Stadt Zürich

Wegen Einsturzgefahr: Am Zürcher Seeufer müssen mehrere Bäume gefällt werden

Die Stadt Zürich überprüft nach Sturmschaden Bäume am Zürcher Seeufer.

Passanten am Zürichseeufer nahe beim Bürkliplatz bietet sich derzeit ein seltsames Bild: Angestellte von Grün Stadt Zürich spannen ein Seil zwischen jeweils zwei Bäumen. Das Seil wird gespannt, bis es etwa die Zugkraft hat, die ein Baum auch bei einem Sturm mit einer Windgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern oder mehr aushalten muss. Sensoren unten am Baumstamm messen, ob und wie stark ein Baum dem Seilziehen nachgibt.

Der Grund für die Tests: Vor zwei Wochen warfen in der Seeuferanlage zwischen der Schiffsanlegestelle Bürkliplatz und dem Arboretum stürmische Windböen einen Trompetenbaum um; zudem geriet eine Rosskastanie derart in Schieflage, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, wie Grün Stadt Zürich mitteilte. Die beiden Bäume wiesen abgefaulte Hauptwurzeln auf; zudem waren ihre Stämme unten stark von einem aggressiven holzzersetzenden Pilz befallen, wie Axel Fischer, Leiter Unterhalt von Grün Stadt Zürich, heute vor Ort erklärte.

Seit Mittwoch dieser Woche werden die 46 übrigen Bäume der Anlage auf ihre Standfestigkeit überprüft. Zwischenbilanz bis heute: Mindestens drei weitere Bäume müssen laut Fischer gefällt werden. Die Untersuchungen und ihre Auswertung dauern voraussichtlich noch bis Mitte oder Ende nächster Woche. Nebst den Seiltests kommt dabei auch ein digitaler Bohrer zum Einsatz, der beim Bohren misst, wie widerstandsfähig die Stämme sind.

Noch ist nicht ganz klar, warum einige der rund hundertjährigen Bäume an diesem vielbegangenen Ort nicht mehr sturmfest sind. Ein Faktor könnte gemäss Angaben von Grün Stadt Zürich sein, dass die vorher mit Asphalt versiegelte Anlage seit einer Sanierung im Jahr 2002 mit Kies aufgefüllt wurde. Auch die Klimaerwärmung mag laut Fischer mitspielen, denn Pilze vermehren sich rasch, wenn es warm und feucht ist.

Bäume kurz vor Sturm kontrolliert

Das Auffüllen des entsiegelten Bodens mit Kies würde gemäss Fischer heute nicht anders gemacht: «Die Massnahmen, die man damals ergriffen hat, waren vollkommen richtig, um die Bäume erhalten zu können.» Von dem Schadensfall könne nicht pauschal auf Risiken bei anderen Baumbeständen auf Kiesböden geschlossen werden. Dafür sei die Natur zu komplex. Dass die Bäume in der Seeuferanlage kippten, kam laut Fischer völlig überraschend. Erst zwei Wochen vorher seien sie routinemässig kontrolliert worden. «Schäden an den Bäumen waren dabei nicht erkennbar», so Fischer.

Die Stadt Zürich ist verpflichtet, ihre rund 72 000 Park- und Strassenbäume alle zwei Jahre zu überprüfen. Der Aufwand vom Giessen der Jungpflanzen bis zum Behandeln altersschwacher Bäume geht ins Geld: Durchschnittlich 250 Franken kostet allein der Unterhalt eines Strassenbaums die Stadt Zürich pro Jahr laut Fischer. Die Kosten für die 50 000 Parkbäume werden nicht separat ausgewiesen.

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