Bezirksgericht Zürich
Weil er ihr den Zutritt verweigerte: Studentin wirft Türsteher Vergewaltigung vor

Aus Rache beschuldigte eine betrunkene Studentin einen Türsteher, sie vergewaltigt zu haben. Dieser hatte ihr zuvor den Zutritt zu einem Zürcher Klub verweigert, weil sie stark alkoholisiert war. Am Montag stand die heute 20-Jährige vor Gericht und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Eine junge Frau, die einen Türsteher fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt hatte, musste sich vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. (Symbolbild).

Eine junge Frau, die einen Türsteher fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt hatte, musste sich vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. (Symbolbild).

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Weil sie stark betrunken war, verweigerte der Türsteher eines Zürcher Klubs der jungen Frau in jener Nacht im Oktober 2015 den Eintritt. Aus Wut zeigte die damals 18-Jährige den Mann kurzerhand wegen Vergewaltigung an. Über acht Protokollseiten hinweg schilderte die Studentin, wie sie missbraucht worden sei, liess eine gynäkologische Untersuchung über sich ergehen und führte die Polizei zu einer Besichtigung des angeblichen Tatorts, wie die "NZZ" schreibt.

Drei Tage später wurde die Frau erneut befragt. Dabei gestand die mittlerweile wieder nüchterne Frau aber aus eigenen Stücken, dass es sich um einen Racheakt handle und die Vergewaltigung niemals stattgefunden habe.

Fehler erst später realisiert

Am Montag stand die mittlerweile 20-Jährige wegen des Vorwurfs der falschen Anschuldigung vor dem Bezirksgericht Zürich. Sie legte erneut ein vollumfängliches Geständnis ab. Ihr Verhalten sei ihr unendlich peinlich, versicherte sie. Sie habe vor lauter Zorn nicht darüber nachgedacht, was sie anrichten könne und ihren Fehler erst später realisiert.

Immerhin: Das rasche Geständnis und die besonnene Reaktion der Polizei bewirkte, dass der unschuldige Türsteher nicht gleich nach der Anzeige in Untersuchungshaft landete, wie die "NZZ" weiter schreibt.

Familie weiss von nichts

Beim Opfer entschuldigt hat sich die junge Frau bis heute nicht. Aus Angst vor seiner Reaktion und davor, dass ihre Entschuldigung nicht akzeptiert werde, wie sie sagte. Der Türsteher verzichtete allerdings auf eine Privatklage.

Auch ihrem Umfeld hat die Studentin aus Scham nichts vom Strafverfahren gesagt. Dies sei zwar eine zusätzliche Belastung, doch wolle sie nicht, dass sich ihre Mutter Sorgen über ihre Zukunft mache. Nur der Psychologin, bei der sie bis vor einiger Zeit in Behandlung war, habe sie davon erzählt.

Wie sich im Laufe der Gerichtsverhandlung herausstellte, wurde die junge Frau in ihrer Kindheit und Jugend wegen Depressionen und Essstörungen therapiert und leidet gemäss einem gerichtlichen Gutachten an einer geringen emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline. Ausserdem hatte sie währen einiger Zeit ein veritables Alkoholproblem. Dieses habe sie mittlerweile jedoch im Griff, versicherte die Frau.

Studentin erhält Geldstrafe

Der Staatsanwalt zeigte sich ebenso wie der Verteidiger zuversichtlich, dass die Studentin ihre Lehren aus dem Prozess ziehen und sich nie mehr zu einer solchen Tat hinreissen lassen werde, wie es im Bericht heisst. Er forderte dennoch das Höchstmass, bei dem die Strafe noch bedingt ausgesprochen werden kann: 24 Monate Freiheitsstrafe mit einer Probezeit von 2 Jahren. Ausserdem verlangte er für die Dauer der Probezeit eine psychotherapeutische Betreuung und dass der Frau die Verfahrens- und Gerichtskosten auferlegt werden.

Der Verteidiger war anderer Meinung. Er wies darauf hin, dass seine Mandantin ihr Fehlverhalten von sich aus zugegeben habe, bevor der Türsteher verhaftet wurde. Eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 10 Franken sei daher ausreichend. Immerhin handle es sich um eine mittel- und verdienstlose Studentin. Aus diesem Grund sollten der Frau auch die Prozesskosten erspart bleiben.

Dies sah das Gericht anders. Zwar übernahm es bei der Strafe den Vorschlag der Verteidigung und verzichtete auf eine psychotherapeutische Betreuung. Die Gebühr für das Vorverfahren von knapp 20'000 Franken sowie die Gerichtskosten von 2600 Franken muss die Frau allerdings bezahlen. Ausserdem soll sie ihrer Familie endlich erzählen, was passiert ist, gab ihr der vorsitzende Richter als Ratschlag mit auf den Weg.