Zürich
Wasserkraftwerke: dem «Aal-Gemetzel» schneller ein Ende setzen

Vereinigungen sehen dringenden Handlungsbedarf bei Wasserkraftwerken – etwa in Rheinau.

Eva Wanner
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Viele Aale kommen nicht lebend an Wasserkraftwerken vorbei.

Viele Aale kommen nicht lebend an Wasserkraftwerken vorbei.

Pressedienst

Von einem «Aal-Gemetzel» ist die Rede. «Verletzte, verstümmelte, zerhackte» Aale, seien dieser Tage im Rhein zu sehen. Die Tiere würden in den Turbinen von Wasserkraftwerken verenden, schreiben der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) und die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva in einer Medienmitteilung. Und sie liefern das Fotomaterial zu den Beschreibungen mit. Die Wasserkraftwerke seien «eigentliche Todesfallen».

Teil von Aqua Viva ist seit 2012 der ehemalige Rheinaubund, der sich gegen den Bau solcher Kraftwerke wehrte. Auch gegen jenes in Rheinau ging er vor, allerdings ohne Erfolg. Der Rhein mit seinen 21 Grosskraftwerken stelle ein besonders grosses Problem für wandernde Fische dar, schreiben der SFV und Aqua Via. Das Kraftwerk in Schaffhausen sei das erste, dass die Aale aus dem Bodensee auf der Wanderung zurück ins Meer passieren. Dort und in Rheinau seien oft besonders viele tote Tiere zu sehen.

Die Aale schlüpfen laut einer Dokumentation des Bundesamts für Umwelt (BAFU) im Atlantik im Meeresgebiet Sargassosee unweit des karibischen Bermudadreiecks. Die Tiere reisen in europäische Fliessgewässer, unter anderem eben in den Rhein. Sind sie geschlechtsreif, leitet der Instinkt sie zurück an ihren Geburtsort. Innerhalb eines Jahres legen die Aale demnach Distanzen von über 5000 Kilometer zurück – zumindest theoretisch. Denn nur wenige kommen gemäss BAFU in den Laichgründen an und können sich dort fortpflanzen. Unterwegs lauern einige Hindernisse, von der Befischung im Mündungsgebiet über verschmutzte Gewässer bis zu den zahlreichen Kraftwerken in europäischen Binnengewässern.

Der Aal steht seit mehreren Jahren auf der roten Liste der bedrohten Tierarten. Ende 2019 hat der Bund auch den Status in der Schweiz geändert: Neu gilt der Aal nicht mehr als «gefährdet», sondern als «vom Aussterben bedroht».

Dass Wasserkraftwerke Hindernisse für den Aal und Co. darstellen, ist kein neues Problem. Es müsse seit Jahrzehnten dabei zugesehen werden, «wie die wandernden Fische in den Turbinen verenden» schreiben die beiden Vereinigungen.

Noch zehn Jahre Frist

Seit 2011 bestehe der gesetzliche Auftrag, dass Schweizer Kraftwerke fischgängig sein müssen. Hindernisse sollen bis 2030 beseitigt werden. Zu spät, finden die Vereinigungen. Sie fordern ein forscheres Vorgehen von Bund und Kantonen.

«Wir müsse nicht mehr lange evaluieren und diskutieren, sondern endlich handeln», lässt sich SFV-Zentralpräsident Roberto Zanetti in der Mitteilung zitieren. Es sei «30 Sekunden vor 12» und es brauche Sofortmassnahmen, «um den Sterben möglichst bald ein Ende zu setzen».Das Abstellen der Turbinen in der Zeit der Aalwanderung sei schon diskutiert worden. Nur: Der Zeitpunkt sei schwierig zu bestimmen und alle Kraftwerke bis ins Meer müssten sich daran beteiligen.