Im zweiten Halbjahr 2015 wurden bei grossflächigen archäologischen Untersuchungen in Winterthur-Hegi Spuren eines frühmittelalterlichen Dorfes sowie Gräber aus der Römerzeit entdeckt.

Dabei wurden "überraschend viele Zeugnisse aus der Vergangenheit" entdeckt, wie die kantonale Baudirektion am Dienstag in einer Mitteilung schreibt. Bereits jetzt sei klar, dass "in der Hegmatten eine der bisher grössten frühmittelalterlichen Siedlungen im Kanton Zürich gefunden wurde".

Deshalb werden die Grabungsarbeiten ab April in einer zweiten Etappe fortgesetzt. Dabei wird eine kleine Restfläche innerhalb der frühmittelalterlichen Siedlung untersucht. Zudem erwartet die Kantonsarchäologie, dass sie weitere römische Gräber finden wird.

Verfärbungen deuten auf Häuser hin

Die bisher gefundenen Überreste des frühmittelalterlichen Dorfes aus dem 6. bis 8. Jahrhundert seien auf den ersten Blick unscheinbar, heisst es in der Mitteilung. "Da die Holzbauweise vorherrschte, sind meist nur noch Verfärbungen im Boden zu finden."

Dennoch konnten anhand der Spuren 27 Grubenhäuser gefunden werden. Dabei handelt es sich um kleine, halb unterkellerte einräumige Häuser, die sich heute nur noch als dunkle rechteckige Flächen zeigen.

Etwas schwerer zu erkennen sind ebenerdige Pfostenbauten, bei denen nur einzelne Pfosten einen dunklen Abdruck im Boden hinterlassen haben. Bislang konnten gemäss Kantonsarchäologie rund sieben solcher Pfostenhäuser nachgewiesen werden.

Die Dorfbewohner dürften in der Hegmatten Textilien hergestellt und Eisen verarbeitet haben. Scherben von Gefässen aus Keramik und Stein, Messerklingen, Glasperlen und zahlreiche Tierknochen zeugen von ihrem Alltag.

Ein kleiner privater römischer Friedhof

Nördlich dieser Siedlung stiessen die Archäologen auf zwei Urnen von Brandbestattungen aus der römischen Zeit. Da sich in unmittelbarer Nähe die Überreste eines Gutshofes befinden und römische Gräber selten alleine auftreten, gehen die Archäologen von einem kleinen privaten Friedhof aus.

Laut der kantonalen Baudirektion kommen die Arbeiten am Hochwasserrückhalteraum Hegmatten trotz der zweiten Grabungsetappe planmässig voran. Der Abschluss wird im Frühling 2017 erwartet. Um diesen Zeitplan einzuhalten, müssten die Arbeiten allerdings leicht umdisponiert werden.