Shop-in-Shop

Wenn Zürcher Lädelis grosse Warenhäuser nachahmen

Das Geschäft Justanotherpopup präsentiert auf aufeinandergestapelten Paletten die Waren verschiedener Start-ups.

Das Geschäft Justanotherpopup präsentiert auf aufeinandergestapelten Paletten die Waren verschiedener Start-ups.

Die prominente Präsentation einer Marke im Geschäft ist keine Konkurrenz – ganz im Gegenteil. Der neue Trend nennt sich Shop-in-Shop, dabei werden Marken miteinander verbunden, die eigentlich nichts miteinander gemein haben.

Ein Magazinladen inmitten einer Verkaufsfläche für Reise- und Laptoptaschen. Nach dem Ende des Pop-up-Ladens Print Matters im Zürcher Niederdorf war die Nachfrage so gross, dass sie kurzerhand in den Laden des Taschenlabels Qwstion einzogen.

Diesem Trend folgt nun auch der Einzelhandel: Das Ganze nennt sich Shop-in-Shop-System. Daraus entsteht Neues, Branchen überwinden ihre eigenen Grenzen. Gerade weil Marken, die nichts miteinander gemein haben, die Kooperation suchen.

Aber wie sich zeigt, handelt es sich dabei um keine neue Verkaufsstrategie. Anfänglich wurde das System nur in grossen Kaufhäusern wie Globus, Jelmoli oder Manor eingesetzt. Diese bieten aber verwandte Produkte, also Kleider von unterschiedlichen Herstellern, Schmuck oder Lingerie in einem Laden auf sichtbar unterteilten Verkaufsflächen dem Kunden an.


Erst kürzlich hat an der Europaallee in Zürich ein weiterer Pop-up-Laden eröffnet, der nach diesem System operiert. Sein Name ist Programm: Justanotherpopup. Aber nicht nur. Damit das Angebot für den Kunden möglichst breit und vielfältig ist, gehen auch diese Ladenbetreiber mit diversen Herstellern eine Kooperation ein.

Justanotherpopup spezialisieren sich aber neben ihrem Sortiment, bestehend aus Schweizer Marken, auch auf kreative Jungunternehmen. Sara Schär, die Geschäftsführerin vom Kleiderladen The Backyard erklärt, weshalb sie als Betreiberin des zeitlich befristeten Ladens an der Europaallee ihre Fläche an Dritte vermietet: «Auf diese Weise kann ich die Grösse der Verkaufsfläche besser nutzen, die Mietkosten minimieren und dem Endkunden ein breiteres und spannenderes Angebot bieten.»

Und auch für die Jungunternehmer ist das Angebot interessant, denn so können sie sich für kurze Zeit an einer prominenten Lage der Stadt präsentieren und ihre Bekanntheit verbessern.


Image stärken


Wie Sara Schär sagt, läuft der Verkauf und damit die Einnahmen komplett über Justanotherpopup. Zusammen mit den Designern der Labels führen sie aber Events durch. Und zwar um den Verkauf anzukurbeln und Kunden zu akquirieren. Diese Plattform gibt es nun noch bis Dezember. Dann ist auch dieser Pop-up-Laden wieder Geschichte.


Diese Arten der Kooperation haben also ganz klare Verkaufsgründe. Zum einen können die Läden so ihr Sortiment mit Marken erweitern und dadurch ihren Kunden einen zusätzlichen Service anbieten. Das Erlebnis nennt man denn auch: One-Stop-Shopping. Zum anderen holt sich der Ladenbetreiber so das nötige Know-how über ein Produkt oder Design in den Laden, über das er sich selber zuerst umfassend informieren müsste. Mit dem branchenfremden Hersteller im Laden kann zugleich auf das Wissen des Markenproduzenten zugegriffen werden.

Dafür präsentieren die Hersteller ihre Taschen, Portemonnaies, Kleider oder ihren Schmuck auf kleinen abgegrenzten Flächen. Das Sortiment wird so prominenter vom Kunden wahrgenommen. Insgesamt erzeugt diese Gliederung der Ware eine boutiqueähnliche Atmosphäre. Justanotherpopup beispielsweise präsentiert auf aufeinandergestapelten Paletten die Waren verschiedener Start-ups.


Am Anfang stand die Skepsis


Ein Konzept, das den Kunden ansprechen soll. Und bei den Warenhäusern einst beinahe gescheitert wäre. Die Fachhändler und grossen Warenhäuser standen dieser Profilierung von Herstellern im eigenen Laden anfänglich skeptisch gegenüber. Man scheute derweil die Konkurrenz durch die Hersteller.

Die Kehrseite aber ist, dass ein guter Hersteller eben auch das Image des Warenhauses aufwertet. Dieser Auffassung zumindest ist das Warenhaus Globus an der Zürcher Bahnhofstrasse. Die Bijouterie-Abteilung wird seit nun mehr als 15 Jahren als Shop-in-Shop-System geführt. Mit der jüngsten Renovation – alle Schmuckmarken haben ihre eigene kleine Verkaufsinsel – wird das Konzept auch für den Kunden deutlich sichtbar.

Marken wie Thomas Sabo, Kunz oder Pandora werden so als Spezialabteilungen hervorgehoben; optisch, in ihrer Anordnung und klar als eigene Firmeneinheit erkennbar. Als Grund für das Laden-in-Laden-Konzept nennt Globus-Sprecherin Marcela Palek: «Damit können wir möglichst viele attraktive Marken anbieten.» Mehr noch ist es ein Marketinginstrument, das ermöglicht, den Kunden noch direkter und persönlicher anzusprechen.

Mit dem Ziel, die Käufe anzukurbeln. Die abgetrennten Verkaufsbereiche bieten zudem eine zielgruppenorientierte Beratung durch das Verkaufspersonal. Der Ladenbesitzer profitiert auch von der untervermieteten Verkaufsfläche und tieferen Personalkosten. Oft ist der beratende Verkäufer nämlich beim Hersteller direkt angestellt. Bei Globus dagegen ist es eine Mischform. Teilweise sind die Verkäufer bei ihnen, teilweise bei den Herstellern angestellt. Und Globus vermietet keine Ladenfläche, sondern verlangt eine Kommission auf die verkaufte Ware.

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