Leute auszubilden kostet. Das gilt für Gesundheitsberufe genauso wie für Handwerker. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (GD) hat ein Konzept erarbeitet, welches die Spitäler in die Pflicht nimmt. Bis 2015 haben die Spitäler Zeit, ihr Soll an Ausbildungsleistungen zu erfüllen (siehe Box).

Bis 2015 gilt eine Übergangsfrist. Die Umsetzung erfolgt schrittweise. Der Bericht zur Gesundheitsversorgung 2014 zeigt den Stand für das Jahr 2013 an. Demnach haben einige Spitäler bereits 2013 das Soll erreicht, das ab 2015 gilt. Zu dieser Gruppe gehören das Spital Uster, das Kantonsspital Winterthur, das Unispital, das Spital Wetzikon und das Stadtspital Waid.

Mangel an Auszubildenden

Einige weitere Spitäler haben zumindest das Zwischenziel für das Jahr 2013 realisiert. Dem Soll 2013 nicht entsprochen haben unter anderem die Klinik Hirslanden, die Spitäler Affoltern, Paracelsus in Richterswil sowie die Uroviva Klinik für Urologie in Bülach. Mit Ausnahme der Klinik Hirslanden sind das auf die Fallzahlen bezogen eher kleinere Häuser.

Die Klinik Hirslanden hat ihr Soll für das Jahr 2013 zu gut 64 Prozent – statt der geforderten 70 – erfüllt. Laut Auskunft der Unternehmenskommunikation durfte die Klinik bis 2012 nur zusatzversicherte Patienten behandeln. Auf Anfrage heisst es: «Aufgrund deren höherer Ansprüche war es unmöglich, gleich viele Personen auszubilden, wie in Spitälern, welche schon vor 2012 allgemein versicherte Patienten behandeln durften.»

Mit Aufnahme auf die Spitalliste habe die Klinik sofort massiv in die Ausbildungsstruktur investiert. Aufgrund eines Mangels an Auszubildenden und wegen des Zeitdrucks sei es 2013 nicht möglich gewesen, das geforderte Zwischenziel zu erreichen. Die Gesundheitsdirektion hat die Klinik Hirslanden deshalb zu einer Ersatzabgabe in der Höhe von 108 000 Franken verpflichtet. Man prüfe nun für das Jahr 2013 bei Spitälern, welche die Vorgaben übertroffen haben, nachträglich Kontingente einzukaufen. Das ist eine Möglichkeit, welche die GD vorsieht.

Thematik unterschätzt

Für das Jahr 2014 habe das Hirslanden das Soll bereits überschritten. Man nehme an, dass dies auch 2015 so sein werde. Das Soll liegt für die Klinik Hirslanden bei rund 250 Lernenden.

Der Urologe Roger Gablinger ist Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Uroviva Klinik AG mit Sitz in Bülach. Die Klinik, die Gablinger seit 2006 in Bülach aufgebaut hat, verfügt über 16 Betten auf zwei Geschossen. Die Fallzahlen sind von 135 im Jahr 2010 auf inzwischen knapp 1000 steil angestiegen. «Wir waren in den letzten Jahren stark mit dem stetigen Aufbau beschäftigt», sagt Gablinger. Er gibt unumwunden zu, dass er in der Aufbauphase die Thematik Ausbildung unterschätzt habe.

Gablinger betont aber auch, er halte Ausbildung für wichtig. «In erster Linie heisst das, Verantwortung zu übernehmen», sagt Gablinger und weiter: «Für die Uroviva Klinik wäre es in den letzten Jahren schlicht nicht möglich gewesen, qualitativ hochstehende Ausbildungen anzubieten.»

Ausnahmen nicht möglich

Das Konzept der Gesundheitsdirektion sieht für die Uroviva drei Ausbildungsstellen vor. Für das Jahr 2013 hat die GD der Klinik als Ersatzabgabe eine Rechnung in Höhe von 60 000 Franken gestellt. Gablinger akzeptiert die Abgabe, auch wenn seine Klinik noch nicht gewinnbringend funktioniert. Gablinger hat mit der GD das Gespräch gesucht und lobt die Gesundheitsdirektion in höchsten Tönen. Diese habe sich sehr korrekt verhalten und ihm auch Lösungswege aufgezeigt. «Dass die GD keine Ausnahme für die Uroviva machen kann, sehe ich ein», sagt Gablinger.

Für die nähere Zukunft stehen zwei Massnahmen im Vordergrund. Wie die Klinik Hirslanden will Gablinger mit Spitälern, welche das Soll übertreffen, zusammenarbeiten. Sprich: Er wird dort Ausbildungsplätze mitfinanzieren. Ausserdem will Gablinger an seiner Klinik Praktikumsplätze für Leute anbieten, die an anderen Spitälern in Ausbildung stehen. So könnte er einen Teil der Ausbildungspflicht im eigenen Haus erfüllen.