Bezirksgericht Zürich
«Weltwoche» blitzt vor Gericht gegen NZZ ab

Das Bezirksgericht Zürich hat eine Klage der «Weltwoche» gegen die «Neue Zürcher Zeitung» abgewiesen. Die «NZZ» habe in einem Artikel vom 16. Februar 2010 zu Recht die Frage nach der redaktionellen Einflussnahme durch Dritte bei der «Weltwoche» gestellt.

Drucken
Teilen
Weltwoche blitzte ab.

Weltwoche blitzte ab.

Keystone

Grund für die Frage sei die fehlende Transparenz der Besitzverhältnisse der «Weltwoche», die auch das Gericht als gegeben ansieht. Der Autor des auf der Medienseite der «NZZ» abgedruckten Artikels «Keine gläserne Informationswelt» habe die Frage nach der Einflussnahme im Sinne des öffentlichen Interesses stellen dürfen.

Ihr komme nämlich in der Medienbranche eine besondere Bedeutung zu, heisst es im noch nicht rechtskräftigen Bezirksgerichtsurteil vom 16. Mai, über das die «NZZ» am Dienstag berichtete.

Der Eingriff in die Persönlichkeit von «Weltwoche» sowie deren Verleger und Chefredaktor Roger Köppel sei folglich gerechtfertigt, schreibt das Gericht. Anderweitige Verletzungen der Persönlichkeit seien nicht zu erkennen.

Die «Weltwoche» und Roger Köppel hatten geklagt, ihre Persönlichkeit sei durch den «NZZ»-Artikel widerrechtlich verletzt worden. Sie verlangten eine Genugtuung von 10'000 Franken.

Die «Weltwoche» stand im Artikel zwar nicht im Mittelpunkt, wurde aber verschiedentlich als Beispiel erwähnt. Der Autor schrieb, die Hintergründe des Verkaufs der «Weltwoche» an Roger Köppel seien im Dunkeln geblieben, und damit habe die Frage «Wer wirkte als edler Gönner?» weiterhin gegärt.

Da die «Weltwoche» und Roger Köppel mit ihrer Klage vollständig unterlagen, hat ihnen das Gericht die Gerichtskosten von 8000 Franken auferlegt. Zudem wurden sie verpflichtet, der Gegenpartei eine Prozessentschädigung von 10'260 Franken zu bezahlen. Ob Köppel das Urteil weiterzieht, ist noch offen, wie er auf Anfrage sagte.