Zürcher Start-up
Wenn Hobbybastler Ihren Wasserkocher flicken – das geht auch übers Internet

Nachdem Repair-Cafés seit längerem Erfolge feiern, bringen die Zürcher Macher von Repfinder das Angebot nun ins Internet und verzeichnen steigende Nutzerzahlen.

Lina Giusto
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Erst seit diesem Sommer ist die Plattform Repfinder online und konnte bereits mehrere Tausend Menschen mobilisieren. Ly Vuong

Erst seit diesem Sommer ist die Plattform Repfinder online und konnte bereits mehrere Tausend Menschen mobilisieren. Ly Vuong

Ly Vuong

Auch wenn die Stereoanlage defekt ist, der Toaster nicht mehr richtig wärmt oder der Wecker trotz neuer Batterie nicht mehr klingelt, bedeutet das für die Elektrogeräte nicht zwingend Endstation Müllhalde. Zwar können kaputte Geräte bereits seit längerem in Reparatur-Cafés wieder auf Vordermann gebracht werden, doch geht ein Start-up aus Oetwil am See nun einen Schritt weiter und lanciert eine Plattform für Reparatur-Begabte im Internet.

Seit mehreren Jahren tun sich in den Stadtzürcher Quartier- und Gemeinschaftszentren Freiwillige zusammen und führen die sogenannten Reparatur-Cafés durch. Wer seinen Wasserkocher nicht durch einen neuen ersetzen will, kann sich dort unter Anleitung von Hobbybastlern oder handwerklich Begabten bei der Reparatur helfen lassen.

An gewissen Treffpunkten, wie etwa dem Fablab im Kreis 4 oder dem Repair Café Buchegg im Kreis 6, finden solche Reparaturveranstaltungen jeweils monatlich statt. Andere Repair-Cafés öffnen mehrmals jährlich. Auch Ende Oktober anlässlich des Schweizer Reparaturtags wird an vielen Orten wie dem Zürcher Repair-Café Friesenberg, im Gemeinschaftszentrum Roos in Regensdorf oder im Zeughaus in Uster, wieder fleissig geflickt und erneuert.

Zeit- und ortunabhängig

Dem Gründer der Website Repfinder, Michael Senn, geht das Angebot der Repair-Cafés noch nicht weit genug. Auf der von ihm gegründeten Plattform können sich Reparatursuchende nach Talenten umsehen. Und so funktionierts: Das zu reparierende Objekt wie auch sein Defekt sollen möglichst genau beschrieben werden. Auf das Inserat melden sich Reparatur-Begabte mit einer Offerte. Dies soll laut Repfinder-Gründer Senn im bestmöglichen Fall die Dauer für die Reparatur sowie einen verbindlichen Kostenvoranschlag enthalten. «Es ist uns ein Anliegen, die Leistung der Reparatur-Cafés zu ergänzen, indem wir unser Angebot zeit- und ortsunabhängig machen», so Senn.

Ein Bedürfnis nach dem Angebot besteht offenbar. So verzeichnet die seit Juni laufende Plattform laut Betreiber bereits mehrere tausend Nutzer. Anders als man erwarten würde, stammen die Suchinserate und die Reparaturangebote aber nicht nur aus der unmittelbaren Nähe. «Die geografische Zielgruppe kommt aus der gesamten Deutschschweiz. Wir erhalten sogar schon Aufträge aus der Westschweiz», sagt Senn. Wie ein Auftrag aber zustande kommt, hängt von den Präferenzen der Suchenden und jenen der Reparierenden ab. So könne der kaputte Haarföhn über den Postweg oder auch direkt abgeholt respektive zurückgebracht werden. Ob Reparatur-Begabte für ein Inserat vorgeschlagen werden, hänge demnach auch davon ab, welche Distanzen sie für eine Reparatur aufzunehmen bereit sind.

Gerade der Umstand, dass viele Hersteller – Senn ist selber Elektrogeräteimporteur – nicht mehr bereit sind, Defekte zu beheben; besonders dann, wenn die Garantie auf ein Gerät abgelaufen ist, zeigt den Repfinder-Betreibern, dass der Reparaturmarkt noch lange nicht gesättigt sei.