In einem Fall vermittelte Ombudsfrau Claudia Kaufmann eine Lösung für einen städtischen Angestellten, der trotz der Einführung von Blockzeiten am Freitagsgebet in der Moschee teilnehmen wollte - ohne Lohneinbussen in Kauf nehmen zu müssen.

In solchen Fällen seien einzelfallgerechte, pragmatische Lösungen zielführend, sagte Kaufmann bei der Präsentation des Jahresberichts 2013 gestern. Erfahrungen der Ombudsstelle zeigten, dass sich voreilig ausgesprochene Verbote und zu rigide Grundsätze im Alltag nicht bewährten, sondern eher zusätzliche Schwierigkeiten und Barrieren schafften. Der Wunsch, am Freitagsgebet teilnehmen zu können, gehört gemäss Ombudsfrau zum Schutzbereich der Religionsfreiheit. Wie bei der Frage, ob bestimmte Kleidungsstücke oder religiöse Symbole getragen werden dürfen, sei eine Abwägung der Interessen des Arbeitgebers und der Freiheitsrechte der Angestellten nötig.

Vor der Einführung der Blockzeiten hatte der Angestellte in der allgemeinen Stadtverwaltung jeweils am Freitagnachmittag das eine Stunde dauernde Gebet in der Moschee besucht. Er kehrte jeweils anschliessend an seinen Arbeitsplatz zurück und blieb abends entsprechend länger.

Ihm wurde dann mitgeteilt, dass er ab 2013 während der Blockzeit von 14 bis 17 Uhr am Arbeitsplatz anwesend sein müsse. Es würden alle Mitarbeitenden gleichbehandelt und es gebe keine Ausnahmen. Der Arbeitnehmer müsse allenfalls unbezahlte Ferientage beziehen oder sein Arbeitspensum reduzieren, um das Freitagsgebet zu besuchen.

Pragmatische Lösung vermittelt

Die Ombudsfrau vermittelte eine pragmatische Lösung, die nach ihrer Ansicht mit den Interessen des Arbeitgebers und des Arbeitsplatzes «ohne Schwierigkeiten vereinbar» ist und dem Team kommuniziert wurde. Der Angestellte kann nun jeweils am Freitagnachmittag zum Gebet gehen. Er lässt sich die Zeit einer zusätzlichen Ferienwoche, die ihm seit dem 50. Geburtstag zusteht, anrechnen.

Drei Viertel mit positivem Ergebnis

Die Ombudsstelle bearbeitete 2013 auffällig viele Beschwerden von Betroffenen, die sich der Verwaltung ausgeliefert und von ihr überfordert fühlten. In 78 Prozent der 510 im vergangenen Jahr von der Ombudsstelle bearbeiteten Geschäfte führten die Beschwerdeprüfung und die Vermittlungsarbeit zur Gutheissung beziehungsweise zu einer Lösung. In 57 Fällen wurde wie Beschwerde abgewiesen oder die Vermittlung blieb ergebnislos. 35 Geschäfte wurden von den Beschwerdeführenden im Laufe der Bearbeitung zurückgezogen. (sda)