Die Zahl der Delikte gemäss Strafgesetzbuch weist seit 2006 - mit Ausnahme des Jahres 2012 - eine sinkende Tendenz auf. 2016 ging die Zahl der Straftaten um 5,1 Prozent zurück. Das sind mehr als 4700 Fälle weniger als im Vorjahr, was dem tiefsten Wert seit der Einführung der Kriminalitätsstatistik im Jahr 1980 entspricht.

Hauptgrund für den Rückgang der Gesamtkriminalität ist die Abnahme von Vermögensdelikten. Vor allem die Zahl der Einbrüche nahm weiter ab. Polizeiliche Präventionskampagnen, Schwerpunktaktionen, Kriminalanalysetools, Spezialtrainings und die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen zeigen laut Kantonspolizei positive Wirkung.

Bezirk Dietikon: massiver Rückgang

Fast halbiert hat sich die Anzahl Delikte im Bezirk Dietikon seit 2009. Im letzten Jahr waren es insgesamt noch 4736. Auch gegenüber dem Vorjahr 2015 ist der Rückgang um 12,7 Prozent oder total 687 Delikte nach Strafgesetzbuch und Betäubungsmittelgesetz deutlich. Wie auch in der gesamtkantonalen Statistik haben 2016 hingegen die Delikte gegen Leib und Leben im Bezirk Dietikon zugenommen: 2015 waren es 263, ein Jahr später 319. Für den Anstieg verantwortlich waren vor allem die Tatbestände der einfachen Körperverletzung und Tätlichkeiten; zurück gingen dafür die schweren Körperverletzungen und die Beteiligungen an Raufhandel.

Proportional am ausgeprägtesten im Bezirk war der Rückgang bei Delikten gegen die sexuelle Integrität, wo gegenüber 97 Fällen im jahr 2015 für letztes Jahr noch 57 Fälle in die Statistik einflossen. Dies entspricht einem Rückgang von über 40 Prozent, wobei die Fallzahlen allgemein viel tiefer liegen als bei anderen Deliktarten. Die meisten Delikte richteten sich auch 2016 gegen das Vermögen: 2500 waren es im letzten Jahr, das sind 291 oder 10,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. In grossen Zahlen zurück gingen dabei vor allem die Kategorien Einbruchdiebstahl, Fahrzeugdiebstahl und Sachbeschädigung – ein Trend, der seit 2012 ungebrochen ist.

Auch wurden weniger Delikte gegen die Freiheit verzeichnet – 2016 waren es insgesamt noch 668, 80 weniger als 2015 –, was hauptsächlich auf eine Abnahme der Hausfriedensbrüche bei Diebstählen zurückgeht. Zugenommen haben hingegen die Fälle von Drohung (2016: 112) und Nötigung (42) um rund 20 respektive 60 Prozent.

Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz sind im Bezirk letztes Jahr um mehr als ein Viertel zurückgegangen, wobei sie 2015 aber auch auf 946 Fälle emporschnellten, nachdem sie sich jahrelang auf tieferem Niveau bewegt hatten. 2016 waren es insgesamt noch 685, was aber immer noch der dritthöchste Wert seit 2009 ist.

Opfer häuslicher Gewalt erstatten Anzeige

Eine Zunahme um 11,8 Prozent gab es bei den Straftaten gegen Leib und Leben. Ausserdem stieg die Zahl der Opfer von Tötungsdelikten von acht im Vorjahr auf zehn im Jahr 2016. Insgesamt nahm aber vor allem die minderschwere Gewalt zu, wie etwa Tätlichkeiten und einfache Körperverletzung.

Ins Gewicht fallen hier vor allem deutlich mehr Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt. Die Bereitschaft der Opfer, Anzeige zu erstatten, steigt. Dies sei auch ein Erfolg der polizeilichen Arbeit, betonte Christiane Lentjes Meili, Chefin der Kriminalpolizei der Kantonspolizei am Montag vor den Medien.

Digitalisierung der Kriminalität

Eine auffällige Zunahme um 63,8 Prozent gab es bei der Zahl der gemeldeten Erpressungen. Dabei nutzen die Täter vor allem das Internet. "Auch in der Kriminalität hat die Digitalisierung Einzug gehalten", sagte Felix Lengweiler, Chef der Kriminalabteilung der Stadtpolizei Zürich. Die Opfer werden dabei mit sexuellen Bildern oder auch mit Hackerangriffen erpresst.

So wurden beispielsweise mehr DDoS-Attacken gemeldet. Das sind Angriffe, bei denen Webseiten mit sinnlosen Anfragen überflutet werden, bis sie abstürzen. Auch bei Betrugsdelikten spielt das Internet immer häufiger eine Rolle.

Immenser Schaden durch Konkursmissbrauch

Deutlich zugenommen haben Delikte im Zusammenhang mit Konkursmissbrauch. So haben so genannte Firmenbestatter regelrechte kriminelle Strukturen entwickelt. Dabei machen sie sich Zahlungsschwierigkeiten ahnungsloser Kleinunternehmer zu nutze. Sind diese überschuldet und müssten eigentlich Konkurs anmelden, tritt ein Vermittler auf den Plan.

Dieser übernimmt die Firma gegen eine Provision und gibt sie an den Bestatter weiter. Dieser verspricht zwar die ordentliche Auflösung des Unternehmens, verlegt aber einfach seinen Geschäftssitz und nutzt die Zeit für Bestellungs-, Leasing- oder Sozialversicherungsbetrug. Mit dem anschliessenden Konkurs sind dann die Schulden weg und den Schaden haben private Gläubiger und die öffentliche Hand.

Eine Sonderkommission der Kantonspolizei hat hunderte solcher Fälle aufgedeckt, sagte Lentjes Meili. Sie geht von einem volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von jährlich mehr als 100 Millionen Franken aus - allein im Kanton Zürich. (sda/rue)