Street Parade
Was die Technoparty für den Tourismus bedeutet: «Es profitieren fast alle, bis ins Viersterne-Segment»

Der Zürcher Hotelier-Präsident Martin von Moos spricht im Interview über die touristische Bedeutung der Street Parade.

Matthias Scharrer
Merken
Drucken
Teilen
Martin von Moos, Hotelier-Präsident, über den Einfluss der Street Parade.

Martin von Moos, Hotelier-Präsident, über den Einfluss der Street Parade.

Keystone/zVg

Die Street Parade rollt an. Mit ihr werden heute gegen eine Million Besucher in Zürich erwartet. Auch wenn viele Raver die Nacht zum Tag machen und am Tag danach wieder heimfahren, ist der Techno-Megaevent für die Zürcher Hoteliers hochwillkommen: Ihre Betten, die normalerweise unter der Woche besser ausgelastet sind als an den Wochenenden, sind am Street-Parade-Wochenende vielfach ausgebucht. So auch bei Martin von Moos, dem Präsidenten des Zürcher Hotelierverbands. Er führt vor den Toren der Stadt die Viersternehotels «Belvoir» in Rüschlikon und «Sedartis» in Thalwil. Auch sie sind am Parade-Wochenende vollbelegt.

Herr von Moos, wie wichtig ist die Street Parade für die Zürcher Hoteliers?

Martin von Moos: Die Street Parade ist seit Jahren ein wichtiger Anlass für die gesamte touristische Wertschöpfung im Raum Zürich, also auch für die Hoteliers. Grossveranstaltungen am Wochenende sind sehr willkommen, denn sie bringen zusätzliche Reisende. Neben der Street Parade zählen dazu auch Anlässe wie beispielsweise kürzlich der Ironman-Triathlon und das Formel-E-Rennen.

Sie betonen die Bedeutung von Wochenend-Veranstaltungen. Liegt das daran, dass unter der Woche vor allem Geschäftsreisende die Zürcher Hotelbetten füllen?

Ja, von Montag bis Freitag steht der Geschäftstourismus im Fokus. Am Wochenende sind in der Regel mehr Betten frei.

Sind aktuell am Street-Parade-Wochenende noch Betten frei?

Ich weiss von diversen Hotels, die ausgebucht sind, darunter auch die von mir geführten zwei Hotels in Thalwil und Rüschlikon. Das zeigt: Die Street Parade hat auch auf die Region um Zürich einen Effekt.

Steigen an diesem Wochenende die Hotelpreise?

Die Übernachtungspreise in der Hotellerie richten sich schon lange nach Angebot und Nachfrage. Die letzten zwei, drei freien Zimmer in einem Hotel sind teurer, als wenn man ein halbes Jahr vorher bucht. Aber Preisabsprachen wegen der Street Parade sind mir nicht bekannt.

Durchschnittlich kostet eine Hotelübernachtung in Zürich rund 200 Franken. Wie viel ist es im Durchschnitt am Street-Parade-Wochenende?

Dazu gibt es keine statistischen Erhebungen. Die Preisgestaltung ist Sache der einzelnen Hotels, wir vom Hotelier-Verband befragen sie dazu nicht.

Profitieren von der Street Parade vor allem die Hotels im tieferen Preissegment?

Es profitieren fast alle, bis hin ins Viersterne-Segment. Das liegt auch daran, dass die 1992 gegründete Street Parade ein gewisses Alter erreicht hat. Es gibt sehr arrivierte Leute, die schon seit vielen Jahren nach Zürich an die Street Parade kommen. Sie tanzen vielleicht nicht mehr in der vordersten Reihe, leisten sich dafür aber ein schönes Hotel. Und dann gibt es die jungen Raver, die ganz einfach logieren wollen, Bagpacker, die auch in der Jugendherberge schlafen. Fünfsternehotels profitieren eher weniger von der Street Parade, indirekt aber schon. Denn wenn Zürich gut ausgebucht ist, profitieren schlussendlich alle Kategorien mit zusätzlichen Übernachtungen.

Gibt es auch Hotels, die lieber auf die Street Parade verzichten würden, etwa wegen der Lärmbelästigung?

Ich kenne keines.

Zürich hat nicht viele Anlässe mit internationaler Ausstrahlung

In ihrem Gründungsjahr 1992 zählte die Street Parade noch überschaubare 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Stadtzürcher Hotels, Pensionen und Jugendherbergen verzeichneten damals im August knapp 190 000 Logiernächte. Im Vergleichsmonat 15 Jahre später liessen bereits über 330 000 Übernachtungen die Kassen in den nunmehr rund 120 Zürcher Hotelleriebetrieben kingeln. Die Street Parade 2017 vermeldete rund 900 000 Teilnehmende.

Logischerweise kann ein eintägiger Grossanlass wie die Street Parade kaum allein der Grund für die starke Zunahme der August-Logiernächte sein – auch wenn sie jeweils bis zu eine Million Menschen in die Limmatstadt lockt. Generell gab es in den letzten Jahren einen deutlichen Trend zum Städtetourismus, wie Ueli Heer, Sprecher von Zürich Tourismus, auf Anfrage sagt. Davon profitiere auch die Limmatstadt – besonders im Sommer, der Hauptreisezeit. Dennoch sei die Street Parade für den Zürich-Tourismus sehr wichtig: «Sie ist einer der wenigen Anlässe mit internationaler Ausstrahlung in Zürich.» In der gleichen Liga spielen laut Heer sonst noch das Leichtathletik-Meeting Weltklasse Zürich, das Zürcher Filmfestival und das diesen Frühling erstmals in Zürich durchgeführte Formel-E-Rennen.

Heer erinnert daran, dass die Stadt in den letzten Jahren mit dem Ballon d’Or, also der Auszeichnung des Weltfussballers des Jahres, und dem Trendsport-Grossanlass Freestyle.ch gleich zwei Events mit internationaler Ausstrahlung verloren hat. Doch nicht nur am Street-Parade-Wochenende selber sei die Techno-Megaparty touristisch bedeutsam: «Die Street Parade vermittelt das Image von Zürich als einer jungen, offenen und toleranten Stadt», so der Zürich-Tourismus-Sprecher weiter. Dabei kämen auch die Slogans der Parade zum Tragen. Dieses Jahr läuft sie unter dem Motto «Culture of Tolerance». Seit Anbeginn verkauft sie sich auch als «Demonstration für Liebe, Friede, Freiheit, Grosszügigkeit und Toleranz», wie es bereits im ersten Bewilligungsgesuch von 1992 hiess.

Die internationale Ausstrahlung der Street Parade zeigt sich sowohl medial als auch an der Herkunft ihrer Besucherinnen und Besucher: Laut Heer kommen aus dem Ausland vor allem Gäste aus Deutschland, Italien, Spanien und Österreich zum Megarave nach Zürich, aber auch auffällig viele Nordamerikaner. (mts)