Zürich

Weihnachtsalbum: Von wegen stille Nacht, bei den Zeltners kracht’s

Die Familie Zeltner ist gerne etwas laut.

Die Familie Zeltner ist gerne etwas laut.

Mit der «Zeltner Wiehnacht» schuf Dän Zeltner ein Album mit Weihnachtsliedern und mit Anspielung auf die «D’Zäller Wiehnacht».

Es ereignete sich an Heiligabend vor zwei Jahren, als im Wohnzimmer von Familie Zeltner eine wahre Geschenkeschlacht im Gange war. Vater Dän Zeltner beobachtete seine vier Kinder an jenem Tag, der für ihn schon immer als Freudenfest gilt. Da der 38-Jährige der Musik sehr zugetan ist, blitzte in ihm eine Idee auf. «Ich entwickelte damals fünf Songideen, um das Erlebte musikalisch festzuhalten.» Es war der Beginn der «Zeltner Wiehnacht».

Der Name erinnert an die legendäre «Zäller Wiehnacht» von Paul Burkhard, einem Krippenspiel, das 1960 zum ersten Mal aufgeführt wurde und sich immer noch grosser Popularität erfreut. «Das Wortspiel für unser Projekt war naheliegend und ich persönlich mag die «Zäller Wiehnacht» sehr. Doch seien wir ehrlich, Kinder und Jugendliche können mit den Liedern von damals wenig anfangen.» Laut Zeltner war es Zeit für eine Neuvertonung der biblischen Weihnachtsgeschichte, Zeit für moderne Musik.

Der gebürtige Berner steckte viel Arbeit und Herzblut in das Projekt. «Es war mir wichtig, dass es kein reines Kinderalbum wird, sondern ein Weihnachtsalbum für die ganze Familie.» Die Musik sollte weiter die Musikalität und die Energie seiner Familie wiedergeben – mittlerweile haben er und seine Frau Oana fünf Kinder zwischen zehn Jahren und acht Monaten. Die Besinnlichkeit suche man in seinem Zuhause deshalb vergebens, wie er sagt. Er geht sogar noch weiter und beschreibt seine Familie als eine der lautesten im Zürcher Kreis 7.

Es galt also, das viele Zeltner-Temperament, das gerade in der Weihnachtszeit zu überkochen scheint, in Noten einzufangen. Doch in erster Linie soll das Weihnachtsfest gefeiert und gewürdigt werden, denn der Glaube spielt eine grosse Rolle im Leben von Zeltner, der Gemeindeleiter und Pastor der Zürcher Equippers-Freikirche ist. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er die Zürcher Gemeinde vor sieben Jahren.

Protest gegen die Kommerzialisierung

Um den Traum des Albums zu verwirklichen, startete Zeltner vor rund einem Jahr eine erfolgreiche Crowd-Funding-Aktion. Rund 35000 Franken wurden erzielt und das Prozedere konnte starten. Zeltner, der über 20 Jahre Studioerfahrung besitzt, wusste, was es benötigt, um ein Album zu ermöglichen. «Rund eineinhalb Jahre war ich mit der Produktion beschäftigt», sagt er. Um es rechtzeitig zu veröffentlichen, wurden die Studioaufnahmen im Sommer gemacht. «Es benötigte bei 33 Grad draussen schon einige Zeit, bis man in der richtigen Stimmung war», sagt Zeltner lachend.

Vor einer Woche kam das Album «Zeltner Wiehnacht» auf den Markt und trägt den Titel «Viel Fun & heilige Bimbam». Von den eingangs erwähnten Songideen schaffte es schliesslich eine in die Endauswahl – gemeinsam mit 17 weiteren Songs. 14 der Lieder stammen aus Zeltners Feder. Vier weitere sind Mundart-Adaptionen von Weihnachtsklassikern wie «Little Drummer Boy», der bei Zeltner «Der chlini Trummeler» heisst. Alle Songs werden von Zeltner als Leadsänger sowie seiner Familie im Mundart-Dialekt gesungen.

Doch der Schein des flotten, aber harmlosen Familienalbums trügt. «Man kann das Album auch als Protest gegen die Kommerzialisierung von Weihnachten verstehen», sagt Zeltner. Gerade für die Amerikanisierung der Festtage findet er klare Worte. «Die Weihnachts­geschichte mit dem dicken alten Santa und seinen Rentieren macht doch überhaupt keinen Sinn.» Sachte fügt er an, dass auch die biblische Weihnachtsgeschichte bei Licht besehen ebenso wenig Sinn mache: «Aber sie gibt Sinn, Hoffnung und Perspektive, das ist der Unterschied».

Auch wenn Zeltner sich nun lange mit Weihnachten beschäftigt, hat er immer noch nicht genug von ihr – im Gegenteil: «Ich bin jetzt richtig wild darauf, die Musik dem Publikum zu präsentieren.» Davon zeugen bereits zwei Musikvideos, die er gemeinsam mit seiner Familie drehte. «Der chlini Trummeler» und «Loset guet was d’Ängle singe» sind auf YouTube zu sehen.

Sehen kann man Zeltner ab heute Samstag auch live auf der Bühne. Die Tournee zum Album startet in der Friedenskirche Zürich, danach sind bis zum 25. Dezember zwölf weitere Konzerte geplant.

Die ganze Zeltner-Familie wird nur an wenigen Daten mit auf der Bühne stehen. «Als Familie auf Tournee zu gehen, wäre organisatorisch und von der Zeit her nicht möglich gewesen», sagt er. Er bestreitet die Konzerte mit einer Band und ausgewählten Jugendchören.

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