Landwirtschaft

Warum ein Güggel und ein Holzpfahl der Landschaft guttun

Massnahmenblätter Baudirektion Zürich

«Ein breites Spektrum unterschiedlich blühender Hauptkulturen kann Farbe in die Landschaft bringen. Beiträge sollen deshalb die Vielfalt fördern.»

Massnahmenblätter Baudirektion Zürich

Die den Landwirten zustehenden Beiträge variieren je nach Vorhandensein von Bauerngärten, Hofelementen oder Tieren. Was hinter dem komplizierten Konstrukt «Landschaftsqualitätsbeitrag» steckt.

Die Landwirtschaftspolitik ist klar und vor allem detailliert reglementiert. Pflegt und hegt ein Zürcher Landwirt auf einem Hof einen mindestens 40 Quadratmeter grossen Bauerngarten und laufen auch noch mindestens fünf Hühner und ein Hahn darauf herum, erhält der betreffende Landwirt jährlich einen Beitrag von 500 Franken.

Diesen jährlichen Zustupf kann der Bauer auf 700 Franken erhöhen, wenn er ein drittens «Hofelement» vorweisen kann. Dieses kann – neben weiteren – sein: ein traditionelles Bienenhaus zur Honigproduktion mit ganzjähriger Haltung von mindestens einem Bienenvolk, ein gestockter Misthaufen, ein fester Hofbrunnen aus Holz, Stein oder Beton mit fliessendem Wasser oder auch eine vielfältige Tierhaltung von mindestens drei verschiedenen Tierarten zu je mindestens zwei Exemplaren.

In der aktuellen Agrarpolitik gibt es einen neuen Pfeiler; der Bund und die Kantone richten «Landschaftsqualitätsbeiträge» aus. Das klingt ziemlich bürokratisch und technisch – und ist es an sich auch, wie die Bauernverbände schon beklagt haben.

Das Ziel dieser neuen Direktzahlungsbeiträge lässt sich grundsätzlich aber einfach umschreiben: Es sollen dank den Beiträgen vielfältige Landschaften erhalten und gefördert werden.

Wie es beim Strickhof in Lindau, der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildungsstätte heisst, soll «aber auch das Spezielle oder Typische einer Landschaft gepflegt werden». Um den regionalen Unterschieden gerecht zu werden, sind im Kanton Zürich mittlerweile sechs verschiedene Gebiete gebildet worden.

Tiere als Erlebniswert

Die erwähnten Hofelemente – etwa dieser Bauerngarten mit einer Kombination aus Gartenbeeten verschiedener Gemüse, Blumen, Heilpflanzen, Beeren und Küchenkräuter – sollen laut dem kantonalen Amt für Landwirtschaft «das Landschaftsbild bereichern». Und «Tiere zu sehen und zu hören hat Erlebniswert». Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren sowie der Aufwand, sie zu pflegen, werde deshalb neu mit diesen Landschaftsqualitätsbeiträgen abgegolten, hält das Amt fest.

Im Kanton Zürich ist die Umsetzung der vom Bund vorgegebenen «Agrarpolitik 14-17», mit der die Direktzahlungssäule «Landschaftsqualität» neu eingeführt worden ist, im vergangenen Jahr mit Pilotprojekten in den Regionen Oberland und Pfannenstiel gestartet.

In diesem Jahr kommen nun die restlichen Gebiete hinzu; Zürich-Süd (inklusive südliches Limmattal), Unterland (inklusive nördliches Limmattal), Rafzerfeld und Winterthur-Andelfingen.

Die Teilnahme der Landwirte erfolgt auf freiwilliger Basis. In den beiden Pilotregionen haben sich laut dem kantonalen Amt für Landwirtschaft die Bewirtschafter von 40 Prozent der 1400 Betriebe mit einer Massnahme beteiligt. Insgesamt sind 2014 Landschaftsqualitätsbeiträge in der Höhe von 1,86 Millionen Franken ausbezahlt worden.

Im Durchschnitt erhielt jeder teilnehmende Oberländer und Pfannenstieler Betrieb im Pilotjahr etwas weniger als 3'300 Franken. Das nun auf das gesamte Kantonsgebiet ausgelegte Projekt ist vorerst auf acht Jahre ausgerichtet; rund zwei Drittel aller Zürcher Landwirte dürften sich am Ende daran beteiligen. Die Beiträge stammen insbesondere vom Bund, der 90 Prozent der Kosten übernimmt. Der verbleibende Rest übernimmt der Kanton.

Farbe dank Tabak, Senf und Co

Die Verantwortlichen der rund 3'700 Landwirtschaftsbetriebe können dabei auf unterschiedliche Arten mitwirken, um zu einer vielfältigen Landschaft beizutragen. So soll etwa durch die Massnahme «ZH1», die unter dem Titel «breites Spektrum unterschiedlich blühender Hauptkulturen» steht, etwas «Farbe in die Ackerbaugebiete» gebracht werden.

Baut ein Landwirt mindestens drei verschiedene Kulturen an, denkbar sind etwa Sonnenblumen, Eiweisserbsen, Raps, Tabak oder Senf, soll er jährlich einen Qualitätsbeitrag von fünf Franken pro Are erhalten. Strukturreiche Dauerweiden werden mit 3 Franken pro Are entschädigt, Blumenwiesen-Streifen an Wegrändern mit 18 Franken und stehende Kleingewässer mit 150 Franken.

Die Landschaftsqualitätsbeiträge gehen damit weit über die eigentliche Bewirtschaftung des Landes hinaus; sie sollen oft ganz einfach der «Verschönerung der Landschaft» dienen (und die Bauern für den entstehenden Aufwand etwas entschädigen).

So sind auch Beiträge für den Erhalt von markanten Einzelbäumen auf Hügelkuppen, die das Landschaftsbild prägen, vorgesehen (30 Franken). Landwirte, die zum Einzäunen ihrer Weiden naturbelassene einheimische Holzpfähle verwenden, die zudem markant und das ganze Jahr sichtbar sind, werden mit 50 Rappen pro Laufmeter unterstützt.

Jährliche Beiträge erhalten können auch Landwirte, die Zaunübergänge für Wanderer funktionstüchtig halten (35 Franken) oder den Zugang zu Aussichtspunkten und Bänkli mähen, freihalten und putzen (50 Franken).

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