Personal
Wegen Entlassungen: Paracelsus-Spital im Visier des VPOD

Die Entfernung von anthroposophischen Ideen könnte zu einer höheren Personalfluktuation führen.

Pascal Münger
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Im Paracelsus-Spital wurde in den letzten Monaten vielen Angestellten gekündigt. (Symbolbild)

Im Paracelsus-Spital wurde in den letzten Monaten vielen Angestellten gekündigt. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Das Paracelsus-Spital in Richterswil macht seit einem Jahr Schlagzeilen wegen Entlassungen: Im letzten Mai erhielten zwei Mitarbeiter der Apotheke die Kündigung, im Juni fünf Küchenmitarbeiter, im August ein Mitarbeiter der Hotellerie und ein Mitarbeiter der Medizin. Im September wurde zwölf Mitarbeitern der Chirurgie gekündigt.

Und nun wurde am Mittwoch bekannt, dass auch der Sekundärbereich, also die Administration, bluten soll – rund 20 Stellen werden wegfallen.

Sprach das Spital im letzten Sommer noch von 320 beschäftigten Personen, sind es nach der jetzigen Entlassungswelle noch 280 Mitarbeitende, die im Paracelsus-Spital arbeiten werden. Das Spital erklärt die Entlassungen mit wirtschaftlichen Gründen.

Der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) kritisiert die Entlassungen scharf. VPOD-Regionalsekretär Roland Brunner bemängelt aber auch die Arbeitsbedingungen für die noch angestellten Personen.

Mit den vielen Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen sei der Druck auf das Personal in einem bereits schwierigen Umfeld nochmals gestiegen, schreibt er als Reaktion auf die neuste Kündigungswelle.

Seit Jahren weise das Paracelsus-Spital eine weit über das Normale hinausgehende Personalfluktuation aus. Es seien auch zahlreiche Personen entlassen worden, die zeitnah durch neue Kräfte ersetzt worden seien.

Beispielsweise in den Bereichen Pflege und Küche. «Es drängt sich die Vermutung auf, dass diese Kündigungen nicht aus betriebswirtschaftlichen Gründen erfolgten», schreibt Brunner.

Er untermauert dies mit einem konkreten Beispiel: «Die ehemalige Pflegedienstleitung wurde zur Kündigung gedrängt.» Ihr sei klargemacht worden, dass man sie ersetzen werde, falls sie nicht selber kündige. 2013 ist die NSN Medical AG als Mehrheitsaktionärin beim Paracelsus-Spital eingestiegen.

Diese versucht seither, das Spital neu zu positionieren, wie Geschäftsführer Jürgen Robe sagt: «Wir fördern den Bereich der integrativen Medizin, also die Verbindung von schulmedizinischen Therapien mit Verfahren der Komplementärmedizin.» Im Klartext heisst das, die Mehrheitsaktionärin entfernt sich kontinuierlich von den rein anthroposophischen Ansätzen.

Sechs Millionen in drei Jahren

Ist dies der Grund für die vielen Rochaden innerhalb des Personals? Hat die neue Führungsriege andere Vorstellungen vom Spital in Richterswil als die Mitarbeitenden, die vielleicht eher auf der rein anthroposophischen Linie bleiben würden?

«Es gibt sicherlich bestimmte Mitarbeitende, die unsere neue Ausrichtung anders beurteilen als wir», sagt Jürgen Robe. Es sei auch normal, dass ein Betrieb mit mehreren hundert Mitarbeitenden eine gewisse Fluktuation aufweise.

Dass anscheinend in den letzten Monaten nicht das ganze Personal hinter der angestrebten Ausrichtung steht, fällt in eine wirtschaftlich schwierige Zeit für das Paracelsus-Spital.

Denn mit dem angekündigten Stellenabbau von 20 Personen bleibt die Lage dennoch angespannt. «Wir werden in den nächsten drei Jahren sechs Millionen Franken zusätzlich erwirtschaften müssen», sagt Robe. Er sei zuversichtlich, dass dies gelinge.

Die Gesundheitsdirektion sieht momentan keinen Anlass, die Vorkommnisse im Paracelsus-Spital genauer zu prüfen. «Wir haben derzeit keine Hinweise darauf, dass die Qualitätsanforderungen, die die Gesundheitsdirektion an den Leistungsauftrag geknüpft hat, seitens des Spitals nicht erfüllt sind», sagt Mediensprecher Daniel Winter.