Bis ins Jahr 2050 soll der CO2-Ausstoss aus fossilen Brenn- und Treibstoffen pro Einwohner und Jahr höchstens noch 2,2 Tonnen betragen. Das sieht zumindest das Energiegesetz des Kantons Zürich vor. Diese «Vision Energie 2050», die vor rund 20 Jahren erstmals formuliert worden war und seit 2010 gesetzlich verankert ist, erscheint angesichts der vorhandenen Daten ehrgeizig: Die CO2-Emissionen pro Zürcherin, pro Zürcher betrugen 1990 rund 6,1 Tonnen, 2012 waren es 5,3 Tonnen.

Mehr als die Hälfte dieses Ausstosses ist mobilitätsbedingt. In ländlichen Gebieten, wo die Wege in die Arbeitszentren und Freizeitanlagen länger und die Anbindungen an den öffentlichen Verkehr schlechter sind, liegen diese Werte natürlich proportional höher. Die beiden FDP-Kantonsräte Olivier Moïse Hofmann (Hausen am Albis) und Christian Müller (Steinmaur) haben sich deshalb in einer Anfrage erkundigt, wie der Zürcher Regierungsrat plant, die «Qualität als Wohnort und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit dieser Räume zu erhalten».

Das Warten auf neue Motoren

Der Regierungsrat hofft, um die C02-Emissionen im Strassenverkehr reduzieren zu können, einerseits auf Hilfe von aussen – auf die stete Verbesserung der Motorentechnik. So verbrauchte 2012 ein durchschnittlicher Schweizer Personenwagen rund einen Viertel weniger Endenergie pro Fahrzeug-Kilometer als noch 1990 (dieser Vorteil wurde zum Teil durch die in dieser Zeitspanne länger gewordenen Fahrten kompensiert). Andererseits setzt der Regierungsrat auf eine aktive Steuerung in der Raumplanung: Denn das erwartete Bevölkerungswachstum soll inskünftig nicht mehr über die gesamte Fläche des Kantons Zürich erfolgen. Insbesondere die Zersiedelung der Landschaft soll gestoppt werden.

80 Prozent des Wachstums, so ist es in den Richtplänen definiert, soll in den «Stadtlandschaften» und den «urbanen Wohnlandschaften» stattfinden. Also insbesondere in den beiden Grossstädten Winterthur und Zürich sowie in den bereits dicht bebauten und gut erschlossenen Tälern der Limmat und der Glatt.

«Damit findet der Schwerpunkt des Wachstums in Räumen statt, in denen ein Mobilitätsverhalten mit wenigen CO2-Emissionen anhand von Daten aus Volkszählungen nachgewiesen wurde», hält die Regierung in ihrer Antwort fest. Dies diene dem Ziel, gesamtkantonal den Kohlendioxid-Ausstoss pro Kopf senken zu können.

Dieses Ziel will die Regierung auch unterstützen, indem sie das Land nicht attraktiver macht. Dies soll im Gesamtverkehrskonzept 2016, das derzeit vorbereitet wird, einfliessen. Als Grundsatz gilt: «Auf eine weitergehende Steigerung der Erschliessungsgüte wird verzichtet.»

Das E-Bike für die Hügel

Da die ländlichen Regionen heute «schon meist sehr gut erschlossen» seien, sollen keine «grossräumigen Erreichbarkeitsverbesserungen» mehr erzielt werden. Vorbehalten blieben aber Verbesserungen, um lokale Kapazitätsengpässe zu beseitigen. Wobei auch Einrichtungen für die sogenannte multimodale Mobilität vorzusehen seien: Bike-and-Ride-Anlagen würden etwa eine wichtige Rolle spielen, da das Potenzial des Velos als S-Bahn-Zubringer derzeit noch nicht ausgeschöpft sei. Auch hier setzt der Regierungrat auf die technische Entwicklung: «Das Elektrovelo (E-Bike) ist gerade im ländlichen Raum eine zunehmende stärker genutzte Alternative zum Auto, da auch topografisch schwieriges Gelände und längere Wege bewältigt werden können.»

Der Regierungsrat verweist auch auf die Arbeiten der Fachstelle Verkehrstechnik, die dem kantonalen Tiefbauamt angegliedert ist. Diese befasst sich seit Jahren mit ITS-Technologien («intelligent transport systems»). Diese klugen Verfahren zielen darauf ab, die «Verkehrsabläufe sicher, wirkungsvoll und wirtschaftlich zu organisieren und zu steuern». Dies wird unter anderem durch Leitsysteme und intelligente Lichtsignalanlagen erreicht, die den Verkehr verflüssigen können. Auch Geschwindigkeitsanpassungen, die das Verkehrsverhalten verändern, helfen, den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen des Motorfahrzeugverkehrs zu verringern, zeigt sich der Regierungsrat überzeugt.

Ambitiöses Ziel ist «erfüllbar»

Die kantonale «Vision Energie 2050», die anhand der aktuellen Zahlen als ehrgeizig erscheint, wird als umsetzbar eingestuft: Der Auftrag, den CO2-Ausstoss auf 2,2 Tonnen pro Kopf und Jahr zu senken, sei «erfüllbar», heisst es in einer 2014 durchgeführten Überprüfung der kantonalen Baudirektion. «Das kantonale Ziel erscheint mit den eingeschlagenen Wegen und absehbaren Entwicklungen als erreichbar – ohne Eingriffe in die Lebens- oder Geschäftsführung der Bevölkerung und der Wirtschaft.»

Der Verkehrsbereich dürfte im Jahr 2050 der grösste Emittent bleiben. Die Modellrechnungen gehen davon aus, dass von den – angestrebten – 2,2 Tonnen CO2 rund 1,3 Tonne durch die Mobilität verursacht werden. Die Gebäude (Raumwärme, Warmwasser) werden pro Kopf und Jahr 0,5, die Industrie und das Gewerbe 0,3 beisteuern. 0,1 Tonnen kommen durch «elektrische Anwendungen» hinzu. Die Zahl der Geräte dürfte laut des Überprüfungsberichts vor allem in den Privathaushalten weiter zunehmen: «Wir sind vernetzter, haben höhere Ansprüche an die Informations- und Kommunikationstechnologie und steigende Komfortansprüche». Dennoch dürfte der Strombedarf pro Einwohner dieser «elektrischen Anwendungen» bis 2050 abnehmen, da bei zahlreichen Geräten die «Effizienzpotenziale beträchtlich sind».