Seit langem werden PET-Getränkeflaschen separat gesammelt. Und seit fast zwei Jahren können bei der Migros auch sogenannte PE-Flaschen zurückgegeben werden. Der andere Grossverteilter Coop zieht nun ebenfalls nach, bis April sollten in allen Filialen die Milch- und Essigflaschen, die Behälter von Waschmitteln und Duschmitteln entsorgt werden können.

Gemäss den vorliegenden Zahlen nimmt die Bevölkerung die neue Entsorgungsmöglichkeit zusehends an; bei der Migros soll die Menge des abgegebenen Plastiks 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen sein, wie eine Konzernsprecherin kürzlich gegenüber den Medien erklärte.

Aber auch wenn neu PE-Flaschen entsorgt werden können und diese Möglichkeit von den Verbrauchern mit der Zeit angenommen wird, landet dennoch weiterhin ein grosser Teil des Plastikmülls im normalen Abfallsack. Denn unter den Sammelbegriff der Kunststoffe oder des «Plastiks» fallen weitere Arten; etwa Sichtmappen, Spritzkannen, verschiedene Kessel und ganz viele Verpackungsmaterialien.

Drei Kantonsräte fordern in einem Postulat nun den Regierungsrat dazu auf, eine flächendeckende Sammlung von Kunststoffen durch die Gemeinden zu fördern». Beni Schwarzenbach (GLP), Daniel Schwab (FDP) und Stephan Hunger (BDP) weisen in ihrem Vorstoss darauf hin, dass Plastik nicht in einer Kehrichtverbrennungsanlage vernichtet werden müsste, sondern dass die Teile «einer sinnvollen Wiederverwertung zugeführt werden könnten».

385 Tonnen Plastikabfälle in Zug

Die Stadt Zug nimmt beispielsweise auf ihrem «Ökihof», der städtischen Sammelstelle, seit 2000 alle Plastikabfälle an. Die Zuger Bevölkerung kann hier PE-Flaschen, aber auch Gartenstühle gratis entsorgen. Rund 385 Tonnen sind im Jahr 2013 gesammelt worden (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor). Allerdings handelt es sich dabei nur um ein Pilotprojekt, das sich, auch wenn es schon fast 15 Jahre dauert, nicht bewährt hat. Auf Ende dieses Jahres wird die Plastik-Entsorgung eingestellt. Der Grund: Es hat sich gezeigt, dass die Sammlung zu teuer ist.

Ab 2016 wird die Stadt Zug nun – analog zum Detailhandel – nur noch PET- und PE-Flaschen entgegennehmen, wie Bruno Trüssel, der Leiter der Zuger Abfallbewirtschaftung, sagt. Grundsätzlich gelte, dass alle «Behälter mit einem Verschluss» separat gesammelt werden könnten. «Alle anderen Kunststoffe, etwa Lebensmittelfolien und Verpackungen, müssen ab nächstem Jahr wieder mit dem übrigen Hauskehricht entsorgt werden.» Sie werden also einfach wieder in einer Kehrrichtverwertungsanlage verbrannt.

Die Flaschen machen nur einen kleinen Teil der von den Privaten im Zuger Ökihof entsorgten Plastikabfälle aus. Laut einer stichprobeartigen Untersuchung und Wägung des Abfalls sollen es rund 15 Prozent sein – der grosse Rest besteht aus Plastiksäcken, Folien und Verpackungsmaterialien. Dass dieser grosse Teil der Plastikabfälle wieder direkt verbrannt werde, sei nicht unbedingt schlechter – sondern angesichts der aktuellen Situation gar ökologischer, sagte Paul Langenegger, der Präsident des Zuger Abfallzweckverbandes bereits im vergangenen August. Denn der Abfall wird nicht mehr mit der Bahn nach Winterthur gefahren, sondern wird bald in der neuen, modernen Anlage in Perlen «thermisch verwertet» – also verbrannt.

«Diese neue Anlage hat einen sehr hohen Wirkungsgrad», sagte Langenegger. Sie werde Strom für 38 000 Haushaltungen sowie Wärme und Strom für die Papierfabrik Perlen produzieren. Der Luzerner Stadtrat hat im vergangenen Jahr einen politischen Vorstoss aus diesem Grund ebenfalls abgelehnt: Es sei nicht zweckmässig, «sich für eine separate Kunststoffsammlung einzusetzen, da die Wahrscheinlichkeit zu gross ist, dass die thermische Wiederverwertung in einer Anlage mit hohem Wirkungsgrad in der Ökobilanz besser abschneidet».

Bund empfiehlt zu warten

Das Recyceln der Flaschen sei indes sinnvoll, sagen die Zuger Verantwortlichen: Es handle sich dabei um «einen sortenreinen Abfall», erklärt Bruno Trüssel. Dieser müsse nicht mehr, wie die bisherige gemischte Kunststoffsammlung, erst aufwendig sortiert werden. Die PE-Flaschen könnten direkt wiederverwertet werden – sie werden von verschiedenen Firmen entgegengenommen, die sie zerkleinern und mit dem Granulat etwa Rohre oder Kabelummantelungen herstellen.

Der Zürcher Regierungsrat wird sich nun mit dem Thema ebenfalls befassen müssen. Das eben eingegangene Postulat dürfte er aber eher abschlägig beantworten. Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft verweist nämlich derzeit noch immer auf das Bundesamt für Umwelt. Und diese empfiehlt den Gemeinden «mit einer Sammlung von gemischten Kunststoffabfällen aus Haushalten noch zu warten».