Ein Schulinternat, in dem stressanfällige und psychisch belastete Kinder und Jugendliche leben, hat die geplante Schiessanlage vor das Baurekursgericht des Kantons Zürich gezogen. Das Internat befindet sich in der Nähe der zukünftigen Jagdschiessanlage und befürchtet unter anderem übermässigen Lärm.

Das Baurekursgerichts des Kantons Zürich hat den Rekurs der Stiftung, die das Internat betreibt, teilweise gutgeheissen, wie aus dem am Montag veröffentlichten Urteil hervorgeht. Der kantonale Gestaltungsplan "Jagdschiessanlage Widstud, Bülach" geht an die Baudirektion des Kantons Zürich zurück und muss überarbeitet werden.

Weniger Parkplätze und kein Restaurant

Das Gericht stuft beispielsweise die Anzahl der Parkplätze - geplant sind 120 - als deutlich zu hoch ein. Die Anzahl müsse signifikant reduziert werden. Ausserdem sei auf ein öffentliches Restaurant zu verzichten. Die Verpflegung der Schützen und Besucher könne mittels Automaten, Take-Away, Sandwich-Bar, Catering und ähnlichen Einrichtungen "ohne weiteres sichergestellt werden".

Der Bedarf nach einem Schulungsraum ist gemäss Baurekursgericht ausgewiesen, allerdings muss die Fläche neu definiert werden. Im Gestaltungsplan ist eine Fläche von rund 170 Quadratmeter vorgesehen, was mehr als zwei grossen Schulzimmern entspricht. Ob die Fläche angemessen oder zu gross ist, muss die Baudirektion nochmals prüfen.

Auch die Fläche der Büchsenmacherei ist auf 400 Quadratmeter zu verkleinern. Das Baurekursgericht hat die Fläche - im Gestaltungsplan waren dafür maximal 600 Quadratmeter vorgesehen - mit anderen Büchsenmachereien und Detailhandelsgeschäften verglichen. Dieser Vergleich zeige, dass die Fläche deutlich zu gross bemessen sei.

Zudem müssen die Betriebszeiten und die Sondernutzung an Sonn- und allgemeinen Feiertagen präzisiert werden. Die Mittagsruhe von 12 bis 13 Uhr beispielsweise muss strikt eingehalten werden.

Das Gericht wies zahlreiche weitere Punkte jedoch auch ab. So wollte die Stiftung beispielsweise verbieten, dass Sportschützen die Anlage nutzen können oder dass die Betriebsbewilligung erst erteilt werden darf, wenn die gute Erreichbarkeit mit dem ÖV sichergestellt ist.

Ersatz für drei bisherigen Anlagen

Auf dem Areal der Kiesgrube Widstud im nördlichen Gemeindegebiet von Bülach soll eine kantonale Jagdschiessanlage gebaut werden. Darin sind verschiedene Schiessanlagen für die Aus- und Weiterbildung im jagdlichen Schiessen für die Zürcher Jäger - begrenzt auch für Sportschützen - vorgesehen.

Der Kantonsrat hatte das strittige Projekt im Juni 2013 im Richtplan verankert. Wird die Anlage gebaut, ersetzt sie die drei bisherigen kantonalen Jagdschiessanlagen in Embrach, Meilen und Pfäffikon.

Baudirektion prüft Urteil

Die Zürcher Baudirektion nimmt das Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, zur Kenntnis. "Wir werden das Urteil prüfen und analysieren, welche Auswirkungen es auf das Projekt hat", sagte Sprecher Wolfgang Bollack auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Es sei noch offen, ob man vor Verwaltungsgericht dagegen rekurriere.