Zürich

Warum sich Anina Gepp trotz 61'000 Instagram-Followers nicht als Influencerin bezeichnet

Anina Gepp zaubert in fünf Minuten ein Powerfrühstück.

Anina Gepp zaubert in fünf Minuten ein Powerfrühstück.

Anina Gepp will ihren über 61 000 Followern nicht nur Bilder von schön angerichtetem Essen zeigen.

Eine 24-jährige Veganerin, die in Zürich Altstetten wohnt, gerne kocht und eine Community von über 61'000 Instagram-Followern aufgebaut hat; eine Influencerin, wie sie im Lehrbuch steht, könnte man meinen. Anina Gepp selber hat dazu aber eine andere Meinung: «Ich würde mich nie als Influencerin bezeichnen.» Unter dem Nicknamen @aninahimsa veröffentlicht die junge Frau täglich Bilder von sich, ihren Reisen, leckerem Essen und gelegentlich auch von tollen Produkten. Was unterscheidet Gepp, die ihr Multimediaproduktionsstudium diesen Sommer abgeschlossen hat, also vom typischen Influencer?

«Erst mal halten sich meine sogenannten Werbeposts in Grenzen. Ich nehme nie etwas an, was nicht zu 100 Prozent meinen Werten entspricht. Diese Posts sind immer klar deklariert.» Im Unterschied zu anderen Profilen werden Produkte auf Gepps Profil zudem immer im Rahmen eines Themas behandelt, mit dem sie sich auf ihrem Internet-Blog auseinandersetzt. Der ist alles andere als eine Werbeplattform und kommt einer Onlinezeitung sehr nahe. Der Grund dafür: «Während des Studiums habe ich oft als Journalistin bei einer Zeitung gearbeitet. Ich schreibe unglaublich gerne.»

«Mit meinem Blog habe ich die Möglichkeit, über Themen zu berichten, die mir wirklich wichtig sind und über die man sich sonst nicht so einfach informieren kann.» In der Tat findet man in ihrem Onlineblog beispielsweise ein Interview mit einer Darmexpertin oder einen Artikel zum Thema «Kann eine zu gesunde Diät krank machen?».

Neben Onlinepräsenz setzt die Bloggerin aber auch auf Aktivitäten abseits des Bildschirms. So gibt sie unter anderem Kochkurse und Workshops zum Thema Foodfotografie. «Diese Workshops sind mir unglaublich wichtig. Ich lerne gerne Leute kennen. An einem Workshop, den ich im «Hiltl» geleitet habe, lernte ich beispielsweise einen 50-jährigen Mann kennen, dem mein Profil nicht bekannt war. Er war einfach fasziniert von dem, was er gelernt hat. Das fand ich super. Wie ich immer sage: Essen verbindet!»

Mit der Distanz kam der Erfolg

Treffender könnte die Aussage vor allem für sie selber nicht sein. Ihr Instagram-Profil wurde nur deshalb zum Food-Blog, weil sie für ihr Studium nach Chur zog. «Ich konnte meinen Freunden meine Rezepte nicht mehr einfach so weitergeben, also habe ich angefangen, die Gerichte samt Rezept zu posten.» Dass sie damit so viel Aufsehen erregen würde, dass sie sich mittlerweile hauptberuflich damit befassen kann, hätte sie nie erwartet.

Mit ihren veganen und glutenfreien Gerichten traf Gepp genau den Nerv der heutigen Gesellschaft. Sie selber benutzt zudem keinen raffinierten Zucker. Da kann die Frage: «Was isst du denn überhaupt noch?» schon mal aufkommen. Die Antwort darauf: «Ich habe noch nie so vielfältig gegessen wie jetzt. Es war viel mehr eine Umstellung als ein Verzicht.» Tatsächlich ist Gepps Kreativität in der Küche bemerkenswert. Ihr Motto «Je bunter, desto besser» kommt an, wie Tausende Follower finden. Trotzdem sei Instagram nicht ihre Lieblingsplattform: «Der Blog ist mir viel wichtiger. Die Leute, die die Artikel in meinem Blog lesen, befassen sich wirklich mit dem Thema.»

Bewusste Auszeiten

Zudem nehme die ständige Onlinepräsenz, die soziale Medien fordern, viel Zeit in Anspruch. Einen klar definierten Feierabend habe sie deshalb nicht. «Ich versuche aber, mir bewusst Zeit zu nehmen, um einfach mal abzuschalten. Mein Freund hilft mir dabei extrem.» Wer jetzt aber denkt, dass Gepps Tag im Wesentlichen daraus besteht, schnell ein Foto zu machen und das hochzuladen, der irrt sich. «Ich stehe jeden Tag um sechs Uhr auf und bearbeite Anfragen, arbeite an verschiedenen Projekten und Rezepten. Zudem habe ich ja noch meine Geschichten. Ich führe Interviews, recherchiere und schreibe sehr viel.»

Ein Instagram-Profil voller atemberaubender Fotos von kreativen Gerichten und Einblicken in einen gesunden Lebensstil als Aushängeschild für gut recherchierte Geschichten zu wenig besprochenen Themen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit, hinter dem eine fröhliche und authentische junge Frau steht. Eine erfrischende Abwechslung in der oft oberflächlichen und kurzlebigen Social-Media-Welt.

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