Automaten: Seit der ZVV vor 25 Jahren seinen Betrieb aufgenommen hat, haben die Billettautomaten an Bedeutung gewonnen. 66,7 Prozent aller Zonentickets werden heute an ihnen gelöst. Zu Beginn musste an den blauen Kästen noch umständlich die Postleitzahl des Zielortes herausgesucht und eingetippt werden, inzwischen ist die Handhabung intuitiver geworden. Theoretisch zumindest. Nach wie vor verursachen gelegentliche Bahnfahrer, die kopfkratzend und fluchend vor einem Automaten stehen, eine Warteschlange.

Baustellen: Der Ausbau der Zürcher S-Bahn schreitet weiter voran. Im Dezember wird die Durchmesserlinie vollständig eröffnet. Es kommt zum grössten Fahrplanwechsel seit Einführung des ZVV-Taktfahrplans im Jahr 1990. Als Nadelöhr gilt aber nach wie vor der Bahnhof Stadelhofen. Der teure Bau eines vierten Gleises steht auf der Liste der noch unbewilligten Bahnprojekte.

Chaos: Es gibt sie, diese Tage mit Zugausfällen und Verspätungen, die den Pendlern in Erinnerung bleiben (Pannensommer 2013!). Aber in der Regel verkehren die Züge auf dem Zürcher Netz vergleichsweise pünktlich – 2014 lag gemäss ZVV «im grünen Bereich».

Durchgangsbahnhof: Seit dem 27. Mai 1990 ist der Zürcher HB kein Kopfbahnhof mehr. Mit der Inbetriebnahme der S-Bahn wurde der unterirdische Durchgangsbahnhof Museumstrasse eröffnet. Seit vergangenem Jahr ist – im Zusammenhang mit dem Bau der Durchmesserlinie – zudem der zweite Durchgangsbahnhof Löwenstrasse eröffnet worden. Seither entfällt auch für die Regionalzüge vom linken Zürichseeufer das zeitaufwendige Wenden.

Eins: Es gibt eine S2. Eine S3 verkehrt ebenfalls. Ja selbst eine S55 fährt zwischen Oberglatt und Niederweningen hin und her. Nur eins gibt es nicht: Eine S1. Eine solche Bahnlinie gab es aber einst. Sie wurde 2004, als die Stadtbahn Zug ihrerseits eine S1 installierte (Baar-Zug), umgetauft. Die Zürcher S1 verkehrt heute als S24 von Zürich nach Zug.

Fahrzeuge: Die SBB entschieden sich im Hinblick auf die Zürcher S-Bahn zum ersten Mal für Zweistöcker. Die erste Generation der blauen «Doppelstock-Pendelzüge (DPZ)», von denen bis zu drei Kompositionen zusammengekoppelt werden, steht noch immer in Betrieb. Ein Ärgernis, der Hocheinstieg über drei Treppen, der wegen der unterschiedlichen Perronhöhen notwendig war, machte die S-Bahn nicht behindertengerecht. Inzwischen kann, dank Bahnhofsumbauten, in der Regel ein Niederflureinstieg garantiert werden.

Gratistag: Am kommenden Sonntag, dem 31. Mai, ist die Fahrt auf dem Netz des ZVV zur Feier des 25-jährigen Bestehens gratis – in der zweiten Klasse zumindest. Und der Verkehrsverbund schenkt nicht nur Gratisfahrten, sondern dem Tag auch fünf Stunden mehr: Der «Gratistag» gilt ab Mitternacht (und damit auch auf dem Nachnetz von Samstag auf Sonntag) und dauert bis Montagmorgen um 5 Uhr.

Halbstundentakt: Seit der Eröffnung wurde die S-Bahn in drei Teilergänzungen ausgebaut. Nun stehen die vierten Teilergänzungen bevor. Seit 1990 wurde der Halbstundentakt zur Norm – jetzt steht der Viertelstundentakt vor der Tür.

Investitionen: Am 29. November 1981 bewilligten die Stimmberechtigten im Kanton einen Kredit über 523 Millionen Franken für die Erstellung des Bahnhofs Museumstrasse und den Bau zweier Tunnels zwischen HB und Stettbach. Die Vorlage wurde mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 70 Prozent gutgeheissen. Zwei frühere Vorlagen, die eine U-Bahn beziehungsweise eine kombinierte U-/S-Bahn vorsahen, waren 1962 und 1973 klar gescheitert. Als Grund für die Zürcher S-Bahn wurde in der Abstimmungsweisung erwähnt: «Eine hohe Mobilität des nichtmotorisierten Arbeitnehmers stellt eine wichtige Krisensicherung dar.»

Jestetten: Eine von insgesamt 2749 Haltestellen auf dem Netz des Zürcher Verkehrsverbundes – und eine von 218 Nicht-Zürcherischen.

Korridore: An einem Werktag überqueren 446 000 ZVV-Passagiere die Stadtgrenze von Zürich (Jahr 2014). Acht Jahre zuvor waren es noch 333 000. Als meistbefahrener Korridor gilt Zürich-Winterthur. Danach folgen das Glattal und Oberland sowie das Limmattal.

Lob: Der ZVV hatte in den vergangenen Jahren mit den SBB eine Vereinbarung getroffen. Fahren die SBB pünktlich und sind deren Wagen sauber, gibt es einen Bonus. Andernfalls wird eine Strafe fällig. Im letzten Jahr erhielten die SBB im Rahmen dieses Bonus-Malus-Systems eine Gutschrift von 120 000 Franken. Im Jahr davor, dem «Pannensommer 2013!», mussten sie noch 1,8 Millionen Franken zahlen.

Mitarbeiter: Einst gab es den Kondukteur, dann fuhren im Zürcher Verkehrsverbund ab 21 Uhr auf jeder S-Bahn zwei Zugbegleiter mit. Dann wurde das Konzept geändert – ein besser ausgerüsteter Sicherheitsdienst ist auf ausgewählten Routen im Einsatz, was laut ZVV eine höhere Einsatzflexibilität mit sich bringt.

Nachtnetz: Es gab eine Zeit, da musste im Ausgang stets die Uhr um Auge behalten werden. Entweder rannte man kurz vor Mitternacht aus der Beiz und an den Bahnhof – oder man blieb bis 5 Uhr sitzen. Seit Dezember 2002 ist das vorbei. Auf dem ZVV-Gebiet wurde das Nachtnetz eingeführt und seither kontinuierlich ausgebaut. In den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag fahren durchschnittlich 15 000 Personen für einen Zuschlag von fünf Franken mit den Nachtzügen.

Ostwind: Der ZVV war landesweit der erste seiner Art. Inzwischen gibt es verschiedene Verkehrsverbünde. Der Ostwind verkehrt in der Ostschweiz (Werbeslogan: «Der Ostwind bläst für alle»). Es gibt auch den Flextax (Schaffhausen) und die A-Welle (Aargau) sowie – etwas uninspirierter – den Tarifverbund Schwyz und den Tarifverbund Zug.

Passagiere: Seit dem Verbundstart vor 25 Jahren hat sich die Zahl der «beförderten Personen» fast verdreifacht. Die Zahl der Fahrgäste hat seit 1990 um 269 Prozent zugenommen. Und die Prognosen sehen bis 2030 weiterhin eine «deutlich steigende Nachfrage» .

Qual: In der Sommerhitze drang zwar ein Luftzug durch die ersten Doppelstock-Pendelzüge. Aber er brachte keine Linderung. Denn die ersten Züge waren bis zu ihrer Umrüstung nicht mit einer Klimaanlage ausgerüstet – die Lüftung wälzte einfach die heisse, stickige Luft um.

Rauchen: Einst durfte in den Zügen noch gepafft werden. Generationen von Schülern nahmen die stinkenden Abteile als Ausrede. Den Eltern versicherten sie: «Geraucht? Ich? Nein – aber es hatte nur noch im Raucherabteil Platz.» Mit den Doppelstock-Pendelzügen verschwanden die Aschenbecher.

Sitzplatz: Auch wenn man ein ZVV-Ticket löst, ein Anspruch auf einen Sitzplatz ist damit nicht verbunden. Der Trend geht – insbesondere auf Kurzstrecken – ohnehin in Richtung Stehplätze. Das erlaubt ein schnelleres Ein- und Aussteigen, was die Fahrplanstabilität erhöht.

Tourismus: Mehr als 100 Ausflugsziele für Schulreisen und Vereinsausflüge sind innerhalb des ZVV-Netzes zu erreichen. Die Spannweite reicht dabei vom Mammutmuseum (Niederweningen) über den Fünfliberweg (Elgg-Turbenthal) bis hin zu Events wie dem Open Air Rock am Ring (Hinwil).

Unfall: Im letzten Vierteljahrhundert kam es zu verschiedenen Unfällen auf dem ZVV-Netz. 1991 wurde im Hirschengrabentunnel zwischen HB und Stadelhofen in einer S9 ein Feuer gelegt. Weil ein Passagier die Notbremse zog, blieb der Zug mitten im Tunnel stehen (eine weitere S-Bahn blieb in der Folge wegen Stromausfalls stecken). 140 Passagiere eilten zu Fuss durch den Tunnel zum Bahnhof Stadelhofen, 58 von ihnen mussten wegen einer Rauchvergiftung behandelt werden.

Vierzig Prozent: Die meisten Fahrgäste, die in einem ZVV-Fahrzeug sitzen oder stehen, befinden sich auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule (40 Prozent) oder sind wegen ihrer «Freizeitaktivitäten» unterwegs (37 Prozent). Zehn Prozent der Fahrgäste benutzen die Fahrt zum Shoppen.

Werbespruch: Ein Zug, der auch ein Schiff ist. Ein Tram, das auch eine Seilbahn ist. Der ZVV-Spruch «ich bin auch ein ...» war legendär. Damit machte der erste Verkehrsverbund der Schweiz darauf aufmerksam, dass auf dem ganzen Gebiet ein einziges Ticket bei allen Unternehmen gültig ist. Zuvor brauchte es etwa für die Fahrt vom Zürcher Oberland in den Zürcher Zoo ein Bus-, ein Zug- und ein Trambillett.

X-Definitionen: Wer regelmässig pendelt, hört ihn oft – den Verspätungsgrund «Stellwerkstörung». Darunter fallen verschiedene Pannen; etwa eine wegen eines eingeklemmten Steins nicht mehr verstellbare Weiche, aber auch defekte Lichtsignale oder blockierte Barrieren. Manchmal ist es auch bloss ein Staubkorn in einem Relais, das ein Stellwerk lahmlegt.

Ybrig: Dorthin fährt der ZVV nicht. Sie verfügt aber seit 2005 über einen Anschluss ans Skigebiet Flumserberg. Einige Kurse der S2 werden an Wochenenden über Ziegelbrücke hinaus bis nach Unterterzen verlängert. (Das «Y» war jetzt etwas billig – bessere Wortvorschläge an:
redaktion@limmattalerzeitung.ch)

ZVV: Der Zürcher Verkehrsverbund koordiniert und bestellt die Fahrleistungen. Er selber besitzt keine eigenen Fahrzeuge. Es sind die SBB und 50 weitere Unternehmen, die im Auftrag des ZVV unterwegs sind.

Die Serie zum ZVV-Jubiläum: Am Samstag ist eine Pendler-Reportage erschienen. Am Mittwoch folgt der Blick in die Zukunft und am Samstag ein Bericht aus der Nacht.