Flughafen Zürich

Wenn die Polizei am Flughafen eine Swiss-Maschine stürmt

Jedes Jahr wird irgendwo auf der Welt ein Flugzeug entführt. Was, wenn es in Kloten landet? Am Montag haben Polizei, Flughafenbetreiberin und Swiss den Ernstall geübt. Rund 400 Personen der Kantonspolizei und des Flughafens standen im Einsatz.

Ein Familienstreit war der Auslöser der Flugzeugentführung, die am Montag auf dem Flughafen Zürich unter dem Namen «Libero 13» simuliert wurde. Gemäss Drehbuch hatte der Täter mit einem Begleiter auf dem Flug von Istanbul nach Zürich den Swiss-Airbus in seine Gewalt genommen.

Er wollte in Zürich landen, um seinen in der Schweiz lebenden Sohn an Bord zu holen. Denn Sharaf, so der Name des Entführers, war nach der Trennung mit seiner Frau das Sorgerecht entzogen worden.

«Keine Muppet-Show»

Um dieses Szenario möglichst realistisch durchzuspielen, hatten sich bereits um 6 Uhr früh 100 Passagiere an Bord des Airbus A320 begeben: Zumeist Freunde aus dem Kreis der Polizei oder ehemalige Mitarbeiter. Zudem nahmen sechs Crewmitglieder der Swiss teil. Alle wussten in etwa, welches Szenario sie erwartete.

Ueli Zoelly, Chef der Flughafenpolizei, gab zu bedenken, dass der Einsatz dennoch belastend sein könne. Die beiden Entführer - gespielt von zwei Polizisten eines anderen Korps - würden ihre Rolle möglichst realistisch interpretieren.

Die Polizei stürmt am Flughafen Zürich ein Flugzeug - übungshalber

Die Polizei stürmt am Flughafen Zürich ein Flugzeug - übungshalber

Zwar werde Seifenmunition verwendet, wie sie etwa beim Paintball eingesetzt wird. Doch geschossen wird aus echten Pistolen. «Das ist keine Muppet-Show», sagte Zoelly. Ein Swiss-Vertreter erinnerte sich, dass nach einer vergleichbaren Übung vor zehn Jahren Crewmitglieder psychologisch betreut werden mussten.

Als die Journalisten mit Vertretern der Polizei, Militär und Airline zum Einsatzort geführt wurden, sassen die Passagiere bereits vier Stunden in der Maschine. Die Polizei hatte derweil hinter einer Einstellhalle ihren Kommandoposten eingerichtet.

Bis zu diesem Zeitpunkt liefen die Verhandlungen mit Sharaf noch gut. Aufgrund eines medizinischen Notfalls hatte der Entführer einen erkrankten Passagier sowie 20 weitere freigelassen. Doch weil Sharafs Forderungen nicht entsprochen wird, nimmt der Verlauf um 10.35 Uhr eine dramatische Wende. Zwei Schüsse ertönen. Die Entführer öffnen eine Flugzeugtür und werfen eine menschenähnliche Attrappe auf das Vorfeld, dann noch eine. Der Druck auf die Einsatzleitung wächst.

Als die dritte Geisel erschossen wird, handelt die Polizei. Ein Panzerfahrzeug braust heran, gleichzeitig hält ein Tankwagen neben dem Rumpf. Beides ist bloss Ablenkung, denn nun wird eine Fahrgasttreppe vorgefahren. Einsatzkräfte in Vollmontur, die während der rasanten Fahrt auf der Treppe kauerten, springen die Stufen hoch und öffnen die Tür. Schüsse fallen. Das Sonderkommando stürmt das Flugzeug, während sich eine zweite Einheit Zutritt über den Eingang am Heck verschafft.

Fünf Minuten später werden Sharaf und sein Komplize aus dem Flugzeug geführt. Auch die Geiseln verlassen die Maschine mit erhobenen Händen. Zoelly erklärt: «Mögliche weitere Täter könnten sich unter die Geiseln gemischt haben.»

Nach dem Einsatz die Analyse

Zoelly zeigte sich zufrieden mit dem Einsatz. Eine solche Situation zu bewältigen sei enorm anspruchsvoll, schwierig vor allem der Zeitpunkt des Zugriffs. Nach drei Opfern sei dieser notwendig gewesen, «auch wenn immer ein Restrisiko besteht, dass dabei noch weitere Geiseln sterben.»

Ihm habe gefallen, so Zoelly, dass die Einsatzkräfte ruhig und zielgenau vorgegangen seien. Jetzt gelte es aber, sämtliche Schritte genau zu analysieren. Jede Meldung, jede Anweisung und jede Aktion wurde in einem Journal erfasst. Bewegte Bilder aus einer Drohne sowie weiteren Kameras helfen bei der Aufarbeitung dieses Ereignisses.

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