Nein zur Erhöhung contre coeur vertreten. Seine eigene Fraktion hatte ihn überstimmt. Die Gründe für die ablehnende Haltung der Partei sieht SP-Kommissionsmitglied Jean-Daniel Strub unter anderem in der städtischen Finanzlage: «Wir zeigen damit, dass wir gewillt sind, im Dienst der Finanzen durchaus Abstriche hinzunehmen», so Strub - auch wenn dies seiner Partei natürlich nicht leicht gefallen sei.

Die ablehnende Haltung des wichtigsten «Regierungspartners» überraschte die Grünen, die sich für eine Erhöhung des Beitrags einsetzten: «Die SP hat sich vom Spargebot beeindrucken lassen», sagt Peider Filli, ebenfalls Kommissionsmitglied. «Wir fanden die Investition sinnvoll, weil damit kleinere Produktionen unterstützt werden sollten», so Filli.

Wider das eigene Kulturpapier

Widerspruch wird der städtischen SP auch durch ihre eigenen schriftlich festgehaltenen Grundsätze zuteil. In ihrem kürzlich veröffentlichten Kulturpapier heisst es: «Kulturförderung ist als Finanzierung gesellschaftlicher Grundlagenforschung zu verstehen. Es ist Geld und Freiheit nötig, damit dabei etwas herauskommt, das weiterführt. Deshalb unterstützt die SP die staatliche Kulturförderung.»

Dass gerade diese Partei die Unterstützung von kleinen und mittleren Kulturinstitutionen im Rahmen der Festspiele nun verhindert, stört nicht nur die grünen Kommissionsmitglieder.

Festspiele «zu bürgerlich»

Ein Insider spricht von einem «anderen Kulturverständnis» der SP. Die Festspiele trügen für viele Sozialdemokraten einen zu bourgeoisen Anstrich. Einige Genossen würden darin nur ein Angebot für Goldküstenbewohner sehen. Nach dem Motto: «Wenn die Aufführung nicht in einem besetzten Gebäude stattfindet, ist sie kulturell nichts wert.»

Dabei sind einstige Grenzen zwischen etablierter Hochkultur und zeitgenössischer Szene längst passé. «Wer heute Marthaler sehen will, kann ins Opernhaus oder in die Rote Fabrik gehen», sagt eine mit Kulturmanagement vertraute Person.

Bleiben die Mehrheitsverhältnisse, wie sie sind, wird die Erhöhung im Gemeinderat Schiffbruch erleiden. Mit den Grünen dürfte einzig die FDP dafür sein. Die Gegner aus SP, SVP, CVP und selbst AL werden wohl obsiegen.