In der Schweiz sind Hausärzte so organisiert, dass im Notfall rund um die Uhr einer erreichbar ist, um Patienten selbst mitten in der Nacht behandeln zu können. Doch dieser ambulante Notfalldienst ist aus zweierlei Gründen gefährdet.

Einerseits herrscht besonders in ländlichen Gebieten ein "Hausärztesterben". Wie die kantonale Ärztegesellschaft (AGZ) in einer Mitteilung schreibt, kommen in den nächsten fünf Jahren ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte ins Pensionsalter - der Nachwuchs hingegen werde die Lücke nicht schliessen können. "Dies gefährdet zuerst die Notfalldienste in der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen, welche die niedergelassenen Ärzte zusätzlich zum normalen Praxisdienst erbringen", wird der Präsident der AGZ Josef Widler zitiert.

Der zweite Grund findet sich darin, dass Uneinigkeiten zwischen den Gemeinden und der AGZ bestehen. Sie streiten sich um Geld, Zuständigkeiten, Rechtsgutachten sowie die Rolle des Kantons.

Bereits 2015 hat die AGZ die Gemeinden darüber unterrichtet, dass die Zukunft des Notfalldienstes gefährdet sei und deshalb beschlossen, diesen zu reorganisieren und die AGZ Support AG zu gründen. Diese betreibt eine Notfallnummer für Patienten und koordiniert die Einsätze der Ärzte. Damit wird die administrative Arbeit der Hausärzte entlastet sowie grössere Zuständigkeitsgebiete gebildet.

Gemeinden wollen nicht zusätzliche Kosten berappen

Die Einführung in Pilotregionen hat allerdings gezeigt, dass zusätzliche finanzielle Mittel erforderlich sind, um den ambulanten Notfalldienst aufrechtzuerhalten, heisst es in der Mitteilung weiter. Pro Einwohner summiert sich der Betrag auf etwa zehn Franken pro Jahr - sehr zum Ärger der Gemeinden, wie die "NZZ" schreibt. Viele verstehen nicht, wieso sie nun bezahlen sollen, während sie bisher gratis vom Angebot profitieren konnten. 

Der Gemeindepräsidentenverband (GPV) weigert sich, dem Druck der AGZ nachzugeben - Ärzte sollen bereits damit gedroht haben, den Notfalldienst nicht mehr wahrzunehmen, sollten die Gemeinden keinen Vertrag mit der AGZ abschliessen. Jörg Kündig, Präsident des Verbands, stellt klar, dass die Hausärzte gesetzlich verpflichtet sind, Notfallversorgung nach wie vor sicherzustellen.

Aus diesem Grund hat der Verband den Gemeinden empfohlen abzuwarten - mit Erfolg, wie sich zeigt. Denn bisher sind noch keine Zusagen auf die 23 verschickten Offerten eingegangen. Eine mühsame Situation für die AGZ, die den neuen Dienst ab Januar starten wollte. Nun drohen sie gemäss "NZZ" mit Konsequenzen, sollten die Gemeinden das Angebot weiterhin ausschlagen. Diese würden beinhalten, dass die Ärzte zwar Notfalldienst leisten - wie es das Gesetz verlangt -, allerdings müssten die Gemeinden dann die Organisation übernehmen. Denn gemäss Gesundheitsgesetz stehen auch sie in der Verantwortung.

Die Gemeinde hingegen verweisen auf den Kanton, welcher ebenfalls verantwortlich sei. Diese reisst sich allerdings ebensowenig um die zusätzlichen Kosten. Bis Ende Jahr müssen sich die Beteiligten einigen, sonst braucht es eine kurzfristige Notlösung für den Notfalldienst.