Staatskasse
Was die Flughafen-Aktien «unique zurich airport» bringen

Stadt und Kanton Zürich profitieren von Dividendenzahlungen, die sie aus den Namenaktion «unique zurich airport» erhalten. Die Gemeinden vermissen aber den Einfluss.

Oliver Graf
Drucken
Teilen
Die Flughafen Zürich AG schüttet für das letzte Geschäftsjahr eine Rekorddividende von zehn Franken pro Aktie aus.

Die Flughafen Zürich AG schüttet für das letzte Geschäftsjahr eine Rekorddividende von zehn Franken pro Aktie aus.

Keystone

Die Gemeinde Buch am Irchel hat gerade ihre 25 Namenaktien der «unique zurich airport» verkauft. In die Aktien hatte die Gemeinde im Jahr 2000 noch viel Hoffnung gesetzt. Sie hatte die Börsenpapiere erworben, als der Flughafen Zürich privatisiert wurde. Dies mit der Absicht, als Aktionär bei der weiteren Ausrichtung und Entwicklung des Flughafens, der anfänglich unter dem Namen «Unique» auftrat, ein Wort mitreden zu können.

Buch am Irchel war nicht die einzige Gemeinde, die damals Aktien erworben hatte. Wie viele Anrainergemeinden trat auch die Stadt Opfikon als Investor auf. Sie hatte bereits einige Monate vor der Privatisierung Namenaktien der später im neuen Konstrukt aufgehenden «Flughafen-Immobilien-Gesellschaft FIG» gekauft. Es handelte sich damals um genau zwei Aktien im Wert von 6600 Franken.

«Mit dem Aktienkauf nimmt der Stadtrat die Aktionärsrechte wahr, indem er unter anderem der neuen Flughafen-AG auf die Finger schaut, beziehungsweise darauf achtet, dass die statutarischen Verpflichtungen ernst genommen und eingehalten werden», hielt die Opfiker Behörde im Jahr 2000 auf eine entsprechende Anfrage aus dem Parlament fest. Und sie sprach von einer «Vorwärts-Strategie»: Die Lärm-Betroffenen würden dank den beiden Aktien zu Beteiligten gemacht. «Der Stadtrat sicherte sich so ein gewisses Mitspracherecht.»

Aus diesen zwei Namenaktien sind inzwischen mit dem Übergang zur Flughafen-AG und der im Verlauf der Jahre vollzogenen Aktienstückelung 45 Stück geworden. Die Stadt Opfikon hält diese nach wie vor und will sie auch behalten.

Nur 45 von über 6 000 000 Aktien

Dass die Lärm-Betroffenen rund um den Flughafen dank einiger weniger Aktien mitreden können, glauben die Zuständigen heute nicht mehr. «Die Einflussnahme der Gemeinde ist sehr gering», musste der Gemeinderat von Buch am Irchel in den vergangenen Jahren feststellen.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich – die Flughafen Zürich AG, die den Kunstnamen «Unique» 2010 wieder aufgegeben hatte, hat heute 6 140 375 Namenaktien im Umlauf. Mit 45 oder 25 Stück, wie sie Opfikon und Buch am Irchel aufweisen, kann an einer Generalversammlung des Unternehmens wenig – oder doch eher nichts – ausgerichtet werden.

In Opfikon ist man sich dessen auch bewusst. Die Stadt hält aber weiterhin an ihren Aktien fest. Als Aktionärin sei die Stadt stets aus erster Hand informiert, heisst es. Unter anderem würden so die Geschäftsberichte, die Jahresberichte sowie weitere firmenbezogene Daten automatisch auf der Verwaltung und bei den verschiedenen Behörden eingehen. Dieser Vorteil ist an sich aber klein. Die Flughafen Zürich AG wird ja an der SIX, der Schweizer Börse, gehandelt. Sie ist damit zu höchster Transparenz verpflichtet. Die Geschäftsberichte finden sich deshalb auch im Internet.

Von 18 auf 600 Franken

Die Aktienpapiere des Zürcher Flughafens sind inzwischen aber auch eine gute Wertanlage geworden. Sie erreichten in diesem März mit 600 Franken einen Höchststand. Der Tiefpunkt wurde 2003 erreicht, als das Papier lediglich noch 17.88 Franken wert war. Derzeit bewegt sich die Aktie bei etwa 565 Franken.

Der Wert der Opfiker Papiere hat sich seit dem Erwerb in etwa vervierfacht. Und auch der Gemeinderat von Buch am Irchel zeigt sich zufrieden, auch wenn er am Flughafen anders als erhofft nicht gross Einfluss nehmen konnte: Der Verkauf der Aktien erfolge «gewinnbringend».

Auch die Entwicklung der Dividende kann sich sehen lassen, die für das letzte Geschäftsjahr auf einem neuen Höchstwert von zehn Franken festgesetzt wurde. Für Opfikon ergab das im April zwar nur eine Ausschüttung von 450 Franken. Aber bei zwei anderen Grossaktionären der öffentlichen Hand schenkt die jährliche Dividendenzahlung inzwischen durchaus ein.

Der Kanton Zürich hält derzeit einen Drittel aller Aktien plus eine Aktie, was dem im Flughafengesetz vorgeschriebenen Minimum entspricht. Damit flossen ihm in diesem Jahr rund 20,4 Millionen Franken an Dividenden zu, wie Roger Keller, der Medienbeauftragte der Finanzdirektion, bestätigt. Das Geld fliesse in die allgemeine Staatskasse, eine Zweckbestimmung für die Dividendeneinnahme gebe es nicht.

Die Stadt Zürich hält derzeit 5,05 Prozent der insgesamt über sechs Millionen Aktien. Sie erhielt damit Dividenden in Höhe von etwa drei Millionen Franken. Diese schöne Zahl wird durch das Budget der Stadt etwas relativiert – Zürich rechnet im laufenden Jahr mit einem Defizit von über 210 Millionen Franken.

Anders als die Kleinaktionäre Buch und Opfikon können Kanton und Stadt Zürich durchaus beim Flughafen mitreden. Sie sind im Verwaltungsrat vertreten.

Aktuelle Nachrichten