Einen markanten Beschwerderückgang gab es in den Monaten Juli und August, wie Faesi am Mittwoch bei der Präsentation des Tätigkeitsberichtes 2011 vor den Medien sagte. Möglicherweise habe diese «Delle» mit den Umständen seiner Wiederwahl zu tun gehabt, das sei aber nur eine Vermutung.

Im Vorfeld der Wahl durch den Kantonsrat waren Vorwürfe an der Amtsführung laut geworden. Aus Mitarbeiterkreisen wurde moniert, der Ombudsmann engagiere sich zu wenig, sei unregelmässig anwesend und lasse wichtige Fälle liegen. Solche Gerüchte könnten schnell das Vertrauen zerstören, räumte Faesi ein.

Erneut weniger Migrationsfälle

Nur Vermutungen anstellen kann Faesi auch zum erneuten Rückgang bei den Migrationsbeschwerden. 2009 hatte seine Stelle noch 95 Eingaben zu bearbeiten, im vergangenen Jahr waren es gerade noch deren 35. Eine mögliche Erklärung für den Rückgang sei, dass nach der Auswechslung des Amtsleiters das Migrationsamt wieder Fuss gefasst habe.

Insgesamt hatten Faesi und seine Mitarbeiter im vergangenen Jahr 288 Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer zur Besprechung empfangen. In 394 Fällen wurde bei der Verwaltung eine Vernehmlassung eingeholt.

Sein Bestreben sei es, für die Probleme «zügig eine Lösung» zu finden, betonte Faesi. Oft helfe der gesunde Menschenverstand, um ein Problem zu lösen oder zumindest Verständnis für die andere Position zu wecken.

Viele Alltagsprobleme

Zu tun hatte es die kantonalen Ombudsstelle auch im vergangenen Jahr mit einer breiten Palette von Problemen. Oft handle es sich um Fälle aus dem Alltag, die oft auf Missverständnissen oder Detailbesssenheit in der Verwaltung beruhten und jedem widerfahren könnten, stellte Faes fest.

Da gab es etwa den Schüler, der im Bus als Schwarzfahrer erwischt wurde, weil er sein Billett nicht rechtzeitig vor der Kontrolle entwertet hatte, oder den Töfffahrer, der nach einer Panne im Tessin sein Fahrzeug nicht termingerecht beim Strassenverkehrsamt vorführen konnte und die Gebühr trotzdem entrichten musste.

Zu einem guten Ende führen konnte der Ombudsmann auch den Fall einer Studierenden, die krankheitsbedingt ihre Lizenziatsprüfung abbrechen musste. Nach verschiedenen Gesprächen willigte das Fakultätsdekanat einem Vergleich zu: Die Beschwerdeführerin konnte sich für die mündlichen Prüfungen anmelden, ohne die schriftlichen Prüfungen nochmals absolvieren zu müssen.

Auch Korruptionsmedestelle

In einer immer stärker reglementierten Welt seien Bürgerinnen und Bürger in einer Konfliktsituation mit Verwaltung oder Behörden rasch verunsichert und überfordert, stellte Faesi fest. In solchen Fällen sei die Ombudsstelle der richtige Ort. «Mein Ziel ist es, Personen vor unberechtigtem und fehlerhaftem Verhalten der Verwaltung zu bewahren».


Entgegengenommen werden vom Ombudsmann auch Verdachtsmeldungen bezüglich Korruption oder Missbrauch einer Machtstellung zu privaten Zwecken in der kantonalen Verwaltung. Hinweise können laut Faesi in jeder Form gegeben werden, auch anonym. Niemand begehe eine Amtsgeheimnisverletzung, wenn er den Ombudsmann informiere.