Der urbane Mensch hat in seiner Freizeit einen zunehmenden Bewegungsdrang entwickelt. Darauf weisen statistische Zahlenreihen hin, die die Stadt Zürich dieser Tage veröffentlicht hat. Anlass ist ihr 125-Jahr-Jubiläum als Grossstadt, das auf die Eingemeindungen von 1893 verweist.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die freie Zeit zugenommen hat. So betrug die Wochenarbeitszeit eines Industriearbeiters im Jahr 1950 noch 48 Stunden. Heute arbeiten wir pro Woche im Schnitt knapp 42 Stunden. Und Industriearbeiter, die ausgeprägt körperliche Arbeiten verrichten, gibt es hierzulande immer weniger. Dafür nimmt die Zahl der Büromenschen zu.

Auf den Berg und in den Zoo

Das schlägt sich auch im Freizeitverhalten nieder, Stichwort Bewegungsdrang. Ein Indiz dafür sind etwa die Passagierzahlen der Üetlibergbahn. Sie stiegen von 81'380 im Jahr 1900 auf jeweils deutlich über eine Million Menschen in den letzten paar Jahren. Gegenüber den 1960er-Jahren, als wie heute schon einmal über 400'000 Einwohner in Zürich lebten, hat sich die Zahl der Üetlibergbesuche damit mehr als verdoppelt. Und wer auf Zürichs Hausberg fährt, verknüpft dies in den meisten Fällen zumindest mit einem Spaziergang. Ähnlich verhält es sich mit den Zoobesuchen: Deren Anzahl nahm von 226'514 im Jahr 1929 auf 1,2 Millionen knapp hundert Jahre später zu.

Auf einen wachsenden Bewegungsdrang lassen auch die Besucherzahlen in den Zürcher Bädern schliessen. Diese verzeichneten in den letzten paar Jahren jeweils etwa dreieinhalb Millionen Eintritte. In den 1950er-Jahren – weiter reicht die Bäderstatistik der Stadt nicht zurück – waren es noch deutlich unter zwei Millionen.

Einen drastischen Rückgang gab es hingegen über die Jahrzehnte bei einem Freizeitvergnügen, das man still sitzend geniesst: dem Kinobesuch. Bis in die späten 1950er-Jahre erfreuten sich die Zürcher Kinos stark wachsender Beliebtheit. Im Rekordjahr 1956 wurden sage und schreibe 7,4 Millionen Kinobesuche in Zürich gezählt. Dann kam das Fernsehen auf. Grosses Kino gab es immer seltener. Stattdessen entwickelte sich ein Trend zu Kinokomplexen mit vielen kleineren Sälen. Gegenwärtig hat sich die Zahl der Kinobesuche in Zürich bei jährlich zwei Millionen eingependelt.

In etwa konstant blieb über die letzten Jahrzehnte das Interesse am Theater in Zürich. Die Besucherzahlen pendelten sich seit den 1960er-Jahren, als neben dem Schauspielhaus diverse neue Theater eröffneten, bei jährlich im Durchschnitt knapp einer halben Million Eintritten ein. Bemerkenswert: Der bisherige Höchstwert von 636'018 wurde gemäss den von der Stadt Zürich veröffentlichten Zahlen erst kürzlich erreicht, nämlich im Jahr 2014. Und noch etwas fällt auf: Die von den Statistikern unter «Andere» summierten Theater locken seit 2005 fast durchs Band mehr Publikum als das Schauspielhaus.