Zoo Zürich
Wasservogel-Balz: Die grosse Show der kleinen Angeber

In der Wasservogelanlage im Zoo Zürich steigt zur Zeit die grosse Show der kleinen Angeber: Inmitten von Schnee und Eis balzen die Enten- und Gänse-Männchen, was das Zeug hält. Die Weibchen achten nicht auf sie - scheinbar.

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Balzverhalten der Enten im Zoo Zürich
4 Bilder
Eine Mandarinente (Aix galericulata) im Zoo Zuerich
Eine Eiderente (Somateria mollissima) stellt sich auf
Thomas Rothlin füttert die Enten im Teich mit Muscheln

Balzverhalten der Enten im Zoo Zürich

Keystone/Samuel Truempy

Mehrere Rothalsgänse-Männer in prächtigem schwarz-braun-weissem Gefieder paradieren würdig über den Teich. Gleich daneben präsentieren sich die Eiderenten-Kerle: Sie bäumen sich auf, werfen die Köpfe nach hinten, blähen die Hälse und stossen gurrende Laute aus. Diskreter lassen es die fein gemusterten Mandarin-Enten angehen: Sie vertrauen offenbar auf ihre Schönheit.

Die Balz strebt ihrem Höhepunkt entgegen, wie Zoo-Kurator Samuel Furrer am Mittwoch vor den Medien erläuterte. Bald werden die Weibchen ihre Partner wählen. Seit Beginn der Balz im Dezember beobachten sie die männlichen Angeber: Sie entscheiden schliesslich aufgrund von deren Alter, Fitness und - für sie offenbar erkennbarer - Bruterfahrung.

Bei den ersten Paaren habe es bereits geklappt, so Furrer. Mit der Paarung hat das Männchen seinen Part beendet: Mit Brüten und Aufziehen der Jungen gibt es sich nicht ab, das überlässt er dem Weibchen.

Wertvolle Eiderdaunen

Während die Plüschkopfeiderenten dieses Jahr erstmals mit dabei sind, leben Eiderenten schon seit Jahren in Zürich. In der letzten Saison schlüpfte laut Furrer das 50. Küken. Die Eiderenten sind in nördlichen Gegenden weit verbreitet. Ein Brutgebiet von mehr als 500'000 Brutpaaren gibt es etwa in Island.

Sie sind berühmt für ihre extrem weichen, warmen Daunenfedern, die Eiderdaunen. Mit ihnen polstern und isolieren die Weibchen ihre Nester. Die Eiderdaunen werden aus den Nestern gezupft. Die erste "Ernte" erfolgt nach der ersten Eiablage, die zweite nach Abschluss des Brutgeschäfts.

Der Eiderdaunen-Export hat für Island eine lange Tradition. Seit jeher sind die Federchen sehr wertvoll. Bereits im 13. Jahrhundert wurden die Eiderenten deshalb unter Schutz gestellt. In Island seien einst die Pfarrer mit Daunen bezahlt worden, erzählte Furrer. Für manchen isländischen Bauern stellt die Daunengewinnung heute noch eine Alternative zur Schafhaltung dar.