Anders in Basel-Stadt: Dort liefen unter anderem Vertreter von SP, FDP und GLP Sturm gegen die verschärften Regeln, flankiert von keinem Geringeren als dem ehemaligen Basler Polizeikommandanten (und FC-Basel-Fan) Markus Mohler, der bei jeder Gelegenheit über das Hooligan-Konkordat herzieht.

Angesichts der heftigen Proteste schob der amtierende Basler Polizeidirektor Hanspeter Gass (FDP) das Geschäft bis zu seinem geplanten Abgang beiseite – er überlässt es damit seinem Nachfolger. Und mit Parteikollege Baschi Dürr könnte ausgerechnet einer der schärfsten Kritiker des Konkordats Gass’ Amt erben.

In Zürich träumt das Komitee «Nein zum Hooligankonkordat» derweil von Verhältnissen wie in Basel. Selbst AL-Kantonsrat Markus Bischoff schätzt, dass die Nadel auf dem öffentlichen Stimmungsbarometer eher Richtung Nulltoleranz zeigt.

Missachtung der Grundrechte

Dabei mangelt es den Kritikern nicht an Argumenten gegen die geplanten Verschärfungen. So sieht Mattea Meyer, die für die SP im Kantonsrat sitzt, die Grundrechte mit Füssen getreten. Und Bischoff führt an, dass mit dem Konkordat das «Störerprinzip» im polizeilichen Handeln verletzt werde. Fans einer Gastmannschaft müssten auf eine bestimmte Weise anreisen und dürften sich nicht selbstständig ins Stadion begeben. Bischoff vergleicht das mit einer Demonstration: «Wenn ein paar Chaoten eine Demo stören, muss die Polizei gegen diese tätig werden, nicht gegen die Demonstrierenden.» Überhaupt sei es unverhältnismässig, dass alle Spiele der obersten Ligen bewilligungspflichtig sein sollen.

Sauer stösst dem Komitee auch auf, dass nur noch ins Stadion gelassen wird, wer einen Ausweis vorzeigt. «Es gibt in der Schweiz keine Ausweispflicht, damit stellt man alle Sportfans unter Generalverdacht.»

«Unsinnige» Kombitickets

Kritik ernten auch die geplanten obligatorischen Kombitickets, die für die Bahnfahrt im Sonderzug und den Stadioneintritt gelten sollen: «Wenn ein in Zürich wohnhafter FCB-Fan an ein Auswärtsspiel seiner Mannschaft in Zürich gehen will, muss er gemäss Konkordat erst nach Basel fahren und von dort wieder den Zug nach Zürich nehmen», erklärt Fabian Molina, Co-Präsident der Juso Kanton Zürich, kopfschüttelnd.

Die grosse Frage lautet, warum denn die Zürcher Regierung genauso wie – mit Ausnahme von Basel-Stadt – alle anderen Konkordatskantone diese Verschärfungen will? In der regierungsrätlichen Beurteilung sucht man vergeblich nach einer Begründung. Dort steht lediglich: «Die Anpassungen des Konkordats (...) bringen in diesem Umfeld wichtige neue Instrumente.»

Grösste Jugendkultur der Schweiz

Für Luca Maggi, Präsident der Jungen Grünen der Stadt Zürich, zielen die Verschärfungen einmal mehr auf die Jugend. «Fankultur ist die grösste Jugendkultur der Schweiz. Sie vereint reich, arm, links, rechts, Schweizer und Ausländer. Stirbt die Fankultur, ist auch der Fussball tot.» Er betont, dass viele junge Fans anlässlich von Spielen ihre ersten Erfahrungen mit der Polizei machen würden. «Und Repression radikalisiert die Jungen», so Maggi. Stattdessen schlägt er niederschwellige Massnahmen vor. In Hannover seien es beispielsweise nicht mehr Polizisten, sondern Konfliktexperten, die auswärtige Fans in Empfang nehmen würden.

Nun wollen die beiden Jungparteien erstmals ihre Mutterparteien davon überzeugen, das geänderte Konkordat abzulehnen. Auch mit einer Online-Petition soll Druck auf den Kantonsrat ausgeübt werden. Das Vorhaben dürfte es hingegen schwer haben.

Und das, obschon sich auch für Konkordats-Befürworter bei einem Nein der Verlust in Grenzen halten würde: Lehnt der Kantonsrat die Vorlage ab, bleibt in Zürich einfach das «alte» Konkordat aus dem Jahr 2010 weiterhin in Kraft. Und das, so vernimmt man von fast allen Seiten, habe sich bewährt. 224 Personen haben schweizweit aktuell ein Rayonverbot, 40 davon im Kanton Zürich. Die Tendenz, so Bischoff, sei abnehmend.