E-Government
Wenig Interesse: Stadt schliesst Internetforum nach nur acht Monaten

Nach nicht einmal einem Jahr hat die Stadt Zürich ihr neu eröffnetes Internetforum wieder vom Netz genommen. Die Bevölkerung zeigte kaum Interesse, mit den Behörden auf diesem Weg ins Gespräch zu kommen.

Marius Huber
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Auch kein Erfolgsmodell: Der Örbi im Einsatz, immer begleitet von zwei Personen.

Auch kein Erfolgsmodell: Der Örbi im Einsatz, immer begleitet von zwei Personen.

Zur Verfügung gestellt

Der links-grüne Zürcher Stadtrat will nicht von oben herab regieren. Stattdessen hat er sich dem Ziel verschrieben, die Quartiere gemeinsam mit der Bevölkerung weiterzuentwickeln. Bürgerbeteiligung heisst das Zauberwort. In der Praxis will es aber mit dem direkten Draht zur Basis nicht so recht klappen.

Zum zweiten Mal innert kurzer Zeit hat die Stadt vorzeitig einen Versuch beendet, die Wünsche und Bedürfnisse der Zürcher zu ergründen. Diesmal traf es das Stadtforum, eine offene Diskussionsplattform im Internet. Nur acht Monate nach ihrer Lancierung hat das Hochbaudepartement anfangs Jahr den Stecker gezogen. Bemerkt hat das kaum jemand, denn kaum jemand benutzte das Forum. Die Beteiligung habe sich in «sehr engen Grenzen» gehalten, räumt Departementssekretär Urs Spinner auf Anfrage ein.

Allerdings hat die Stadt auch wenig unternommen, daran etwas zu ändern. Sie hat die neue Plattform während der kurzen Dauer ihrer Existenz ziemlich stiefmütterlich behandelt. Dafür geworben hat sie in erster Linie in den Gratisblättern der Firma Lokalinfo. Auch optisch machte das Forum einen spartanischen Eindruck, ganz dem funktionalen Auftritt des städtischen Online-Portals verpflichtet.

Hinzu kam ein Moderator, der nur alle paar Wochen eine möglichst neutral gehaltene, zahme Frage in die Runde warf. Zum Beispiel, ob Zürich West der richtige Standort für ein Kongresszentrum sei. Damit lockte er nur eine Handvoll Zürcher hinter dem Ofen hervor.

Zweites gestopptes Experiment

Ganz anders sieht es auf den Online-Kanälen der etablierten Verlagshäuser aus: Dort lösen Artikel über emotionale städtebauliche Themen wie den Hafenkran bisweilen Hunderte von Kommentaren aus.

«Offenbar erwartet die Zürcher Bevölkerung von der Stadt nicht, dass sie eine zusätzliche Plattform für solche Diskussionen bietet», resümiert Spinner. Trotzdem will er nicht von einem Flop sprechen, denn es gehe der Stadt bewusst darum, neue Formen auszuprobieren und zu experimentieren, wie man die Leute erreiche.

Abgebrochen wurde Ende Dezember bereits ein Experiment mit Örbi, einem 120 000 Franken teuren mobilen Pavillon in Form einer gelben Spielzeugrakete, der die Passanten animieren sollte, ihre Meinung zur Gestaltung städtischer Plätze zu artikulieren. Eine Mehrheit des Gemeinderats taxierte das sonderbare Gerät nach zwei mässig ergiebigen Einsätzen als überflüssig und drehte den Geldhahn zu. Die Stadt musste die Rakete daraufhin in einer Halle einmotten, wo sie nun einem neuen Verwendungszweck harrt.

Es gibt durchaus auch Initiativen der Stadt, die Resonanz gefunden haben. Als im Herbst 2011 eine öffentliche Online-Debatte zur Stadtentwicklung stattfand, an der nebst mehreren Moderatoren und Experten auch Regierungsmitglieder teilnahmen, loggten sich über 3500 Neugierige ein - annähernd ein Prozent der Stadtbevölkerung. Mehr Erfolg als mit solch allgemein gehaltenen Debatten hat die Stadt ansonsten meist dann, wenn sie bei konkreten Entwicklungsprojekten mit einer Delegation vor Ort den Kontakt zu den Betroffenen sucht. Hochbauvorstand André Odermatt (SP) hat dies zuletzt wiederholt getan.

Neuer Versuch mit Facebook

«Die Stadt muss einen beträchtlichen Aufwand betreiben, um mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen», sagt Spinner. «Es gibt unter den Leuten eine Erwartungshaltung, dass die Behörden bei ihnen antraben - vor 20 Jahren war das noch undenkbar.» Allerdings versucht es die Stadt weiterhin auch mit weniger aufwendigen Methoden: Vor wenigen Tagen hat sie ein Facebook-Konto eröffnet, und bereits halten über 550 Personen virtuell den Daumen hoch, um zu zeigen, dass sie das «liken». Der Kanton, immerhin seit fast zwei Jahren länger auf Facebook präsent, kommt nur auf 300 mehr. «Lieber spät als gar nie», kommentierte ein Angestellter der Verkehrsbetriebe diesen neusten Anlauf - und kassierte dafür von der Stadt prompt und hochoffiziell einen Smiley.