Die Zürcher Frauenzentrale, welche 140 Frauenorganisationen und 1200 Einzelmitglieder vertritt, steht vor einem Wechsel. Irène Meier, seit acht Jahren geschäftsführende Präsidentin, tritt auf die Generalversammlung vom 19. April hin zurück. Als ihre Nachfolgerin schlägt der Vorstand die 43-jährige Rechtsanwältin Andrea Gisler vor. Sie ist Mitglied der Grünliberalen und wirkt seit einem Jahr als Gemeinderätin in Gossau im Zürcher Oberland. Gisler ist seit 2001 im Vorstand der Frauenzentrale aktiv.

Auch Irène Meier war politisch tätig, bevor sie die Leitung der Frauenzentrale übernahm, und zwar als Kantonsrätin der Grünen. Als 25-Jährige 1987 ins Parlament gewählt, verlangte sie mit dem ersten Postulat 1988 eine angemessene Vertretung der Frauen im Lehrkörper der Universität, später enthielt eine Parlamentarische Initiative die Forderung, bei der Wahl des Kantonsrats sei der Geschlechterproporz einzuführen. Dazu meint sie heute: «Diese Themen sind leider immer noch aktuell. Vieles hat sich gebessert bei der Vertretung der Frauen in der Wissenschaft, der Politik und in Kaderstellen der Wirtschaft, aber noch nicht genug.»

Für die Anliegen der Frauen

Die Zürcher Frauenzentrale, 1914 als Zentralstelle für Frauenhilfe ins Leben gerufen und 1916 als Verein gegründet, setzte sich von Anfang an zum Ziel, tatkräftig auf sozialem und gesellschaftspolitischem Gebiet für die Anliegen von Frauen einzutreten. Auch heute findet Irène Meier, man dürfe nicht nachlassen im Bemühen, Benachteiligungen auszumerzen.

In den letzten Jahren wurde vor allem die Beratung ausgebaut. Frauen erhalten Hilfe in Rechtssachen, bei Budgetproblemen, auch Laufbahnberatung wird angeboten. Wichtig ist dem Verein auch die Förderung der Sache der Frau auf politischem Gebiet. Schutz vor häuslicher Gewalt und Lohngleichheit sind wiederkehrende Themen, auch vor der Volksabstimmung über die familienergänzende Kinderbetreuung hat sich der Verband engagiert, weil dadurch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert wird.

Mehr Frauen in die Politik

Aber auch ganz direkt setzt sich der Verband dafür ein, dass vermehrt Frauen in die Politik einsteigen. Die Frauenzentrale hat selber ein Projekt ins Leben gerufen, das jeweils eine bestandene Politikerin und eine Jungpolitikerin zusammenführt, damit sich die Neueinsteigerinnen in die Welt der Politik einfühlen können. Mittlerweile sind zwei ehemalige Trainees in den Gemeinderat von Zürich und eine ins Stadtparlament von Winterthur gewählt worden.

Die Arbeit geht der Frauenzentrale auch 40 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts und 30 Jahre nach Verankerung des Gleichstellungsartikels in der Verfassung nicht aus. Sie wird weiterhin dafür einstehen, dass die Vertretung der Frauen in Politik, Beruf und Wissenschaft ein angemessenes Niveau erreicht. Zunächst allerdings wird das Erreichte gefeiert. Zum politischen Abend mit Fest am Dienstag in der Alten Börse werden über 300 Frauen erwartet.