Wahlen 2018
Wegen Krach im Gemeinderat: In Bonstetten will sich keiner wählen lassen

Ein Streit im Gemeinderat hat zur Folge, dass sich bisher kaum Kandidaten für die Gesamterneuerungswahlen vom April finden lassen. Vor Ablauf der Eingabefrist stellte sich nur ein 21-Jähriger zur Wahl.

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Wer will in den Gemeinderat? Die Bonstetter sträuben sich bisher. (Symbolbild)

Wer will in den Gemeinderat? Die Bonstetter sträuben sich bisher. (Symbolbild)

Keystone

Am 7. März 2017 trat der neue Gemeindepräsident von Bonstetten sein Amt an. Knapp 100 Tage später ging beim Bezirksrat bereits eine Beschwerde gegen Frank Rutishauser (FDP) ein. Die Beschwerde stammte von mindestens zwei Gemeinderatskollegen, darunter Claude Wuillemin (SVP), der Rutishauser in der Präsidiumswahl unterlegen war, wie der "Tages-Anzeiger" am Dienstag berichtet.

Dem Gemeindepräsidenten wird vorgeworfen, charakterlich nicht für das Amt geeignet zu sein, vernünftige Diskussionen zu verunmöglichen und Gesprächspartner einzuschüchtern. Rutishauser stellte ein Ausstandbegehren, da die Aufsichtsbehörde voreingenommen sei. Als Folge muss sich nun der Regierungsrat mit dem zerstrittenen Gemeinderat befassen.

Kaum Kandidaten

Der Krach blockiert die Gemeindepolitik. Vergangene Woche lief die Eingabefrist für die Gesamterneuerungswahlen vom 15. April ab. Von den bisherigen Gemeinderätinnen und -räte meldete sich keiner zur Wiederwahl. Nur ein Kandidat tauchte in der amtlichen Publikation auf: Simon Vergés (SP). Der 21-Jährige ist ein politisch weitgehend unbeschriebens Blatt, der bei den Ersatzwahlen im September Markus Reich (FDP) unterlag. Still gewählt wird er nun aber vorerst nicht, denn man verlängerte die Frist bis Dienstagabend.

Auf Anfrage des "Tages-Anzeigers" teilte die Gemeindeverwaltung gestern mit, dass Markus Reich sich dazu entschieden habe, nun doch noch einmal anzutreten. Im Dorf gehen zudem Gerüchte um, dass mehrere Bisherige strategisch spielen und das Verhalten der Amtskolleginnen und -kollegen abwarten wollen.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird Simon Vergés aber auch einen Mitbewerber aus der eigenen Partei erhalten. Erwin Leuenberger rief am letzten Freitag in einem Leserbrief im Affoltemer "Anzeiger" fähige Personen auf, sich zu melden. Notfalls werde er es selbst tun. Dies scheint nun Tatsache zu werden. "Es zeichnet sich ab, dass ich selber antrete", sagte er gegenüber dem "Tages-Anzeiger". Politische Erfahrung hätte er. Leuenberger sass mehr als drei Amtsperioden für die SP im Parlament von Dietikon. Vor zwanzig Jahren trat er zurück und zog später nach Bonstetten.

Dieser Text erschien am 23. Januar 2018.