Wädenswil
Wechsel in der Chefetage: Vieles ist neu beim «Wädi-Bräu»

Hauptaktionär Christian Weber gibt die Geschäftsführung der Wädi-Brau-Huus AG ab. Die Rekapitalisierung ist gemäss Weber auf einem guten Weg. Und den Job des Chefbrauers übernimmt zum ersten Mal eine Brauerin.

Pascal Jäggi
Merken
Drucken
Teilen

Limmattaler Zeitung

An der Spitze der Wädenswiler Brauerei kommt es zum Wechsel. Der langjährige Geschäftsführer und Verwaltungsrat Christian Weber hat per 1. September 2019 die Geschäftsführung an Thomas Wullschleger, übergeben. Der Wädenswiler Finanzfachmann ist seit zwei Jahren als Finanzchef bei der Wädi-Brau-Huus AG dabei. Seit Herbst 2018 war er zudem Mitglied der Geschäftsleitung. An der turbulenten letzten Generalversammlung am 27. Juni wurde Wullschleger in den Verwaltungsrat gewählt.
Damals entlud sich der Ärger der Kleinaktionäre heftig. Der Verwaltungsrat hatte beantragt, ihre Aktien zu entwerten und eine neue Aktienzeichnung vorzunehmen. Dies um einem möglichen Konkurs zuvorzukommen. Statt 100 oder einem Franken würden die neuen Aktien 610 Franken wert sein und 915 kosten. Der Unmut brachte nichts, Hauptaktionär Weber hätte den Kapitalschnitt auch alleine durchführen können.
Rekapitalisierung ist auf einem guten Weg
Christian Weber ist mittlerweile im Pensionsalter. Ans Aufhören denkt er aber noch nicht. Er wird Verwaltungsratspräsident und kümmert sich als Mitglied der Geschäftsleitung in Zukunft um das Marketing, sein ursprüngliches Kerngeschäft. Der alte und der neue Geschäftsführer schauen positiv in die Zukunft. Noch ist die Aktienzeichnung nicht abgeschlossen. Doch bei der Refinanzierung sei die AG auf einem guten Weg, sagt Weber. Wie viele Aktien gezeichnet wurden, sagen die Verantwortlichen noch nicht. die Frist läuft ende September ab. Die finanzielle Zukunft sei aber gesichert.
Damit dies noch länger so bleibt, soll einer dafür sorgen, der sich mit Zahlen gut auskennt. «Wir brauchten einen Finanzspezialisten», erklärt Weber. Dass Wullschleger zugesagt habe, sei ein grosses Glück für die Wädi-Brau-Huus AG.
Thomas Wullschleger zeigt sich sehr motiviert, trotz der zuletzt schwierigen Zeiten. Das Amt habe ihn schon gereizt, als er in die Firma eingestiegen sei, sagt er. Als Wädenswiler sei es für ihn natürlich speziell, hier zu arbeiten. Er hat auch eine Vergangenheit bei einer grossen lokalen Firma, der Blattmann Schweiz AG.
Es sei ja beim «Wädi-Bräu» nicht alles schlecht gewesen, «wir hatten durchaus auch Erfolg in den letzten zwei Jahren». Der Bereich Verkauf und Marketing soll jetzt optimiert und verstärkt werden. Im Bereich der Verwaltung soll Personal aufgestockt werden. Momentan liege man bei den Personalkosten unter dem Budget.
Christian Weber windet den Mitarbeitern ein Kränzchen. In den schwierigen Zeiten sei das Team ruhig geblieben. «Wir genossen grösseres Vertrauen, als wir es verdient hätten», so Weber. Aus wirtschaftlichen Gründen musste nie jemand entlassen werden, ergänzt Thomas Wullschleger.
Frau übernimmt Job des Chefbrauers
Änderungen gibt es auch von der Brauerei zu vermelden. Bereits bekannt war, dass Diplombraumeister Sebastian Fleck zu Turbinenbräu nach Zürich gewechselt hat. Er bleibt aber Verwaltungsrat beim «Wädi-Bräu». Zudem können die Brauer auf ihn als technischen Berater zurückgreifen.
Jetzt trumpfen die Wädenswiler mit einer speziellen Personalie auf: Flecks Nachfolgerin, Braumeisterin Stephanie Schwarzmüller, ist die einzige Chefbrauerin einer kommerziell relevanten Brauerei in der Schweiz. Die 26-jährige Bayerin hat eine Ausbildung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Brau- und Getränketechnologie absolviert.
Neben Schwarzmüller arbeitet ein im Betrieb ausgebildeter Brauer in der Brauerei. Zusätzlich erhöht ein Mitarbeiter sein Pensum, um in der Brauerei und bei den Brauseminaren auszuhelfen.
In Stellenprozenten gesehen verliert die Brauerei nicht viel, die Produktion von 2000 Hektolitern pro Jahr dürfte problemlos gestemmt werden. An Berufserfahrung und Ausbildung geht aber einiges verloren. Dem sind sich auch die Verantwortlichen bewusst. Gerne haben sie Fleck nicht ziehen lassen. Aber es müsse eben auch ohne ihn gehen, sagt Thomas Wullschleger. Neu in der Geschäftsleitung ist ausserdem der Wirt des Gasthauses, Georg Schiegl.