Bergdietikon

«Wenn man die Augen schliesst, meint man wirklich, Elvis Presley sei da»

René Wettstein überzeugte an der Elvis Presley Tribute Show vor allem deshalb, weil er nicht einfach kopierte, was nicht kopiert werden kann.

40 Jahre ist es her, seit Elvis Presley gestorben ist. Sein Mythos ist in der Musikgeschichte jedoch so präsent wie eh und je. Viele sind noch immer vom Gefühl beseelt, er sei noch da. Lediglich untergetaucht sei der Kotelettenträger des Jahrhunderts – und lebe heute als Kuhzüchter in Buenos Aires.

Freilich musste man am Samstag nicht auf die Südhalbkugel reisen, um Elvis Presley zu begegnen. Ganz ohne Cowboy-Allüren trat er in der Mehrzweckhalle in Bergdietikon auf, oder wurde da zumindest auf verblüffende Weise wiedererweckt. Ein überwiegend älteres Publikum fand sich in der Mehrzweckhalle ein, um sich vor der Show noch auszutauschen und in jugendlichen Erinnerungen an den King of Rock ’n’ Roll zu schwelgen.

Dann war es soweit: Auf der vom Jugendtreff Bergdietikon geschmackvoll hergerichteten Bühne erschien René Wettstein. Der Elvis-Imitator betrat sie singend, mit einem so tief vibrierenden Bass, als sei der King nie weggewesen. Zu dem recht überzeugenden Hüftschwung passten die hautengen schwarzen Jeans, dazu die schwarze Lederjacke, die einige Einblicke erlaubte.

Es kann nicht einfach sein, in eine solche Rolle zu schlüpfen. Jeder weiss, mit welchem Charisma, mit welchem Charme das Original doch ausgestattet war. Man muss scheitern, will man es eins zu eins verkörpern, will man sich wirklich an diesem Massstab messen lassen. René Wettstein war sich dessen wohl bewusst und kopierte nicht einfach, was nicht kopiert werden kann. Er lieferte seine eigene Interpretation von Elvis und wirkte dadurch umso glaubwürdiger.

Ein durchaus nahbarer Star war das; er liess es sich auch nicht nehmen, mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen. Zu den angenehm verkitschten Klängen einer Schnulze kam Wettstein von der Bühne herab und verteilte grosszügig Rosen an die Damen. Spätestens da muss das eine oder andere Herz höhergeschlagen haben. In dem Raum war jeder Platz besetzt, rund 120 Leute waren gekommen.

«Man meint wirklich, Elvis sei da»

Das Echo in der Pause war positiv. Peter Ruoss, der sich selbst bisweilen als Elvis-Imitator versucht, lobte vor allem Wettsteins Stimme. «Er macht es sehr gut. Wenn man die Augen schliesst, meint man wirklich, Elvis sei da.» Bernadette Aregger aus Sursee monierte nur, dass das Publikum noch nicht so mitmache. «Es könnte etwas animierter sein. Aber der Unterschied zwischen einer Platte und so einem Live-Auftritt ist riesig.»

Nach der Pause steigerte sich das Tempo noch einmal. Ein Hit nach dem anderen schallte aus den Boxen und Wettstein, nun in jenem typischen weissen Glitzer-Kostüm, tanzte sich die Seele aus dem Leib. Da konnte sich auch das Publikum nicht mehr halten: Wie an Fäden aus den Stühlen gezogen, tanzten, klatschten und sangen am Schluss fast alle.

Nach der Show auf seine unglaubliche Energie angesprochen, hatte Wettstein kein Geheimrezept parat. «Das geht bei mir einfach» sagte er. Seit 20 Jahren tritt er schon als Elvis-Imitator auf, arbeitet nebenbei vollberuflich bei einer Heizungsfirma. Für ihn das Wichtigste bei so einem Abend: «Ich will die Leute mitreissen, ein Fest mit ihnen feiern.» Das, kann man wohl sagen, ist ihm in Bergdietikon gelungen.

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