Banken
Wegen Zinsengeschäft macht Zürcher Kantonalbank tieferen Gewinn

Die ZKB ist eine vorsichtige Bank. Das kam ihr im vergangen Jahr teuer zu stehen. Unter anderem weil die Bank das Zinsrisiko abgesichert und vorzeitig die Liquiditätsvorschriften erfüllt hat, ist der Gewinn der Staatsbank 2014 deutlich gesunken.

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ZKB.

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Keystone

Mit 647 Mio. Fr. fiel er um fast einen Fünftel tiefer aus als 2013, wie die ZKB am Freitag bekannt gab. Verantwortlich dafür waren sämtliche Geschäftsfelder und das Ausbleiben von Sondereinnahmen. 2013 profitierte die ZKB noch vom Verkauf der Beteiligung an Ascom, was der Staatsbank 60 Mio. Fr. in die Kasse spülte.

Beim Handelsgeschäft (-53 Mio. Fr. gegenüber dem Vorjahr) beim Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (-20 Mio. Fr.) und dem Zinsengeschäft (-47 Mio. Fr.) dagegen sanken 2014 die tatsächlich erwirtschafteten Erträge.

Beim Handels-, Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ist der Rückgang laut ZKB-Chef Martin Scholl vor allem auf die Handelsmüdigkeit der ZKB-Kundschaft und den geringen Kursbewegungen an den Börsen zurückzuführen.

Abgestrafte Musterschülerin

Beim Zinsengeschäft - dem wichtigsten Standbein der ZKB - liegt der Grund für den Einbruch laut Scholl jedoch auch bei der Geschäftspolitik der Staatsbank. "Die ZKB ist eine Musterschülerin. Dies zu sein lohnt sich aber nicht immer", sagte er.

So sei die ZKB im vergangenen Jahr vorsichtshalber davon ausgegangen, dass die Zinsen steigen. Das entsprechende Zinsrisiko habe die Bank für viel Geld abgesichert. Bekanntlich vergeblich: "Die Versicherung hat sich in Luft aufgelöst", sagte Scholl.

Zudem sei die ZKB auch dafür bestraft worden, dass sie die Liquiditätsvorschriften, die für systemrelevante Banken gelten, vorzeitig erfüllt habe. Den anderen Banken seien nämlich Übergangsfristen bis 2019 gewährt worden, was deren Kosten für die liquiden Mittel senke.

Das sei vor allem auch für das laufende Jahr und die Zukunft relevant. Seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) auf Guthaben der Banken Negativzinsen eingeführt habe, seien die Kosten zur Haltung von flüssigen Mittel nochmals gestiegen. Die ZKB muss zurzeit auf Einlagen von 10 Mrd. Franken 0,75 Prozent Strafzinsen zahlen. Das sind zusätzliche Kosten von 75 Mio. Fr. im Jahr.

Die ZKB habe darum mit der SNB das Gespräch gesucht, sagte Scholl. Diese hätten jedoch nichts gebracht. Die negativen Zinsen werden die ZKB also auch in diesem Jahr noch beschäftigen. Diese wirken sich bereits auch auf die Kundschaft der ZKB aus.

Nullzinsen auf Lohnkonten

Nachdem das Staatsinstitut bereits im Januar Negativzinsen für Grosskunden eingeführt hat, senkt sie auf den 15. Februar auch die Zinsen der Konten der Privatkunden. Die ZKB zahlt für Guthaben auf einem Lohnkonto in Zukunft keinen Zins mehr. Gleichzeitig sollen gemäss Scholl die Hypothekarzinsen steigen, weil deren Absicherung teurer werde.

Die neue Geldpolitik der Nationalbank kommt demnach langsam aber sicher auch bei der Schweizer Bevölkerung an. Für die ZKB selbst sei 2015 ein Übergangsjahr, sagte Scholl. Die Bank wird in diesem Jahr den Anlagenfonds- und Versorgungsdienstleisters Swisscanto integrieren, was die ZKB weniger abhängig vom Zinsengeschäft macht.

Die Gesamterträge der Bank werden jedoch voraussichtlich auch im laufenden Jahr nochmals sinken. Die Aufhebung des Mindestkurses und die weitere Senkung der Zinsen werde deutliche Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf der ZKB haben, sagte Scholl jedenfalls. "Sämtliche Geschäftssparten der Bank sind betroffen."