Berzirksgericht Zürich
Weil der Bus bremste, rastete ein Betrunkener aus

Ein Limmattaler IV-Rentner wurde vom Bezirksgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte einen Buschauffeur attackiert. Weil er in den Augen des Richters nicht für gemeinnützige Arbeit taugt, erhielt er eine Freiheitsstrafe.

Attila Szenogrady
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Betrunkener attackierte Bus-Chauffeur. (Symbolbild)

Betrunkener attackierte Bus-Chauffeur. (Symbolbild)

Keystone

Es war am späten Abend, als ein VBZ-Bus der Linie 31 von Schlieren nach Zürich fuhr. Unter den Fahrgästen befand sich auch ein angetrunkener Limmattaler IV-Rentner. Der kräftige Schweizer hatte mit einer Bierdose in der Hand auf einem Sitz Platz genommen und war schon bald eingeschlafen.

Kurz vor der Haltestelle Hardplatz in Zürich passierte es: Der Buschauffeur musste wegen eines ausscherenden Personenwagens plötzlich brüsk abbremsen. Mit der Folge, dass der Limmattaler unsanft geweckt wurde, aus dem Sitz rutschte und auf den Boden fiel. «Ich wollte vom Chauffeur nur wissen, weshalb er so stark gebremst hatte», blickte der heute 41-jährige Limmattaler am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich zurück. Eine Augenzeugin und der VBZ-Angestellte hatten die Ereignisse von jenem 25. April 2013 erheblich weniger harmlos geschildert.

Polizei war schnell zur Stelle

So rastete der gestürzte Fahrgast völlig aus und begab sich bei der Haltestelle sogleich zum Führerstand. Dort hob er in seinem Wutanfall seine rechte Faust und schrie: «Soll ich Dir eine reinhauen.» Dann trieb er den Chauffeur mit den Worten «ich bringe dich um» in die Ecke. Worauf der Angreifer wie wild mit der geballten Faust auf das «IBIS-Plus»-Display des Führerstands einschlug und mit seinem Fuss mehrfach gegen die Türe der Führerkabine trat. Zudem beschimpfe er mit einer Passagierin die spätere Zeugin als «dumme Kuh».

Der Auftritt des Beschuldigten war so bedrohlich, dass alle Fahrgäste aus dem Bus flohen und der Buschauffeur um sein Leben fürchtete. Der bedrängte VBZ-Lenker drückte auf den Alarmknopf und hatte Glück. So tauchte schon nach kurzer Zeit die Polizei auf und nahm den ausgeflippten Fahrgast sogleich fest. Allerdings konnte das schockierte Opfer die Fahrt nicht mehr planmässig fortsetzen.

Gefängnis statt Fronarbeit

Die zuständige Staatsanwaltschaft leitete eine Strafuntersuchung ein und erhob im letzten Mai Anklage wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte. Der Strafantrag lautete auf 240 Stunden gemeinnützige Arbeit. Vor Gericht hinterliess der arbeitslose Beschuldigte nicht den besten Eindruck. So hat er nicht nur ein massives Alkoholproblem, sondern bereits 13 Vorstrafen auf dem Kerbholz. Über den Chauffeur sagte er, dass dieser bloss hysterisch geworden sei. Allerdings sei er ein Stück weit schon explodiert, räumte er ein und bezeichnete sich als nur als «halbschuldig».

«Sie sind kein Kandidat für gemeinnützige Arbeit», erklärte der Richter dem Beschuldigten ungeschminkt und verurteilte ihn stattdessen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Zudem soll er dem Buschauffeur eine Genugtuung von 300 Franken bezahlen. Der Täter habe definitiv überreagiert, führte der Richter aus.

Zudem sei es unzumutbar, wenn Leute in öffentlichen Verkehrsmitteln so ausrasteten. Das Gericht fügte hinzu, dass der Chauffeur nach dem Vorfall die Stelle gewechselt habe. «Sie haben den Mann ruiniert», machte der Richter dem Beschuldigten klar. Für gemeinnützige Arbeit sei der IV-Rentner viel zu unzuverlässig, begründete der Richter die Freiheitsstrafe. Der VBZ-Schreck legte noch vor den Schranken Berufung ein.

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