Winterthur

Weil ungenau gebaut wurde: Mehrere Garagen sind potenziell einsturzgefährdet

Auch die Tiefgarage an der Bettenstrasse in Veltheim musste überprüft werden.

Auch die Tiefgarage an der Bettenstrasse in Veltheim musste überprüft werden.

Weil ungenau gebaut wurde, musste eine Tiefgarage im Sennhof kurzfristig gesperrt und saniert werden. Ein Ingenieurbüro geht davon aus, dass der gleiche Baufehler bei rund 25 Garagen in der Stadt und Region gemacht wurde.

Erst wurde die Tiefgarage der Wohnüberbauung Bachwies gesperrt, dann kurzfristig mit 157 Baumstämmen gesichert und nach Abklärungen zweier Ingenieurbüros vor gut einem Jahr für rund eine Million Franken saniert. Die Garage mit rund 100 Parkplätzen war einsturzgefährdet. Die Stützpfeiler drohten durch die Decke durchzustossen, statt sie zu halten.

Grund für die mögliche Einsturzgefahr ist gemäss dem Winterthurer Ingenieurbüro Dr. Deuring und Oehninger nicht ein Planungs- oder Berechnungsfehler, sondern dass ungenau gebaut wurde. Die in der Betondecke eingezogenen Vorspannseile aus Stahl, welche die Last gleichmässig auf die Säulen verteilen sollten, wurden zu wenig präzise verlegt. «Zentimenter machen hier einen entscheidenden Unterschied aus», sagt Geschäftsleiter Martin Deuring. Er schätzt, dass in Wohnsiedlungen in Winterthur und Umgebung rund 25 bis 30 Autogaragen nach diesem kostengünstigen, technisch raffinierten, aber anspruchsvollen Prinzipgebaut wurden. Dabei beruft sich Deuring auf die Angaben und Baupläne des damaligen Ingenieurs. Das ebenfalls involvierte Effretiker Ingenieurbüro EWP geht von einer ähnlichen Anzahl aus. Es nennt Fälle in Mattenbach (Zelgli), Seen, Schottikon und Bassersdorf.

Nur ein Bruchteil überprüft

Pikant: «Erst rund ein Drittel der betroffenen Garagen wurden auf ihre Statik überprüft oder saniert», sagt Deuring. Betroffen sind Garagen, die zwischen 1986 und 2000 von der Winterthurer Baufirma L+B erstellt wurden. Diese war am Freitag für keine Stellungnahme zu erreichen. Bauingenieur Deuring rät den Eigentümern, eine sorgfältige Expertise machen zu lassen. Dass in nächster Zeit in Winterthur reihenweise Autogaragen einstürzen, glaubt er aber nicht: «Auch bei den 30-jährigen Garagen ist die Bauqualität grundsätzlich hoch.»

Mögliche Risikofaktoren

Was die Einsturzgefahr allerdings merklich erhöhe, seien zusätzliche Lasten durch Schnee, eine zu hohe Überschüttung mit Erde oder eine grössere Menschenmenge, bei einem Quartierfest etwa. Gerade kombiniert mit der Hitze eines Autobrandes hätte dies wohl fatale Folgen, ähnlich wie beim Drama in Gretzenbach im Kanton Solothurn mit sieben toten Feuerwehrmännern, die verschüttet wurden.

Nach Berichten im «Landboten» liessen auch die Bewohner der Einfamilienhaussiedlung an der Bettenstrasse 101–121 beim Schützenweiher ihre 30-jährige Garage – gebaut von L+B – überprüfen. Auch hier waren die Spannkabel nicht richtig verlegt. Mit acht neuen Stahlpilzen auf den Säulen und neuen Brandschutzplatten wurde die Decke nun vor wenigen Wochen unter der Leitung von Deuring stabilisiert. Die Kosten von rund 10 000 Franken pro Parkplatz müssen die Eigentümer wie im Sennhof selbst berappen. Die zehnjährige Verjährungsfrist für Mängelrechte ist längst abgelaufen.

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