Zürich
Weder erforderlich noch sinnvoll: Regierungsrat gibt der U-Bahn einen Korb

Der Zürcher Regierungsrat ist gegen eine U-Bahn. Eine solche sei «weder erforderlich noch sinnvoll», heisst es in der am Donnerstag veröffentlichen Antwort auf ein Postulat.

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Der Regierungsrat hält in Zürich eine U-Bahn für nicht sinnvoll. (Symbolbild)

Der Regierungsrat hält in Zürich eine U-Bahn für nicht sinnvoll. (Symbolbild)

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Eine U-Bahn in der Stadt Zürich und der Agglomeration ist nach Ansicht des Zürcher Regierungsrates "weder erforderlich noch sinnvoll". Dies heisst es in der am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf ein Postulat von GLP-Kantonsräten.

Der Bau einer U-Bahn für Zürich sei aufgrund der Grösse der Stadt, aber auch aufgrund des bestehenden, leistungsfähigen Netzes nicht die geeignete Lösung zur Verbesserung des öV-Systems, schreibt der Regierungsrat. Er weist auch auf die sehr hohen Investitionskosten für Strecke, Haltestellen, Abstell- und Unterhaltsanlagen sowie die erheblichen zusätzlichen Betriebskosten hin.

Die Grünliberalen wünschen vom Regierungsrat Angaben darüber, welchen Beitrag eine U-Bahn als Mittelverteiler langfristig - zwischen 2030 und 2050 - in Zürich und den Nachbargemeinden zur Bewältigung des zu erwartenden Mehrverkehrs leisten könnte. Ob der Regierungsrat einen Bericht erstellen muss, entscheidet der Kantonsrat.

Vergleich mit deutschen Städten

Selbst in Deutschland verfügt neben den Grossstädten Berlin, München und Hamburg nur gerade Nürnberg über eine U-Bahn. In den zehn weiteren Städte mit über 500'000 Einwohnern existiert keine.

Aufgrund der hohen Kosten hätten die meisten grösseren Städte Deutschlands ihre Stadtbahnsysteme weiterentwickelt, zumal die sehr grosse Leistungsfähigkeit eines U-Bahn-Systems gar nicht benötigt werde, heisst es in der Postulatsantwort. Diese Überlegungen gelten laut Regierungsrat auch für Zürich.

Das System des öffentlichen Verkehrs in Zürich sei über die Jahrzehnte stetig ausgebaut und verfeinert worden. Eine zentrale Rolle habe dabei der Ausbau des Bahnangebots gespielt. Mit der Inbetriebnahme der S-Bahn 1990 sei das Bahnnetz "wegweisend ergänzt" worden. In den darauffolgenden 25 Jahren wurde laut Regierung die Leistungsfähigkeit des Netzes laufend verbessert.

Das heutige Bahnnetz stelle die wichtigsten Direktverbindungen zwischen den Subzentren der Stadt Zürich her. Auch die Wohn- und Arbeitsplatzgebiete der Agglomeration, der Flughafen sowie die grösseren Städte um Zürich seien gut erschlossen.

S-Bahn, Tram- und Busnetze seien in Zürich "organisch gewachsen und gut aufeinander abgestimmt". Seit über sechs Jahren läuft mit dem Projekt "S-Bahn 2G" die Arbeit an der Zukunft des Zürcher S-Bahn-Systems. Dieses soll aus einer inneren S-Bahn ergänzt durch Express-Linien bestehen.

Ein U-Bahn-System wäre laut Regierungsrat ein zusätzliches und neues System, das unverhältnismässig hohe Kosten verursachen und Überkapazitäten schaffen würde. Die bestehenden Systeme würden konkurrenziert und teilweise kannibalisiert, ohne dass sie spürbar zurückgefahren werden könnten. (SDA)