Das Merkblatt vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) und Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) legt die "Anforderungen an die temporäre Haltung und Notpflege von Igeln" fest, wie der "TagesAnzeiger" schreibt. Es soll vor allem eine einheitliche Bestimmung für die Notpflege des Europäischen Braunbrustigels in der Schweiz fördern, denn heute gelten je nach Kanton unterschiedliche Regelungen. Dieses Merkblatt wurde nun überarbeitet und durch verschärfte Vorschriften des Bundes ergänzt.

Genau diese verschärften Vorschriften bereiten zwei der letzten Igelstationen in Winterthur und Russikon Bauchschmerzen. So erlauben die überarbeiteten Richtlinien Privatpersonen zwar weiterhin, Igelstationen zu betreiben, dies allerdings nur noch mit Bewilligung, ansonsten drohen bis zu 20 000 Franken Busse. 

Wie der "TagesAnzeiger" berichtet, wird nun verlangt, dass Igelstationen nur noch "von fachkundigen" Personen mit Kenntnisse und praktischer Erfahrung geführt werden dürfen. Zusätzlich muss für jeden Igel ein "individueller Pflegebericht" erstellt werden, in welchem unter anderem Finder, Fundort und verabreichte Medikamente protokolliert werden.

Sedation nur durch einen Tierarzt

Der strittigste Punkt im Merkblatt lautet aber folgendermassen: "Sedationen und Euthanasie sind nur von einer Tierärztin oder einem Tierarzt duchrzuführen". Igelpflegerin Erika Heller aus Winterthur findet das problematisch, denn sie könne doch nicht schwerstverletzte Tiere während Stunden leiden lassen. Ausserdem würden viele Tierärzte sie auf die Igelstation weiterleiten, denn Tierärzte dürfen gar keine Wildtiere behandeln. 

Annekäthi Frei vom Igelzentrum Zürich findet das eine berechtigte Massnahme, allerdings hätte sie sich auch eine bessere Lösung gewünscht, sodass Gesetz und Praxis miteinander im Einklang stehen würden. Eine ähnliche Meinung vertritt Bernhard Bader vom Artenschutzverein Pro Igel im Gespräch mit dem "TagesAnzeiger". So sagt er, dass es auf den Igelstationen wertvolles Fachwissen gäbe und er hoffe, dass diese noch weiterhin bestehen bleiben können. 

Das Merkblatt des Bundes ist als Empfehlung für die kantonale Behörden nicht bindend. Dennoch will der Kanton Zürich vorwärts machen. So sollen die bestehenden Igelstationen auch nur offen bleiben, wenn ihre Betreiber einen neunen obligatorischen Kurs absolviert haben. (lgi)