Corona-Massnahmen
Wegen veränderten Viren: Jetzt kommt die Maskenpflicht für Viertklässler und Gymi-Halbierung

Die Zürcher Bildungsdirektion passt ihre Schutzmassnahmen in den Schulen wegen der mutierten Coronaviren an: Neu müssen auch Primarschüler Masken tragen. Und in die Mittelschulen darf nur noch die Hälfte der Schülerinnen und Schüler. Und noch etwas: Für Volksschüler gibts gratis Masken.

Matthias Scharrer
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So sieht es bald auch im Kanton Zürich aus: Blick in eine sechste Klasse in Allschwil BL, wo bereits Maskenpflicht besteht.

So sieht es bald auch im Kanton Zürich aus: Blick in eine sechste Klasse in Allschwil BL, wo bereits Maskenpflicht besteht.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Vom kommenden Montag an müssen Zürcher Primarschülerinnen und -schüler ab der vierten Klasse im Unterricht, auf dem Schulareal und in den Schulgebäuden Masken tragen. Eine Woche nach Baselland führt damit auch der Kanton Zürich eine Maskenpflicht in der Primarschule ein, wie die Bildungsdirektion gestern mitteilte. Sie gelte auch für Drittklässler, die in Mehrjahrgangsklassen zusammen mit Viertklässlern unterrichtet werden. Zudem wird der Schwimmunterricht für Viertklässler gestoppt.

Eine zweite Verschärfung der Corona-Schutzmassnahmen betrifft die Mittelschulen: Sie müssen die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die jeweils gleichzeitig anwesend sind, spätestens per 1. Februar halbieren. Dies soll die Schülerströme verringern und vor allem über die Mittagszeit grössere Ansammlungen verhindern, wie es weiter in der Mitteilung heisst.

Die neuen Massnahmen gelten bis Ende Februar. Die Bildungsdirektion begründet sie mit den seit Dezember vermehrt auftretenden neuen Varianten des Coronavirus. Die deutlich leichtere Übertragbarkeit dieser Varianten lasse einen starken Anstieg der Ansteckungszahlen befürchten. Zudem mussten wegen verschärfter Quarantäne-Vorschriften in den letzten Tagen und Wochen bereits zahlreiche Schulklassen in Quarantäne. Laut «NZZ.ch» überarbeitet die Gesundheitsdirektion nun die Quarantäneregeln.

«Wir wollen nur so viel wie nötig anordnen»

In den Sekundarschulen verzichtet die Bildungsdirektion auf zusätzliche Massnahmen. Eine Reduktion des Präsenzunterrichts dränge sich dort nicht auf, weil die Sekundarschüler in der Regel kürzere Schulwege hätten und über Mittag eher zu Hause ässen, erklärte Bildungsdirektorin Silvia Steiner. «Wir wollen nur soviel wie nötig anordnen», sagte die CVP-Regierungsrätin. Auch eine Verschärfung der Massnahmen auf der Unterstufe und in den Kitas ist derzeit gemäss Steiner nicht nötig.

Wie die Gymnasien die Halbierung des Präsenzunterrichts organisieren, bleibt ihnen überlassen. Nebst dem Halbklassenunterricht, den sie schon letztes Jahr vor den Sommerferien praktizierten, sind laut Steiner auch andere Lösungen möglich; beispielsweise, dass die eine Hälfte der Kinder und Jugendlichen nur morgens zur Schule müsse, die andere Hälfte nur nachmittags. Oder, dass einmal nur die Oberstufe erscheine, ein andermal nur die Unterstufe der jeweiligen Mittelschule.

Durch diese Flexibilität seien auch Prüfungen weiterhin durchführbar. Und die bis kurz vor den Sportferien dauernde Probezeit am Gymnasium werde nicht zu sehr beeinträchtigt. Die Berufsfachschulen können bereits seit November auf Gesuch den Präsenzunterricht reduzieren.

Diskussionen auf den Pausenplätzen

Die Lehrerverbände begrüssen die neuen Massnahmen, wenn auch mit kritischen Zwischentönen. «Unser Hauptanliegen ist, dass die Schulen offen bleiben können», sagte Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV). Die Maskenpflicht sei vor diesem Hintergrund richtig. Er gehe davon aus, dass sie grundsätzlich auch in den Primarschulen umsetzbar sei. «Auf den Pausenplätzen könnte es aber einige Diskussionen brauchen.»

Um die Schulen offen halten zu können, wären laut Hugi weitere Massnahmen wichtig – etwa dass alle Klassenzimmer mit CO2-Messgeräten ausgestattet werden. Bei zu hohem CO2-Gehalt der Luft müssten Luftfilter respektive Lüftungen installiert werden, da ansonsten eine erhöhte Gefahr von Corona-Ansteckungen über Aerosole bestehe. Dies werde heute je nach Schule unterschiedlich geregelt.

Wünschenswert wäre laut Hugi zudem, dass sich Lehrpersonen gleich nach den Betagten und Kranken, deren Angehörigen und dem Pflegepersonal in der vierten Impfwelle gegen Corona impfen lassen können. Auch dies mit dem Ziel, dass die Schulen offen bleiben können. Denn ausfallende Lehrpersonen zu ersetzen, sei derzeit sehr schwierig.

Schnellstmögliche Impfungen fordert auch Silvio Stucki, Präsident des Mittelschullehrpersonenverbands Zürich. Und er hält fest: «Steigen die Fallzahlen wieder deutlich an, wird die volle Umstellung auf Fernunterricht definitiv ein Thema.»

Der Aargau hat sich bereits dazu entschieden. Die vorübergehende Halbierung der Schülerzahlen an den Gymnasien begrüsst Stucki: Es sei wichtig, dass die Jugendlichen weiterhin Kontakte an der Schule pflegen und die Schulen ihrem pädagogischen Auftrag nachkommen könnten. Gleichzeitig entlaste die Halbierung den öffentlichen Verkehr und trage dazu bei, Ansteckungsketten zu unterbinden. Positiv sei auch, dass Lehrpersonen neu FFP2-Masken beziehen könnten.

Gratis Masken für die Volksschüler

Auch das Volksschulamt empfiehlt den Schulen, besonders gefährdeten Lehrpersonen diese sichereren Masken zur Verfügung zu stellen. Zudem können Kinder in den Volksschulen gratis Masken beziehen, wie Volksschulamtschefin Myriam Ziegler gestern auf Anfrage sagte. Die Folge: «Den Eltern entstehen durch die Maskenpflicht keine Kosten.» Für die Mittelschulen gilt dies jedoch nicht.

«Es ist ratsam, immer Ersatzmasken dabei zu haben»

Mit der Maskenpflicht für Primarschulkinder ab der vierten Klasse werden Atemschutzmasken nun auch für unter 12-Jährige normal. Das wirft Fragen auf, zumal in den sozialen Medien oft Stimmen auftauchen, die davon abraten, dass Kinder Schutzmasken tragen. Antworten dazu gibt Christoph Berger, Professor am Kinderspital Zürich, in einem gestern vom Zürcher Volksschulamt veröffentlichten Schreiben:

Sind Atemschutzmasken für Kinder gesundheitsschädigend?

Christoph Berger: Nein, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes kann für Kinder oder Jugendliche unangenehm oder lästig sein, eine Gesundheitsgefährdung sehe ich allerdings nicht.

Wie lange kann eine Atemschutzmaske getragen und wann muss sie gewechselt werden?

In der Regel kann eine Maske einen Schultag lang verwendet werden. Wenn die Maske allerdings sehr feucht ist, sollte sie ersetzt werden. Die Tragedauer ist also auch abhängig von den Aktivitäten. Es ist ratsam, immer ein paar Ersatzmasken dabei zu haben, um wenn nötig, grosszügig die Maske wechseln zu können.

Kann es eigentlich zu einem CO2-Stau unter der Maske kommen?

Nein, denn die Vliese- und Maskenmaterialien, die für die vorgeschlagenen Masken verwendet werden, sind so durchlässig, dass CO2 immer austreten kann. CO2 gelangt über die Lungen durch die Membran der Lungenbläschen in die Ausatmungsluft und kann somit problemlos durch die im Vergleich groben Maschen der Maske nach aussen abfliessen.

Worauf muss geachtet werden, wenn Kinder Masken tragen?

Es gelten die gleichen Regeln wie für Erwachsene. Zum Beispiel sollte man sich vor dem Anlegen und nach dem Ablegen gründlich die Hände waschen. Der Mund-Nasen-Schutz sollte an den Rändern möglichst eng anliegen und bis zum Kinn reichen. Wichtig ist ausserdem, dass die Maske regelmässig gewechselt wird.