Wer in Zürich ein Musik-, Tanz- oder gestalterisches Studium beginnen will, braucht nicht nur Talent. Voraussetzung ist vielfach auch ein dickes Portemonnaie: Die halb- bis ganzjährigen Vorkurse an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK), je nach Fach auch Propädeutikum oder Pre College genannt, kosten pro Jahr zwischen 8'000 und 14'000 Franken.

Und dabei dürfte es bleiben. Denn eine deutliche Mehrheit des Kantonsrats hat sich am Montag dafür ausgesprochen, diese Praxis im Zürcher Fachhochschulgesetz zu verankern. Die Forderung von EVP, Grünen, SP und AL, wonach die Vorkursgebühren an die anschliessend fälligen normalen Studiengebühren in Höhe von rund 1500 Franken pro Jahr anzupassen seien, hatte keine Chance.

Vorbild für andere Hochschulen?

Die Vorkurse waren vor einigen Jahren im Zuge des Sanierungsprogramms 2004 aus Spargründen vom Kanton Zürich abgeschafft worden, wie Judith Stofer (AL, Zürich) in Erinnerung rief. Die 2007 durch die Fusion der Hochschule für Musik und Theater mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst entstandene ZHDK führte sie jedoch wieder ein – allerdings nun zu kostendeckenden, massiv höheren Gebühren in der genannten Höhe. Diese Regelung soll jetzt im Zürcher Fachhochschulgesetz festgeschrieben werden.

Daniel Heierli (Grüne, Zürich) sah darin einen gefährlichen Präzedenzfall: Auch andere Hochschulen, etwa die ETH, könnten auf die Idee kommen, Vorkurse mit höheren Gebühren einzuführen, warnte er. Mit den Vorkursen stelle die ZHDK sicher, dass ihre künftigen Studierenden die nötigen Fähigkeiten mitbrächten. Faktisch stelle dies eine Vorselektion dar, wie sie dereinst auch für anderen Hochschulen interessant werden könnte.

Zwar sind die aufs Studium vorbereitenden Kurse nicht obligatorisch. Auch andere Formen künstlerischer Vorbildung werden anerkannt. «Aber ohne Vorkurse ist es schwierig, an der ZHDK zum Bachelor-Studium zugelassen zu werden», sagte Karin Fehr (Grüne, Uster). «Dass sie nicht zu normalen Kosten angeboten werden, stellt einen massiven Verstoss gegen die Chancengleichheit in der Bildung dar», gab Hanspeter Hugentobler (EVP, Pfäffikon) zu bedenken. Die von Mitte-links geforderte Senkung aufs normale Studiengebührenniveau würde die ZHDK respektive den Kanton pro Jahr 1,5 Millionen Franken kosten, rechnete er vor. Das wäre finanziell vertretbar.

Ins gleiche Horn stiess Hannah Pfalzgraf (SP, Mettmenstetten). Die mit 21 Jahren jüngste Kantonsrätin sprach aus Erfahrung: «Ich habe den Vorkurs für 10'000 Franken gemacht.» Für angehende Kunststudierende, die nicht aus wohlhabenden Verhältnissen stammten, sei dies ein zusätzlicher Stolperstein auf dem Weg zum Studium.

Vorkurse nicht obligatorisch

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) hielt dagegen: «Die Gebühren sind deutlich höher als die ordentlichen Studiengebühren», räumte sie ein. «Der Grund liegt darin, dass die Vorkurse nicht zwingend zum Studium gehören.»

SVP, FDP, CVP, BDP, GLP und EDU hatte die Regierungsrätin auf ihrer Seite. Eine Senkung der Vorkurs-Kosten würde die ZHDK viel kosten, die FDP sei daher dagegen, erklärte Sabine Wettstein (FDP, Uster). «Die Vorkurse sind nicht obligatorisch. Daher ist es korrekt, wenn dafür kostendeckende Gebühren verlangt werden», erklärte Christoph Ziegler (GLP, Elgg) die Haltung der Grünliberalen. Fürs Verursacherprinzip sprach sich auch Hans Egli (EDU, Steinmaur) aus. Besonders für die angehenden Musikstudenten gehe es wegen der hohen Kosten für den Instrumentalunterricht ins Geld, sagte er – und fügte an: «Aber später können sie ja Stipendien beziehen.» Mit 106 zu 61 Stimmen sprach sich der Kantonsrat dafür aus, die hohen Vorkursgebühren im Fachhochschulgesetz festzuschreiben.

Zusatzkosten für Auswärtige

Die gleiche bürgerliche Ratsmehrheit votierte am Montag dafür, künftig Fachhochschul-Studierende aus anderen Kantonen sowie aus dem Ausland stärker zur Kasse zu bitten. Davon nicht betroffen sind Studierende, deren Wohnsitzkanton mit dem Kanton Zürich eine Vereinbarung über die Beteiligung an den Hochschulkosten abgeschlossen hat.

Die Änderungen am Fachhochschulgesetz sind noch nicht definitiv. Die Schlussabstimmung findet voraussichtlich in vier Wochen statt.