Wieder einmal kommt in Zürich eine Stadionvorlage zur Abstimmung: Diesmal geht es am
25. September um den Bau einer Eishockey-Arena für die ZSC Lions. 11 600 Zuschauerinnen und Zuschauer soll sie fassen, hinzu kommen eine Trainingshalle, Restaurants und Büros. Die Baukosten sind auf 169 Millionen Franken veranschlagt. Anders als bei der letzten Abstimmung für ein neues Hardturmstadion, das die Stimmberechtigten knapp ablehnten, weil die Stadt fast alles bezahlt hätte, handelt es sich nun um ein letztlich grossteils privat finanziertes Projekt. Dennoch läuft auch bei der ZSC-Arena ohne die öffentliche Hand praktisch gar nichts, weshalb die Stadtzürcher Stimmberechtigten das Sagen haben.

Falls das Stimmvolk mitmacht, spielt die Stadt Zürich Bank und gibt der ZSC Immobilien AG ein verzinstes Darlehen von 120 Millionen Franken, rückzahlbar innert 65 Jahren. Zudem überliesse sie dem Zürcher Schlittschuh-Club Land im Baurecht zu einem günstigen Zins von 35 000 Franken pro Jahr, übernähme Altlastensanierungs- und Erschliessungskosten von 4,7 Millionen und würde während der ersten 30 Jahre einen Betriebsbeitrag von jährlich höchstens
2 Millionen Franken bezahlen.

Zürcher Eishockey-Stadion: Ein Nein wäre für die ZSC Lions verheerend

Zürcher Eishockey-Stadion: Ein Nein wäre für die ZSC Lions verheerend

Zürich - 26.8.16 - Am 25. September stimmen die Zürcherinnen und Zürcher über das Projekt ab. Ein Nein hätte für den Eishockey-Club verheerende Folgen. CEO Peter Zahner nimmt Stellung.

Der städtische Kredit ist nicht verlorenes Geld

Zwar buttern die dem ZSC zugewandten Unternehmer Walter Frey, Peter Spuhler und ZSC-Sponsor Swiss Life immerhin 36 Millionen Franken in das Projekt, die noch durch 19 Millionen von Bund, Kanton und Dritten ergänzt werden sollen. Trotz diesem Privatengagement ist der Beitrag der Stadt allerdings hoch. Zu hoch für eine Stadt, deren Regierung sich vorgenommen hat, in den nächsten Jahren an allen Ecken und Enden zu sparen?
Nein. Denn erstens handelt es sich bei den 120 Millionen für die Baukosten um einen Kredit, den die Stadt verzinst zurückerhält. Das Geld ist also nicht verloren, sondern fliesst in den kommenden Jahrzehnten zurück in die Stadtkasse. Zumindest ist es so geplant.

Zweitens erhält als Gegenwert nicht nur der ZSC seine ersehnte eigene Arena, sondern die insgesamt 1250 Hockeyaner der ZSC Lions dringend benötigte eigene Eisflächen. Es handelt sich also auch um eine nötige Investition in den Breitensport. Die Kunsteisbahn Oerlikon, die heute die ZSC-Heimbasis für Trainings ist, reicht bei weitem nicht aus. Die Folge: Trainings müssen zu extremen Randzeiten frühmorgens oder spätabends stattfinden, und vielfach müssen die ZSC-Spielerinnen und -Spieler weit reisen, um trainieren zu können – etwa bis nach Bäretswil und Romanshorn, wie ZSC-CEO Peter Zahner kürzlich vor den Medien sagte. Das ist ökologisch nicht sinnvoll.

Das müssen Sie wissen zum neuen Zürcher Eishockey-Stadion

Das müssen Sie wissen zum neuen Zürcher Eishockey-Stadion

Zürich - 26.8.16 - Das Projekt kostet 169 Millionen Franken, 120 Millionen soll die Stadt Zürich übernehmen. Das letzte Wort hat die Zürcher Stimmbevölkerung am 25. September 2016.

Drittens gibt es im Hallenstadion, wo die erste Mannschaft des ZSC bislang in der Regel ihre Heimspiele austrägt, zu oft Terminkollisionen mit anderen Mietern der Halle. Unvergessen ist das Champions-League-Finale 2009, das der ZSC in Rapperswil austragen musste, weil das Hallenstadion anderweitig besetzt war. Das Hallenstadion zählt schon jetzt zu den weltweit am besten ausgelasteten Hallen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Hallenstadion AG ohne den ZSC, dessen Termin-Planung am Ende der Saison stark vom sportlichen Erfolg oder Misserfolg abhängt, besser wirtschaften kann.

122 Familiengärten müssten der ZSC-Arena weichen

Bleibt noch der Verlust von Grünflächen: 122 Familiengärten auf dem Vulkan-Areal in Zürich-Altstetten müssten der ZSC Arena weichen. Wieder einmal würde Land zubetoniert. Das ist zum einen schade für die Betroffenen Schrebergärtner, zum anderen für die Biodiversität in der Stadt. Doch hier fällt das Argument der Anzahl Betroffener ins Gewicht: Von der ZSC-Arena würden rund 1250 aktive Sportlerinnen und Sportler profitieren, während deutlich weniger Schrebergärtner das Nachsehen hätten. Einem Teil von ihnen hat die Stadt zudem Ersatz in Form von Gemeinschaftsgärten angeboten, ebenfalls in Altstetten beim Dunkelhölzli. Die vom Volk angenommene Kulturlandinitiative schützt das Familiengartenareal Vulkan übrigens nach Ansicht des Stadtrats nicht, da es von Altlasten betroffen ist.

Fazit: Das Projekt ZSC-Arena ist für die Stadt kostspielig und auch ökologisch ein Stück weit fragwürdig. Doch der Nutzen für den Breitensport überwiegt. Und auch die ZSC-Spitzensportler stehen einer Stadt wie Zürich gut an. «Der Zett ist eine Marke», meinte Stadtrat Daniel Leupi kürzlich. Im Stadtrat und im Stadtparlament geniesst das Projekt ZSC-Arena grosse Unterstützung. Nur die Grünen und die Alternative Liste waren im Gemeinderat dagegen. Ein Ja zur ZSC-Arena wäre den Hockeyanern zu gönnen. Sie haben ihre Halle verdient.

kontakt: matthias.scharrer@azmedien.ch